Fixpunkt in drei Epochen: „Asche ist reines Weiß“ ist beeindruckend und sicher inszeniert

Fixpunkt in drei Epochen : „Asche ist reines Weiß“ ist beeindruckend und sicher inszeniert

Jia Zhang-Ke stammt aus der Chinesischen Volksrepublik und ist nicht nur wegen seiner Festival-Erfolge „Still Life“ (Goldener Löwe Venedig 2006) und „A Touch of Sin“ (Bestes Drehbuch Cannes 2013) ein international angesehener Regisseur.

Er erzählt öfters in Episoden, aber immer taumeln seine Figuren im raschen Wandel Chinas. „Still Life“ spielte zum Beispiel vor dem Hintergrund des größten Staudamm-Projekts der Welt, für das zahllose Menschen umgesiedelt wurden.

Nun ist Qiao (gespielt von Zhang-Kes Ehefrau Zhao Tao) Fixpunkt in drei Epochen: Als junge, resolute Frau liebt sie 2001 Bin, einen lokalen Gangster in einer Bergbau-Region im Norden Chinas (aus der Zhang-Ke selbst stammt). Qiao ist eine richtige Nummer, tanzt, säuft, kümmert sich um ihren Gangster und den alten Vater. Ihr Dorf ist im Niedergang, weil sich die Menschen nicht damit abfinden wollen, dass die Kohle keine Zukunft mehr hat. Bei einem Angriff von jüngeren Gangstern, die den alten König Bin stürzen wollen, rettet sie ihn mit einer Pistole und muss dafür fünf Jahre in Haft.

Nach der Entlassung 2006 taucht Bin nicht auf. Er hat nicht nur eine neue Frau, sondern ein ganz neues Leben in einer großen Stadt: Aus Gesetzlosen sind Unternehmer geworden. Doch Qiao wird überall abgewiesen und kann sich nur mit Tricks und Diebstahl in die Heimat zurückschlagen. Dorthin wird sie auch zwölf Jahre später Bin bringen, der mit verletztem Wirbel nicht mehr gehen kann.

Beeindruckend sicher inszeniert, packt „Asche ist reines Weiß“ ohne lautes Drama. Deutlich werden die dokumentarischen Tendenzen des Regisseurs, sein zwölfter Film zeigt nicht nur nebenbei den Wandel Chinas auf. Bei Qiaos Entlassung läuft der Drei-Schluchten-See gerade voll und versenkt alte Sehenswürdigkeiten. Auch wenn Jia Zhang-Ke einem breiten Publikum noch nicht bekannt sein sollte, „Asche ist reines Weiß“ erweist sich als ein weiteres bemerkens- und sehenswertes Werk.

VR China, Frankreich, Japan 2018 (Jiang hu er nü) Regie: Jia Zhang-Ke, mit Zhao Tao, Liao Fan, 150 Min.

Aachen: Apollo

Mehr von Aachener Zeitung