„Der letzte Bulle“: Der Ruhrgebiets-Macho Mick ist zurück

„Der letzte Bulle“ : Der Ruhrgebiets-Macho Mick ist zurück

„Der letzte Bulle“ Mick Brisgau ermittelt wieder im Ruhrgebiet. Nach der Sat.1-Serie erzählt nun ein Kinofilm die Geschichte des sympathischen Machos mit Fliegerbrille neu. Besonders hart für ihn: Seine Ex-Freundin hat einen Neuen und isst jetzt vegetarisch.

Als Fernseh-Serie war der komatöse „Letzte Bulle“ 2010-14 schon ein Relikt in den Randbereichen der TV-Fernbedienung. Doch das ist ja heutzutage kein Grund, so was nicht auch noch mal ins Kino zu bringen. Hollywood macht es vor. Als wacht Polizist Mick Brisgau (Henning Baum) noch mal aus dem Koma auf. Diesmal - modernisiert! - nach 25 statt 20 Jahren. Aber immer noch ist er mental auf dem Stand der 80er Jahre, auf dem Stand eines rückständigen Machos der 80er.

„Ich hab’ alles gegeben, trotzdem ist es ein Mädchen!“ Solche Sprüche lässt Mick Brisgau raus, als er während der Geburt der Tochter in der Stammkneipe feiert. Danach kam der Schuss aus dem Hinterhalt. 25 Jahre und ein Koma später ist die Tochter erwachsen und die Frau längst anders verheiratet.

Die Idee, jemanden nach Jahren wieder auferstehen zu lassen, ist nicht schlecht und wurde schon oft umgesetzt, siehe „Captain America“. Hier geht allerdings erst mal eine Menge Slapstick ab. Seltsamerweise gibt sich der Film am Anfang und dann wieder am Ende am blödesten. Dann baut dieser Schimanski für Arme seine Muskeln wieder auf, eckt er überall an. Selbstverständlich muss der Schütze gefunden werden und auch korrupte Kollegen leben nun nicht mehr sicher.

„Der letzte Bulle“ erreicht in den besten Momenten gerade so das Niveau eines TV-Krimis am Nachmittag. Wenn es besonders schlimm kommt, wie im Nachklatsch, sieht es aus wie Siegerehrungen vom Gartenverein. Der Spaß beschränkt sich darauf, dass da einer mal wieder Sexist, Rassist oder sonst wie Idiot und gleichzeitig „cool“ sein kann. Mick parkt mit dummem Grinsen auf Behinderten-Parkplätzen - „das waren noch Zeiten!“ Wenn der Polizist aus der Steinzeit blöd und rückständig ist, kann das unter Geschmackssache durchgehen. Allerdings klingt da dieses ganze unverbesserlich rechte Mimimi wegen politischer Korrektheit, wegen Anschnallpflicht oder Rauchverbot mit.

Die zwanghafte Ruhrgebiets-Deko „Der letzte Bulle“ will Kult sein. Passt irgendwie zu Sonnenbrille und Lederjacke sowie Simpel-Handlung. Das wenig komische Relikt aus dem letzten Jahrhundert disqualifiziert sich auch mit miesem, schlecht nachsynchronisiertem Schauspiel. Ein politisch unkorrekter Neandertaler im schlechten Film - da ist für jeden Nichts dabei.

BRD 2019 Regie: Peter Thorwarth mit Henning Baum, Leonie Brill, Robert Lohr

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