Helmond: Helmond bietet außergewöhnliche Architektur und eine besondere Kunstausstellung

Helmond : Helmond bietet außergewöhnliche Architektur und eine besondere Kunstausstellung

Er ist der Anlass dieses Ausflugs nach Helmond: Constantin Meunier, Bildhauer und Maler. Ihm zu Ehren zeigt die Kunsthalle von Helmond eine Auswahl seiner Arbeiten. Doch es gibt in der Stadt, östlich von Eindhoven, noch viel mehr zu erkunden.

Helmond ist mit 90.000 Einwohnern eine überschaubare Stadt. „Bis in das 19. Jahrhundert hinein war der Ort größer und bedeutsamer als Eindhoven“, sagt Giel van Hoof gleich zu Beginn der kurzen Stadtführung. Während Eindhoven, heute die fünfgrößte Stadt der Niederlande, erst im Zuge der Industrialisierung an Bedeutung gewann, kann Helmond auf eine lange Geschichte zurückblicken.

In der „Kunsthal“ ist noch bis zum 4. März die Ausstellung „Constantin Meunier — ode aan de arbeider“ zu sehen. Foto: Raymond Friederichs

Schon im Mittelalter entwickelte sich der Ort, ausgestattet mit dem Stadtrecht, zum Zentrum der Tuchmacher und später der Textilindustrie. Das Gewerbe brachte Wohlstand. Bis heute zeugen die Herrenhäuser entlang des Zuid-Willemsvaart-Kanals davon. Um die Stadtkirche St. Lambertus schlängeln sich schmale Straßen und die Fußgängerzone. Einige alte Häuser mit hohen treppenartigen Giebeln fallen auf, daneben Boutiquen und Cafés. Unser Ziel ist jedoch der Speelhuisplein mit den Einfamilienhäusern des Architekten Piet Blom. Er setzte in den 80er Jahren damit ein Zeichen gegen die Gleichförmigkeit im Wohnungsbau.

Das ist eines der typischen Würfelhäuser. Piet Blom hat es entworfen. Foto: Edda Neitz

Mit einer Ecke auf einem Pfahl stehend, die Fenster schräg nach unten oder nach oben, nur nicht gerade, wirken die Würfelhäuser von Blom nach wie vor revolutionär. 200 Häuser dieser Art sollten errichtet werden, 18 wurden fertiggestellt. Einige fielen vor Jahren einem Brand zum Opfer. „Die meisten Mieter ziehen nach ein paar Jahren wieder in ein normales Haus. Auf die Dauer ist diese extravagante Architektur wohl doch anstrengend“, sagt der Stadtführer.

Experimentierfreude

Mit außergewöhnlichen Neubauten wird in den Niederlanden aber grundsätzlich viel experimentiert, so auch bei der „Kunsthal“, in der die Ausstellung von Constantin Meunier zu sehen ist. Auffallend ist der hohe zylindrische Eingang mit dem Bronzedach, das wie eine Raketenspitze nach oben zeigt. Das Gebäude gehört zu dem großen Wohn- und Arbeitskomplex „Boscotondo“, der auf dem Gelände einer ehemaligen metallverarbeitenden Fabrik entstanden ist. Der italienische Architekt Adolfo Natalin hat es entworfen. Der Name kann mit „Rundwald“ übersetzt werden.

Im ersten Stock des Museums gibt die aktuelle Ausstellung „Constantin Meunier — ode aan de arbeider“ einen Überblick zu den Werken des Belgiers. Constantin Meunier (1831-1905) gilt als Wegbereiter der modernen Kunst. Weg von den klassischen Schönheitsidealen, die sich vor allem in der Bildhauerei im 19. Jahrhundert stark an der Antike orientierten. Seine besondere Aufmerksamkeit galt dem Bergbau und den Arbeitern. „The puddler“, eine seiner bekanntesten Bronzefiguren, sitzt auf einem Sockel. Einige der ausgestellten Werke Meuniers sind Leihgaben, vorwiegend vom Kunstmuseum in Brüssel und noch bis zum 4. März in Helmond zu sehen. Zahlreiche Zeichnungen und Gemälde gehören aber zur Dauerausstellung „Mens en Werk“ (Mensch und Arbeit).

Sehenswert ist natürlich noch das Wasserschloss Helmond. Das Größte in den Niederlanden soll es sein. Damals wie heute führt kein Weg daran vorbei. Zwar wurde 1966 die Durchgangsstraße gebaut und ein Teil des Schlossparks fiel diesem Projekt zum Opfer, aber Schloss und umliegende Gebäude ergeben noch immer ein harmonisches Bild. Im Keller, dort ist auch der Besuchereingang, beginnt die Präsentation der Schlossgeschichte. Die Anfänge der Helmonder Burg liegen im 12. Jahrhundert. Das „d´oude Huys“ einige hundert Meter von der modernen Variante aus Stein entfernt.

Anschaulich mit Videofilmen und vielen Klangeffekten wird erzählt, wie das Leben in dem alten Gemäuer ablief. Bevor hier ein wohnliches Schloss entstand, war es eine Ritterburg und Befestigungsanlage. Und weil das Ritterleben Kinder besonders anzieht, liegen eine polierte Rüstung, schwere Schutzhandschuhe, Samtjacke und Burgkleid mit Schleppe zum Anfassen und Probieren bereit.

Bunte Tuche

Der Rundgang führt weiter in den zweiten Stock. Dort — im Wohnzimmer des letzten Eigentümers Carel Frederik Wesselman — glänzt die Eleganz der 20er Jahre. Wesselman verkaufte später das Schloss an die Gemeinde Helmond, die das Schloss zuerst als Rathaus nutzte. Heute dient noch ein Saal als Standesamt. Dies erklärt auch, warum in einem Raum Perlen, Spitze und Seide glänzen. Brautkleider sind ausgestellt.

Ein Kleid mit gelben und lilafarbenen Blüten ist besonders auffällig. Es ist aus dem Stoff der Firma Vlisco gemacht. Vlisco hat sich auf den afrikanischen Markt spezialisiert. Die Affinität zu Afrika kam auf Umwegen zustande. 1846 hatte der Unternehmer Pieter Fentener van Vlissingen die Herstellung von indonesischen Batikstoffen mechanisiert. Aber den Indonesiern gefielen die Stoffe nicht. Also verkauften die Seeleute die Stoffe bei ihren Zwischenstopps in Afrika. Die Afrikaner waren begeistert.

Schon bald entwarf Vlisco in Helmond eigene Drucke für den westafrikanischen Markt. Heute tragen in Afrika alle, die etwas auf sich halten, die Stoffe mit dem „guaranteed Dutch Wax“-Siegel. Wer den kleinen Laden in Helmond betritt, kann sich vom Charme der Stoffe verzaubern lassen.

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