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Coronavirus-Krise: Die Kinos in NRW öffnen wieder

Corona-Krise : Die Kinos machen wieder auf!

Die Kinos machen wieder auf! Die Freude über diese Schlagzeile wandelt sich schon bei kurzer Nachfrage unter den Betreibern zu einem bedenklichen Rätselraten. Wie der Kinobesuch ab dem 30. Mai in NRW aussehen wird und was man sehen kann, ändert sich täglich.

Die 1734 seit Mitte März geschlossenen Kinos Deutschlands starten zu Zeit langsam und nach Bundesländern getrennt zu unterschiedlichen Zeiten und Bedingungen. Hessen macht seit dem 15. Mai ohne große Begeisterung den Anfang. Schleswig-Holstein und Sachsen sind seit dem 18. dabei, Nordrhein-Westfalen schließlich am 30. Mai.

In Berlin und Bayern bleiben die Filmtheater vorerst geschlossen. Bei der divergenten Situation der Bundesländer gibt es nur bei einer Frage Einvernehmen: Lohnt es sich überhaupt, ein halb leeres Kino zu betreiben? Neben den hygienischen Bedingungen und den Abstandsregeln ist das Filmprogramm selbst ein großes Problem. Wie die Coronavirus-Regeln sind auch die Kinostarts in dauernder Bewegung.

In Aachen werden alle Kinos die NRW-Öffnung am 30. Mai mitmachen. Die uneinheitliche Situation zeigt sich auch bei den Öffnungszeiten: Der Eden-Palast soll Freitag bis Montag öffnen, das Capitol Freitag und Samstag, das Cineplex und der Cinetower in Alsdorf täglich. Das Apollo vorerst von Mittwoch bis Sonntag und mit unterschiedlichen Einlasszeiten, wobei auch das wöchentliche Seniorenkino am 3. Juni das geplante Programm mit „Emma“ in gleich drei Sälen wieder aufnimmt.

Düren lockt mit einem Einheitspreis von 4,50 Euro. Erkelenz bleibt bis zum 17. Juni geschlossen. In den Niederlanden geht es am 1. Juni wieder ins Kino, das Vue in Kerkrade und das Quatro Cinema in Heerlen öffnen mit den üblichen Schutzbestimmungen wie den Masken, die im Foyer getragen werden müssen. Hans-Peter Coenen, als Mit-Gründer von Movie, Diana und Apollo Urgestein der Aachener Kinoszene, beklagte einige Tage vor diesem Termin noch die Unklarheit der Regeln.

Auch das mögliche Programm bleibt täglich in Bewegung. Neustarts machen sich auf jeden Fall sehr rar. Am 20. Mai gab es noch die Kuriosität eines Autokino-Starts mit dem kleinen Film „Man from Beirut“ um einen blinden Auftragskiller (Kida Khodr Ramadan).

Für den 28. Mai dann nur der sehr mäßige und wenig originelle regionale Spielfilm „Lotti oder der etwas andere Heimatfilm“ sowie das Drama „Kabul Kinderheim“. Es gibt allerdings keineswegs einen Mangel an Filmen; die Folgen der unterbrochenen Dreharbeiten wären eventuell erst nächstes Jahr zu sehen - oder nicht zu sehen.

Nach Coenens Einschätzung geht es erst am 2. Juli richtig los. Denn die Kinos sind auf einheitliche Bundesstarts angewiesen, für die großen, lauten Produktionen sogar auf weltweite Starts. So lassen sich die großen Filmproduzenten und Verleiher am meisten Zeit. Disneys Realverfilmung von „Mulan“ ist noch für den 23. Juli eingeplant. Dieser Termin würde aber platzen, wenn Nord-Amerika oder auch andere große Märkte nicht mitmachen. Ganz auf Nummer Sicher geht „No Time To Die“ mit seinem Rückzug auf den November.

James Bond war der erste. der vor Corona die Flucht ergriff. Also zunächst Wiederaufnahmen von Filmen, denen die Pandemie eine komplette Auswertung im März verhindert hat. Etwa die „Känguru-Chroniken“, der Oscar-Gewinner „Parasite“ und „La verité“ mit Deneuve und Binoche im Apollo. Der erste aufregende Start erfolgt am 25. Juni mit dem neuen „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani („Wir sind jung. Wir sind stark“). Ein anderer vielbesprochener Berlinale-Film, Christian Petzolds „Undine“, startet am 2. Juli. Ebenso der neue Eastwood: Das medienpolitische Drama „Der Fall Richard Jewell“ kommt von Warner endlich am 2.7., in den USA lief er schon im Dezember. Sebastian Stürtz von Cineplex, Eden und den Alsdorfer Kinos will am 30. Mai mit dem Filmangebot aus Mitte März öffnen.

Die Gäste müssen dann beim Betreten des Foyers eine Maske tragen. Am Sitzplatz darf diese abgelegt werden. Die Tickets sollen vor allem online verkauft werden, ebenso die Gutscheine für Popcorn und Co. Die beiden Autokinos der Familie Stürtz in Aachen und Alsdorf werden übrigens mit der Wiedereröffnung der Kinos am 1. Juni seine letzte Vorstellung haben. Im Apollo ist eine „Einbahnstraßen“-Regelung eingerichtet, raus geht es immer über die Notausgänge. Ein Mundschutz muss an der Kasse getragen werden, dort gibt es auch „offline“ Kinotickets.

Dass der Wiederanfang bei uns ausgerechnet an einem Samstag erfolgt, wo doch der klassische Kino-Tag für Neustarts der Donnerstag ist, zeigt laut Coenen, dass in NRW keine Kinoleute mitentschieden haben. Erfreut ist er hingegen über die Treue der Apollo-Kunden: Der Verkauf von Gutscheinen läuft. Organisatorisch sitzt das Apollo mit seiner Saalmöblierung quasi „zwischen den Stühlen“: Bei einem Abstand zwischen den Reihen von 1,2 Meter müssten mit der Abstandsregelung von 1,5 Metern immer zwei Reihen frei gelassen werden.

Würde die Regelung auf einen Meter wie in Italien und Österreich reduziert, würden sich die 120 möglichen Plätze direkt verdoppeln. Schon beim beliebten Kinobesuch jenseits der Grenze, wo früher Blockbuster oft früher starteten, sieht alles anders aus: Ob das Vue in Kerkrade mit Riesen-Gängen und Sälen sowie hunderten Plätzen, das beschaulichere traditionelle Quatro Cinema in Heerlen von Kinobetreiber Laurens van Bergen oder das neue, verwinkelte Arthouse-Kino Lumiere in Maastricht, für alle gilt ein Maximum von 30 Personen pro Saal! Das wird im kleinsten Kino schon eng, in den größten sehr einsam.