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Aachen/Region: Käse, Schokolade, Wein und Bier: Eine Genuss-Tour im Herver Land

Aachen/Region : Käse, Schokolade, Wein und Bier: Eine Genuss-Tour im Herver Land

Genießer werden begeistert sein, auf der Route von Henri-Chapelle nach Visé. Hier im Herver Land werden lokale Produkte nach alter Handwerkstradition — mit großer Leidenschaft — hergestellt. Käsemacher, Chocolatiers, Weinbauern, Bierbrauer und Gänsezüchter öffnen gerne ihre Höfe, Ateliers und guten Restaurants für Gourmets und Gourmants.

Von Aachen führt die Lütticher Straße — L 264, dann als N3 Route Charlemagne — über Kelmis nach Henri-Chapelle. Dort im Ortszentrum geht es dann rechts in die Route d’Aubel und die Rue du Mémorial Américain. Alternativ führt die Anreise über die Autobahn-40 Richtung Lüttich. Man nimmt die Ausfahrt Welkenraedt und folgt nach der Ortsdurchfahrt Welkenraedt der Straße N 67 bis auf die N 3.

Diese Straße verläuft über einen Hügelrücken. Hier gibt es die schönsten Aussichten auf das Herver Land und Aubel. Der Anblick des 23 Hektar großen amerikanischen Soldatenfriedhofs Henri-Chapelle lässt wohl niemanden unberührt.

Die Gedenkstätte liegt auf der höchsten Stelle. Auf der anderen Straßenseite gegenüber ist ein Aussichtspunkt eingerichtet. Weniger Meter weiter nutzen bei gutem Wetter Modellflugliebhaber den steilen Hang für ihre Kunststücke.

Sint-Pieters-Voeren

Die Rue du Mémorial Américain geht in die N 608 (Lobos) über — vorbei an Aubel und Hagelstein. Einige hundert Meter hinter der Abzweigung nach Aubel lohnt sich rechter Hand ein Abstecher nach Sint-Pieters-Voeren. Sint-Pieters-Voeren und die anderen Dörfer der Voerstreek gehören zu Belgisch-Limburg, also zu Flandern.

Die sogenannte Commanderie gilt als eine der charaktervollsten Burganlagen der Region. Sie wurde in den Jahren 1607 bis 1625 im prachtvollen und typischen Stil der Maasländischen Renaissance erbaut und war einst im Besitz des mächtigen deutschen Ritterordens.

Doch zurück auf die N 608. Sie schlängelt sich nun durch eine beschauliche Landschaft hinunter bis zur Niedermaas. Aber nicht immer ging es hier so beschaulich zu. Die Region ist auch durch Kriege geprägt. Forts und Bunker wie Barchon, Eben-Emael und Neufchâteau-Aubain halten die Erinnerung daran wach.

Immer wieder kommt man aber nun durch typische Dörfer wie Warsage mit der hübschen Kirche Saint Pierre. In Warsage wird Bier gebraut, in der Brasserie Warsage. Die Biere von Warsage werden über dem offenen Feuer gemacht — nach althergebrachter Art mit dem Fourquet, einer Schaufel mit Löchern, mit der Wasser und Malz schaumig verrührt werden.

Schloss Dalhem

Warsage gehört zur Gemeinde Dalhem. Es ist der nächste Ort auf unserer Route. Auf einem Felsen des Oberdorfes über dem Flüsschen Berwinne thront die Ruine des ehemaligen Schlosses Dalhem. Die Pfarrkirche Saint-Pancrace, mit kleinem Friedhof und ihrem bemerkenswerten Turm aus dem Jahre 1714, ist ebenso sehenswert.

Ein Ensemble schöner alter Häuser, das Kopfsteinpflaster und der fast 400 Jahre alte Hohlgang Wichet de la Rose (1620) prägen das mittelalterliche Bild von Dalhem. Der Blick geht auf enge, steile Gassen vom Unter- zum Oberdorf. Sie machen das mittelalterliche Festungsstädtchen so reizvoll. Dalhem hat auch kulinarische Reize. Es gibt hier einige kleine Weingüter. Darunter ist das Château Dalhem.

Winzer Bart Nyssen stellt sechs Weinsorten her, die bei einer Besichtigung in Gruppen — auch in deutscher Sprache — verkostet werden können. Auch Chocolatier Didier Smeets ist in Dalhem ansässig. Der viel beachtete Newcomer trumpft mit überraschenden Kombinationen auf. Sein Karamell mit gesalzener Butter wurde international ausgezeichnet. Sahne, Butter und Honig stammen aus der Nachbarregion Voerstreek.

Leckerbissen ganz anderer Art erwarten den Besucher bei Visé, an der Niedermaas zwischen Lüttich und Maastricht. Obstanbau prägt die Region. Oupeye gilt als Hauptstadt des Früchteanbaus in der Wallonie. Obstwiesen mit wilden Kirschen und Äpfeln sowie ausgedehnte Felder bestimmen hier häufig das Landschaftsbild.

Die Gegend ist zudem berühmt für extrafeine Gänseprodukte. Um die Gänse von Visé ranken sich Legenden ebenso wie um den berühmten Musketier d’Artagnan, der hier ganz in der Nähe bei der Belagerung von Maastricht 1673 durch die Truppen Ludwigs XIV gefallen sein soll. D’Artagnan hat tatsächlich gelebt. Sein Name: Charles de Batz de Castelmore, Comte d’Artagnan.

Doch was haben die Gänse von Visé mit dem Musketier zu tun? In der „Ferme d’Artagnan” in der Rue de Tongres in Haccourt pflegt man die artgerechte Aufzucht der Tiere im Freiland und die Produktion schmackhafter, authentischer Terroir-Produkte. Marc und Josette Botty-Swenen bezogen die ersten Enten für ihre Aufzucht, die berühmten „canards mulards“, aus Frankreich, aus Nogaro nahe Lupiac, dem Geburtsort d’Artagnans. Dazu kam dann dieser Bauernhof in der Nähe des Ortes, an dem d’Artagnan starb, und die Geschichte war geboren.

Delikatesse

Das berühmteste lokale Gänsefleischgericht heißt „l’Oie à l’instar de Visé“, eine Delikatesse. Butterzartes confiertes Entenfleisch nach „Art von Visé“, dessen Rezept von einigen Köchen und alten Familien der Stadt wie der heilige Gral gehütet wird. Schließlich blicken die Gänse in Visé auf eine geschichtsträchtige Tradition zurück.

Bei der Belagerung der Stadt durch die Truppen des Fürstbischofs von Lüttich im Jahre 1376 wagte es eine Gänsehirtin, den Feinden die Fahnen zu entreißen. Durch diese Tat ließen sich bei den Einwohnern von Visé ungeahnte Kräfte mobilisieren und sie schlugen die Lütticher Angreifer in die Flucht. Dass die Gans über Generationen auch Einzug in die Gastronomie hielt, ist eine Tradition, die von der Bruderschaft „La Délicieuse Oie du Gay Savoir en bien manger“ bewahrt wird.

Im Restaurant „L’autobus“ an der Maasbrücke in Visé gibt es diese Gänsefleischspezialitäten sowie viele regionale Gerichte zu moderaten Preisen. Zum kulturellen Erbe der Stadt zählen auch die Arkebusiere (Hakenbüchsenschützen) und Armbrustschützen. Die Gilde der Arkebusiere geht auf das 16. Jahrhundert zurück: Sie sollte die Stadt und ihre Bewohner beschützen.

Heiliger Hadelinus

Vieles ist bei der Zerstörung Visés 1914 verloren gegangen. Das Museum befindet sich in einem der majestätischen Gebäude im maasländischen Renaissance-Stil. Im Museum der Armbrustschützen sind zahlreiche einzigartige Armbrüste als Ausstellungsstücke zu sehen. Auch das Rathaus zählt zu den schönsten und markantesten Bauten Visés.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Visé ist der Hadelinusschrein in der Kirche St. Martin. Bereits im achten Jahrhundert stand hier eine Kirche Saints-Martin-et-Hadelin, 780 von Berta, Tochter Karls des Großen, gegründet. Es ist der älteste der großen romanischen Reliquienschreine im Rhein-Maas-Gebiet, ein Meisterwerk der maasländlichen Goldschmiedekunst.

Man datiert ihn auf 1130 bis 1150. Er enthält die Gebeine des Heiligen Hadelinus. Hadelinus war zudem Gründer der Ortschaft Celles. Es ist eines der schönsten Dörfer der Wallonie, im Maastal bei Dinant.

Die Ortskirche ist dem Heiligen Hadelin gewidmet. Sie ist ein ungewöhnlich schönes Beispiel romanischer Architektur. Erst durch die Verlegung des Kollegiatsstifts von Celles nach Visé kam auch der Schrein in die Stadt an der Niedermaas. Wer eher dem Profanen zugeneigt ist, findet in Visé auch genug andere Möglichkeiten, sich gut zu unterhalten.

In der Rue Haute, der Haupt-Einkaufsstraße, laden viele Geschäfte zum Bummel ein. Ob Dekor, Mode, Schmuck, Delikatessen, Metzgereien und Bäckereien mit hauseigenen Produkten: Sie alle haben ihren individuellen Charakter bewahrt und verströmen den selten gewordenen Charme warmherziger Lebensart.