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„Beach Bum“ rund um Lebenskünstler Moondog ignoriert jede Provokation

Schräge Rolle für Matthew McConaughey : „Beach Bum“ rund um Poet Moondog ignoriert jede Provokation

Das ist mal ein echter Wohlfühlfilm! Das ehemalige Wunderkind Harmony Korine zeigt nach der Sensation „Spring Breakers“ nun einen sensationellen Matthew McConaughey als den konsequent durchgeknallten und bekifften Lebenskünstler und Poeten Moondog.

Der neue Harmony Korine „Beach Bum“ ist eine Provokation höchstens darin, wie er jede Provokation ignoriert.

Ein sonnendurchfluteter Bukowski, ein dichtender „Big Lebowski“: Der Poet Moondog (Matthew McConaughey) ist immer betrunken, an und auf den Florida Keys bekannt wie ein bunter Hund und einfach glücklich. Wobei ihm das breite Angebot an Drogen hilft, das er täglich konsumiert. Da Glück für diesen „Beach Bum“ Ausgangs- und End-Zustand ist, braucht man handlungsmäßig nicht viel erwarten. Obwohl ziemlich viel passiert und Moondog ziemlich viel Spaß hat, kümmert sich Harmony Korine wunderbar wenig um übliche Handlungs-Leitfäden.

Irgendwann schippert Moondog wegen der Heirat seiner Tochter zur Luxus-Villa seiner Frau Minnie (Isla Fisher), spielt am Piano etwas Bach, bespricht die Feierlichkeiten, während seine Zungenfertigkeit eigentlich sexuell ausgelastet ist. Dann zieht er mit Lingerie (Snoop Dogg), sein Kumpel und Liebhaber seiner Frau, einen durch. Selbst als Minnie bei einem wilden Trip stirbt, folgt Moondog seinem Prinzip, vor allem Spaß haben. Was nun etwas schwieriger ist, weil Minnie ihm erst ihr Vermögen vererbt, wenn er endlich sein Buch zu Ende schreibt.

Ja, was dieser alte Junkie da treibt, ist mehr als hedonistisch, der Film-Dienst bezeichnet „Beach Bum“ in seiner Kritik gar als „hypervulgär“. Wenn Moondog mit seiner kleinen roten Reiseschreibmaschine im Schritt banale Obszönitäten absondert, erinnert er an Johnny Depps Gonzo aus Hunter S. Thompsons „Fear and Loathing in Las Vegas“. Aber auch, was Moondog im Hawaii-Hemd oder Frauen-Fummel so auf seinen Booten anstellt, hat etwas Depp-ertes. Dabei ist er kein Scharlatan. Er zitiert immer wieder mal Baudelaire oder D.H. Lawrence. Mit dessen geliehenen Zeilen gewann er allerdings einst trickreich einen Poesie-Wettbewerb.

Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“, „Wolf of Wallstreet“) beeindruckt mal wieder in einer ganz anderen Rolle. Wunderbar auch, wie Isla Fisher („Nocturnal Animals“) die große, wahnsinnige Liebe von Moondog verkörpert. Zac Efron („Baywatch“, „Greatest Showman“), Rap-Superstar Snoop Dogg, Jonah Hill („The Wolf Of Wallstreet“) und Martin Lawrence („Bad Boys“) machen in kleinen, mehr oder weniger bescheuerten Rollen beim Film-Spaß mit.

Klar kann man sich über Einiges aus dem breiten Angebot von Illegalem, Unverschämtem und Gemeinem aufregen, das Moondog anbietet. Doch die beschwippste Mischung und Hippie und Guru, würde einem schon zu bedenken geben, weshalb man sich das Leben so schwer macht. Harmony Korine präsentiert diese Lebensphilosophie so sonnig überstrahlt und filmisch gekonnt, dass sich moralische Hirnverkrampfungen gerne in ein breites, anhaltendes Grinsen auflösen.

USA, Großbritannien, Schweiz, Frankreich 2019 Regie: Harmony Korine mit Matthew McConaughey, Isla Fisher, Snoop Dogg, Zac Efron, Jonah Hill, Martin Lawrence 95 Min. FSK ab 16

Aachen: Cinekarree, Eden

Erkelenz: Gloria