Hoch dramatisch: „Das schönste Paar“ erzählt eine Liebesgeschichte rückwärts

Hoch dramatisch : „Das schönste Paar“ erzählt eine Liebesgeschichte rückwärts

Nach dem paradiesischen Glück kommt die Hölle: Ein verliebtes Paar wird auf der Urlaubsinsel von drei jungen Männern überfallen. Sie vergewaltigen die Frau, er muss zusehen. Zwei Jahre später lebt das Paar liebevoll im Alltag und privat.

Sie haben Spaß und Sex, Liv (Luise Heyer) feiert das Ende ihrer Therapie, Malte (Maximilian Brückner) hat das Boxen für sich entdeckt. Alles wieder gut, bis er eines Nachts zufällig einen der Vergewaltiger sieht. Das Entsetzen weicht ihm nicht mehr aus dem Gesicht, Malte folgt dem Typen (Leonard Kunz) und dessen Freundin (Jasna Fritzi Bauer), später bricht er in Abwesenheit deren Wohnung auf. Als Liv ihn endlich dazu bringt, zu erzählen, was nicht stimmt, will sie die Sache ruhen lassen. Er kann es nicht.

Ab dem Moment ist „Das schönste Paar“ wie ein Liebesfilm, der rückwärts läuft. Alles war gut, dann geht alles den Bach runter. Immer denkt man mit: Ist es das wert? Wohin bringt es einen, den Gefühlen von Wut und Rache nachzugeben? Gerechtigkeit ist nicht mehr zu erwarten, das macht ein Polizist dem Paar klar.

„Irgendwann steht man vor der Entscheidung, ob man sich sein Leben versauen lässt, von seinen Ängsten und Vorwürfen, weil man drei Arschlöchern begegnet ist, oder ob man’s einfach mal verpackt“, meint Liv. Nur Malte packt es nicht weg.

Angefangen vom schwer erträglichen Prolog mit der Vergewaltigung steigert sich der hervorragende Film immer mehr; wird hoch dramatisch und setzt trotzdem noch einen offenen hoffnungsvollen Schlusspunkt. Neben dem vorsichtigen Buch und der zurückhaltenden Inszenierung von Sven Taddicken („Emmas Glück“, „Gleißendes Glück“) packt das besonders gute, feine Spiel von Luise Heyer („Der Junge muss an die frische Luft“, „Jack“) und Maximilian Brückner („Kirschblüten – Hanami“). Ein schwieriger, heftiger und sehr guter Film.

BRD, Frankreich 2018 Regie: Sven Taddicken, mit Maximilian Brückner, Luise Heyer, Leonard Kunz, Jasna Fritzi Bauer, 93 Min. FSK ab 16

Aachen: Apollo

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