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Berlin: Landgericht - Geschichte einer Familie

Berlin : Landgericht - Geschichte einer Familie

Wie es einer halbjüdischen Familie nach dem Zweiten Weltkrieg ergeht, deren Mitglieder in den Nachkriegswirren nicht mehr zueinander finden, zeigt der Zweiteiler „Landgericht - Geschichte einer Familie”, der am Montag (30. Januar) und Mittwoch (1. Februar, jeweils um 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist.

Am Montag schließt sich (21.50 Uhr) eine Dokumentation von Annette von der Heyde an, die den realen Fall des Berliner Juristen Robert Michaelis schildert.

Berlin, im Dezember 1938: „Wir kommen bald nach” - mit diesen Worten bringen die Eheleute Claire und Richard Kornitzer (Johanna Wokalek und Ronald Zehrfeld) ihre beiden kleinen Kinder Georg und Selma zum Zug. Sie sollen nach England ausreisen. Der Abschied am frühen Morgen ist herzzerreißend, die Rückkehr der Eltern in die stilvoll eingerichtete, aber leere und stille Wohnung ebenso.

Dann folgt eine Rückblende, zum April 1933: Der Richter Kornitzer wird aus dem Gericht geworfen, weil er Jude ist. Auch die Nichtjüdin Claire wird bald danach ihre Werbefilmfirma verlieren. Während die Kinder bei einem älteren Ehepaar in Nordengland unterkommen, erhält Richard ein Visum für Kuba.

Claire findet Zuflucht auf einem Bauernhof am Bodensee. Dann kommt der Krieg: Die Kinder landen erst in einem Kinderheim, dann endlich bei einer liebevollen Familie samt Pferdegestüt. Richard gründet auf Kuba eine neue Familie, und Claire schreibt viele Briefe an ihn. Aber erst 1948 erfahren sie, dass sie alle noch am Leben sind. Ein Neustart in Deutschland will nicht gelingen.

Der Film von Regisseur Matthias Glasner (52, „Gnade”, „Blochin - Die Lebenden und die Toten”) basiert auf dem Roman von Ursula Krechel, die diese Familiengeschichte aufgrund wahrer Begebenheiten erzählt. Dabei steht die halbjüdische Familie Kornitzer stellvertretend für viele Familien, die durch den Krieg auseinandergerissen wurden und nach Kriegsende mühsam wieder zusammengefunden haben.

Nur um dann feststellen zu müssen, dass die furchtbare Zeit zwar überstanden ist, die vielen Entbehrungen und Trennungen das Band aber zerstört haben, das normalerweise eine Familie zusammenhält. Und so berührt dieser feinfühlig inszenierte Film (Buch: Heide Schwochow, Regie: Matthias Glasner) über die psychischen Folgeschäden eines Krieges gleich in mehrfacher Hinsicht - etwa durch die traurige Geschichte und durch das differenzierte Spiel der großen und kleinen Schauspieler.

Johanna Wokalek (41, „Baader-Meinhof-Komplex”, „Die Päpstin”) sagt im ZDF-Interview, warum sie die Figur der Claire gerne gespielt hat: „Mich hat am meisten berührt, was es bedeutet, in einem Menschenleben immerzu zu hoffen, ohne dass sich die Hoffnung einlöst. Das ist ein unerträglicher, quälender, auch entwürdigender Zustand. Die Kornitzers hoffen ein Leben lang darauf, wieder zueinanderzufinden, eine Familie zu sein. Sie glauben noch daran, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt, darum kämpfen sie unermüdlich. Aber es ist ihnen dadurch nicht möglich, im Jetzt zu leben. Sie verpassen ihr Leben.”

Das muss man wirklich sagen: Dieser Zweiteiler zeigt alles das schonungslos, und am schlimmsten dabei sind die vielen Abschiede, von denen keiner weiß, ob daraus ein Wiedersehen wird. Auch der verzweifelte Kampf um Wiedergutmachung und um eine Wiederannäherung sowohl der Eheleute als auch der Kinder scheitert. Es gibt unerfüllte Hoffnungen und falsche Versprechungen - und drei zerstörte Familien.

Vermutlich wird auch diese wahrhaftige Geschichte vom Zuschauer angenommen, wie schon die grundverschiedenen Filme „Die Lebenden und die Toten”, „Mörderische Stille” und „Das Sacher - In bester Gesellschaft” zum Auftakt dieses TV-Jahres, mit jeweils um die sieben Millionen Zuschauern. Verdient hätte sie es.

(dpa)