„Asi mit Niwoh“: Die Jürgen Zeltinger Geschichte

„Asi mit Niwoh“ : Die Jürgen Zeltinger Geschichte

„De Plaat“ Jürgen Zeltinger wurde mit seinem kölschen Punkrock in den 1980er-Jahren auch bundesweit zur Kulturfigur. Die massige Gestalt, ein Hauch von Unterwelt und Mitgröhl-Musik, die raffiniert im Dialekt-Trend lag, sorgten für einen kurzen Erfolg.

Oliver Schwabe, Regisseur von Spielfilmen („Egoshooter“, „Zarte Parasiten“) und Musik-Dokus zeigt nun mit wachem Auge für Realsatire einen reifen Zeltinger, der immer noch einen Film wert ist.

Wenn der „Asi mit Niwoh“, so einer der Hits von Zeltinger, heute am Teich seine Koi füttert und liegend im Interview über Leben und Band räsoniert, ist das ein krasser Gegensatz zu punkigen Randale-Auftritten von früher. Die Kamera hat ein gutes Auge für die Brüche, wenn im Vordergrund ein Motorrad wegbraust und hinten ein sehr fetter Zeltinger mit seinem E-Scooter durchs Bild zuckelt.

Dabei macht sich das Porträt keineswegs lustig über ihn - das erledigen schon die Zeitzeugen, unter anderem BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, Komponist Arno Steffen und Heiner Lauterbach, der in Köln und Paris einiges mit Zeltinger erlebt hat. Der alte Band-Kumpel Steffen erzählt von der damaligen „Zwangsrekrutierung“ durch Zeltinger, bei der sich die Musiker in Hauseingängen versteckt hätten, um nicht in dessen Bands mitmachen zu müssen.

Die Hits wie „Müngersdorfer Stadion“ oder „Mein Vater war ein Wandersmann“ klingen in alten Auftritte an. Vor allem gelingt Regisseur Schwabe aber, die Feinheiten des Milieus nachzuzeichnen. „De Plaat“ war schon immer ein faszinierender Charakter, ein gewisses Maß an Altersweisheit kann sich dabei sehenlassen. Vor allem die unverstellt persönlichen Aussagen von Weggefährten und Zeltinger selbst machen diese lebendige Musik-Doku sehenswert.

BRD 2018 Regie: Oliver Schwabe 94 Min. FSK ab 12

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