Drama „White Boy Rick“

Drama „White Boy Rick“ : Gangster-Biografie mit Scorsese-Flair

Der Niedergang der ehemaligen Autostadt Detroit in den 1980er Jahren zog viele menschliche Dramen nach sich. Die wahre Geschichte von Rick Wershe Jr., der als Teenager vom FBI als Informant angeheuert wurde und drei Jahre später eine lebenslange Freiheitsstrafe erhielt, könnte eine typische Gangster-Biografie von Martin Scorsese sein.

Doch Regisseur Yann Demange („71: Hinter feindlichen Linien“, „Top Boy“) überhöht die deprimierenden Verhältnisse nicht für ein Genre-Drama. Bei „White Boy Rick“ ist nichts Schillerndes zu finden - was den Filmbesuch zu einer niederschmetternden Erfahrung macht. Wie Rick mit seinem Vater Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey) illegale Schnellfeuerwaffen handelt und aufmotzt, wirkt noch raffiniert.

Dabei ist der Senior schon eine tragische Gestalt, die ein prekäres Leben mit nur einem Fuß in der Gesetzlosigkeit noch als akzeptabel erachtet. Nicht nur weil die Tochter Dawn (Bel Powley aus „Mary Shelley“) ein hoffnungsloser Junkie ist, gehen Deals mit Drogen gar nicht. Papa ist deswegen entsetzt, als Rick durch Druck von ein paar skrupellosen FBI-Beamten (großartig: Jennifer Jason Leigh) immer mehr in diese Szene abrutscht.

Letztendlich verraten die Gesetzeshüter den Spitzel, den sie mit Drogen zum Verkauf versorgt haben, und Rick wird als 17-Jähriger zu lebenslangem Gefängnis verurteilt. Darren Aronofsky („Mother!“, „The Wrestler “) ist einer der Produzenten und man erinnert sich an die Spirale des Niedergangs im umwerfenden Drogenfilm „Requiem for a Dream“. Hier gäbe die Geschichte die gleichen Voraussetzungen her, doch die Ausführung ist nüchtern bis ernüchternd.

Der Feststellung furchtbarer Lebensumstände lässt sich so rein gar nicht Weiteres abgewinnen. Der hoffnungslose Glaube an eine Wendung ins Positive bei der von Matthew McConaughey noch am eindringlichsten gespielten Vaterfigur, wirkt besonders deprimierend. Dass der 49-Jährige Rick 2017 begnadigt wurde, ist eine Fußnote des Abspanns.

USA 2018 Regie: Yann Demange, mit Richie Merritt, Matthew McConaughey, Bel Powley 112 Min. FSK ab 12

Aachen: Eden

Düren: Lumen

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