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„Raus“: Auf dem erdrückenden System fliehen

„Raus“ : Auf dem erdrückenden System fliehen

Glocke (Matti Schmidt-Schaller) zündet den Proleten-SUV vom Zuhälter eigentlich nur an, weil er mit Lena ins Bett will. Doch da das nicht klappt und Glocke, will er nur noch weg. Raus ist ein Film über Aussteiger aus dem gesellschaftlichen System.

Weg von dieser Gesellschaft mit ihrer Ausbeutung, ihrer Gewalt gegen Mensch und Tier. Er folgt der Weg-Beschreibung eines mysteriösen Führers, um mit anderen Aussteigern dessen Hütte in der freien Natur zu finden.

Wie die Bilderfetzen so rasen auch systemkritische Sprüche im Sekundentakt über die Leinwand. Die jungen Menschen mit den roten Mützen sind Aussteiger. Aber von was sie weg wollen, erahnt man nur in Fragmenten, denn sie sollen auf dieser Reise nichts von ihrem Vorleben erzählen.

Die Gespräche auf dieser Schnitzeljagd klingen sehr nach Schulausflug. Dabei sind die Charaktere der fünf Suchenden klar: Die Ex-Nazibraut schlägt gerne und ohne Ende zu. Der Streber zieht tatsächlich einen Rollkoffer über die Gipfel und ist zu gut vorbereitet. Die Stille wird sich in Glocke verlieben und der Laute kommt zum Nachdenken.

Während die jungen Helden schon mal von ein paar Nordic Walkern abgehangen werden, gibt es immer wieder Ärger, wenn sie die Zivilisation streifen. Aber wilde Natur ist auch in der Geschichte nur Behauptung und Dekor. Nirgendwo lauert so große Gefahr, dass es existenziell wird wie in John Boormans „Delivrance“ („Beim Sterben ist jeder der Erste“, 1972). Zwar schauen auch der „Herr der Fliegen“ (hier: Bienen) und der „Zauberer von Oz“ vorbei, doch nur als oberflächliche Andeutung.

Die Bilder und die reinen Montagesequenzen im Kinodebüt des Musikclip-Regisseurs Philipp Hirsch sind dabei noch am reizvollsten in der anständigen Inszenierung mit guten Darstellern. Das Ziel ist schließlich ein zünftiger Hütten-Urlaub in der Natur. Das erfüllt keine großen Erwartungen, aber dafür muss man ihn auch nicht gleich massakrieren.

Raus BRD 2018 Regie: Philipp Hirsch, mit Matti Schmidt-Schaller, Milena Tscharntke, Tom Gronau, Matilda Merkel, Enno Trebs 102 Min. FSK ab 12

Ab 17. Januar im Apollo in Aachen