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Tragikomödie „Nationalstraße“: Die Schweine da oben, die Schweine da unten

Tragikomödie „Nationalstraße“ : Die Schweine da oben, die Schweine da unten

„Vandam“ (Hynek Cermák) ist ein Idiot und Schläger, der sich wundert, dass alles in Politik und Gesellschaft gegen ihn läuft.

Sein Spitzname, nach dem belgischen Action-Schauspieler Jean-Claude Van Damme, wird selbstverständlich direkt mal falsch geschrieben. Der Prager Möchtegern-Held kann sich vor allem prügeln und viele Liegestütze. Er ist kein Nazi, aber ... In seiner hässlichen Stammkneipe ist er legendär, weil er 1989 angeblich auf der Nationalstraße in Prag mit einem Faustschlag die Samtene Revolution ausgelöst haben soll. Allerdings war er damals schon auf der falschen Seite, schlug als Polizist einen Demonstranten und wurde tatsächlich wegen seiner Drogenabhängigkeit rausgeworfen.

Nun will Vandam bei der jüngeren Kneipenchefin Lucka ran und macht sich deswegen zur Aufgabe, ihre verschuldete Kneipe zu retten. Indem er den Anzug-Typen von der großen Firma zusammenschlägt. Und als letzter kapiert, dass der Ausverkauf nur ein kleiner Teil einer großen Umgestaltung der Gegend ist.

Die Glatzen als letzte Bastion gegen die Gentrifizierung? Die Adaption eines Romans von Štěpán Altrichters wirkt wie die Verfilmung von „Man muss auch mit den Rechten reden“. Und der Film lässt Vandam viel reden. Der simpel gestrickte Protagonist meckert und jammert die ganze Zeit hinter seinem Bier am Stammtisch: Gegen all diese Schweine da oben, gegen all diese Schweine da unten. Immer sind die anderen schuld - an dem Scheiß, den er baut, dass er den Führerschein verloren hat und aus dem Polizeidienst geflogen ist.

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Das lässt sich in „Nationalstraße“ auch schwer ertragen, weil der nur mäßige Versuche anstellt, den erschreckend banalen und brutalen Idioten zu überhöhen. Passend dazu ist das Objekt, um das sich alles dreht, eine ausgesucht hässliche Kneipe. Wohlgemerkt nicht so stilvoll hässlich wie „Der goldene Handschuh“ aus Fatih Akins Film in Hamburg. Im Vorort von Prag stehen einfach nur Resopal-Tische. Und nie wird nachvollziehbar, weshalb die nicht einfach weg können.

Tschechien, BRD 2019 (Národní trída), Regie: Stepan Altrichter, mit Hynek Čermák, Kateřina Janečková, Jan Cina, Václav Neužil, 91 Min., FSK ab 16 Jahre

Aachen, Apollo