Dokumentation „They Shall Not Grow Old“: Der Erste Weltkrieg in Farbe

Dokumentation „They Shall Not Grow Old“ : Der Erste Weltkrieg in Farbe

Peter Jackson, Regisseur von „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“, hat aus über hundert Jahre altem Filmmaterial mittels Kolorierung und Nachvertonung ein erschütterndes Mahnmal gegen den Krieg geschaffen. „They shall not grow old“ folgt viel zu jungen Männern in das Schlachten an der Westfront.

Der gleichzeitig alte und noch nie so gesehene Film beginnt chronologisch mit Kriegserinnerungen von Zeitzeugen, die 1914 erst 15, 16 oder 17 Jahre alt waren. Und voller Naivität und Bedenkenlosigkeit. Zu Hause gab es keine anständigen Jobs und man wollte „was erleben“. Das alles noch unterlegt mit Schwarzweiß-Bildern, die nur den halben Bildschirm füllen.

Nach einem langen Marsch durch Frankreich und Belgien, vorbei an völlig zerstörten Städten, wird das Bild Leinwand füllend und farbig. Der Effekt ist verblüffend: Plötzlich ist man mitten drin in diesem Schlamm zwischen zersplitterten Bäumen und Stacheldraht, bei den ermüdeten Gesichtern meist sehr junge Männer. Die zum Symbol dieses grausamen Mordens gewordenen Mohnblumen leuchten hier wie das natürlichste der Welt inmitten von Trümmern und Leichen.

Der Effekt liegt nicht nur in der aufwändigen Kolorierung des Schwarzweiß-Materials, auch Nachvertonung macht die echten Bilder wieder lebendig. Im Off erzählen die Soldaten derweil von der miserablen Ausstattung, bei der selbstverständlich nichts passte. Das Rasiermesser taugte nicht, mit der Zahnbürste konnte man nur Knöpfe sauber machen, denn das war wichtig in der Armee, blinkende Knöpfe zu haben. Sehr detailliert und bodenständig wird vom Warten erzählt, von stundenlangen Bombardements und den folgenden Angriffen. Im weiteren Verlauf spart die erschreckende Dokumentation nicht mit Bildern von verwesenden Menschen und Pferden. Da wünscht man sich zeitweise die furchtbarsten Szenen aus „Herr der Ringe“ zurück.

Es ist schon ironisch, dass ausgerechnet Peter Jackson, der wegen seiner überbordenden Schlachtszenen in „Der Herr der Ringe“ berühmt wurde, nun einen bewegenden Anti-Kriegsfilm macht. Er widmete den Film seinem Großvater, der in diesem Krieg gekämpft hatte. Selbstverständlich manipuliert ein guter Filmemacher wie Peter Jackson: Die lachenden Gesichter, denen im Schnitt blutige und deformierte Leichenköpfen folgen, sind nicht die gleichen Personen. Aber die abschreckende Wirkung ist groß, „They shall not grow old“ sollte Pflichtprogramm für alle sein, die politisch mit Krieg spielen, ohne sich drum zu kümmern, was das für alle beteiligten Menschen bedeutet.

Großbritannien, Neuseeland 2018 Regie: Peter Jackson 99 Min. FSK ab 16

Aachen: Apollo, Eden

Düren: Lumen

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