Eupen: Eine Tour für Abenteurer an Ternell- und Getzbach

Eupen: Eine Tour für Abenteurer an Ternell- und Getzbach

Wenn wir vor dem Naturzentrum Ternell stehen, wenden wir uns nach links, laufen durch einen Kräutergarten und links an dem Holzhaus (Werner-Thoma-Hütte) vorbei bis zum Querweg. Hier weist uns das Wanderzeichen „grünes Kreuz“ nach links (Richtung Herzogenhügel).

Wir wandern entlang des Rotwildgeheges bis zu einem Holzhaus und einer Steinbrücke über den Ternellbach. Vor dem Blockhaus biegen wir mit dem grünen Kreuz nach rechts in den Wald ab und wandern seitlich des Ternellbaches abwärts ins Hilltal. Links an einem Baum sehen wir neben dem grünen Kreuz noch weitere Wanderzeichen.

Etwas weiter unten queren wir den Bach zum ersten Mal über einen geländerlosen Holzsteg. Vorsicht! Bei Nässe ist der Steg rutschig. Vom Rauschen des Flusses begleitet laufen wir auf einem steinigen Weg entlang des Baches. Es folgt eine weitere große Holzbrücke. Häufig kann man in dem Bach Kinder beobachten, die das Angebot des Naturhauses „Blaues Klassenzimmer“ in Anspruch nehmen und eifrig mit Keschern im Gewässer nach Lebewesen suchen.

Brücken und Stege

Eine schmale, mit Holzplanken belegte Brücke führt über einen Zufluss. Es folgen weitere Brücken und Stege über den Ternellbach, die teils in einem etwas maroden Zustand sind. Links fließt der Fluss, rechts von uns steigt der Hang sehr steil an und ist von Fichten bedeckt. Verhungern kann man hier im Sommer nicht: Blau- und Brombeeren säumen den Weg.

Nach 1,3 Kilometern erreichen wir einen lauschigen Picknickplatz direkt am Wasser. Hier mündet der Ternellbach in die Hill. Allerdings hat der Zahn der Zeit an der hölzernen Sitzgruppe genagt. Wir befinden uns im Gebiet der Alten Fichten beziehungsweise Urfichten. Das ist die Bezeichnung für Fichten, die mindestens 120 Jahre alt sind.

Sie sind dann bis zu 40 Meter hoch und haben einen Stammumfang von drei Metern. Wir halten uns rechts. An der Gabelung mit einer Bank (die sich in einem weitaus besseren Zustand befindet) unter einer Buche halten wir uns links. Das Schild mit dem Hinweis „schwieriger Wanderweg“ kann uns versierte Wanderer nicht erschüttern, und wir setzen unseren Weg durch das urige Hilltal fort.

Die Hill (Helle) ist der längste Wasserlauf im Hohen Venn. Sie entspringt nahe Baraque Michel und fließt in der Eupener Unterstadt in die Weser. Die Hill fungierte schon bei den Römern als Grenzfluss. Von 1815 bis 1919 stellte sie die Grenze zwischen Preußen und den Niederlanden beziehungsweise Deutschland und Belgien dar. Heute bildet sie die Grenze zwischen dem deutschsprachigen Eupen und dem französisch wallonischen Teil Sourbrodt/Robertville. Ein Teil der Hill mündet mit Hilfe eines unterirdischen Tunnels in den Getzbach.

Rutschgefahr

Die weißen Schaumkronen, die sich zwischen den Steinen des aufgewühlten Wassers angesammelt haben, sind natürlichen Ursprungs.

Schwierig wird die Wanderung da, wo ein schmaler Pfad bergauf führt (und kurz darauf wieder abwärts) und links von uns das Gelände zur Hill steil abfällt. Der Wanderweg schmiegt sich an den Hang. Wenn der Boden nass ist, ist die Rutschgefahr groß. Also: Vorsicht! Das Gleiche gilt auch für die großen, von Algen bewachsenen Quarzitfelsen, die wir überklettern müssen.

Am gegenüberliegenden Flussufer sehen wir die typische Pfeifengraslandschaft. Auf dem Weg entlang der Hill passieren wir einen Teil des Geopfades Ternell. Hier werden geologische Aufschlüsse aus der Zeit des Kambriums bis ins Devonzeitalter präsentiert und die Entstehung des Sedimentgesteines erklärt.

Wir wandern parallel zur Hill, deren Rauschen merklich leiser wird. Einen richtigen Weg gibt es nicht. Noch laufen wir über Waldboden, aber kurze Zeit später erreichen wir einen lichten Forstweg. Achtung! Etwa 250 Meter folgen wir ihm, dann zeigt uns unser Wanderzeichen „grünes Kreuz“, dass wir rechts hoch laufen müssen.

Ein toller Blick

Auf dem steinigen, sehr steil bergauf führenden Weg kommen wir ins Schwitzen. Rechts und links des Pfades wachsen Simse, Heidekraut und Blaubeeren. Zu dem grünen gesellt sich ein blaues Kreuz.

Oben angekommen laufen wir über ein Plateau und werden mit einem tollen Blick über die Fichtenwipfel und das Tal der Hill belohnt. Unter uns liegt die Hilltalsperre. Entlang des Weges wachsen Ginster, Heide und Blaubeeren. Wir erreichen den Verkehrsweg, der Eupen mit Monschau verbindet, und wandern darüber hinweg. Rechter Hand steht nach einigen Metern eine Wildfutterstelle. Der breite Schotterweg führt schließlich nach 300 Metern (vor der Holzschranke) mit einer Rechtskurve bergab.

Erst laufen wir durch einen niedrigen Nadelwald, dann wird der Weg von Buchen gesäumt. Schneisen rechts und links beachten wir nicht. Wir gelangen an eine asphaltierte Straße. Das Rauschen des Getzbaches ist schon zu hören. Hier biegen wir mit den Wanderzeichen „grünes Kreuz“ und „rotes Rechteck“ nach rechts ab. Der Weg gabelt sich nach 150 Metern.

Wir entscheiden uns für den mittleren Pfad (Schild Trinkwasserspeicher). Er ist neben einem grünen Kreuz auch mit rot-weißen Querstreifen markiert. Wir erreichen ein Schleusenbauwerk und wandern links an dem weißen Gebäude mit der grünen Tür vorbei und gelangen so auf die Staumauer. Nachdem wir die etwas unbehagliche Passage über die Staumauer hinter uns haben, halten wir uns rechts.

Auch hier weist ein Schild auf einen schwierigen Wanderweg hin, und gleich zu Anfang bestand für mich die Schwierigkeit darin, eine ausgedehnte, tiefe Pfütze zu umrunden, die sich nach einem Gewitterregen gebildet hatte.

Wir laufen auf eine Furt zu, und ein Schild weist nach links. Auf dem von Wurzeln durchzogenen Waldweg wandern wir geraume Zeit mit dem Getzbach rechts von uns dahin.

Der Getzbach entspringt in der Nähe der deutsch-belgischen Grenze im Brackvenn. Er fließt erst nach Norden und wendet sich im Allgemeinen Venn nach Westen. Kurz hinter der Schleuse fließt Wasser der Hill in den Getzbach, welches unterirdisch durch den Tunnel de la Helle geleitet wurde. Der Getzbach mündet in den Eupener Stausee, der auch als Wesertalsperre bekannt ist.

Steinige Passage

Es handelt sich um einen Bilderbuchwanderweg: Tief hat der Fluss sich hier durch das Schiefergestein gegraben. Über besonders schwierige Passagen hilft ein Geländer, welches im Felsen verankert ist.

An einem Baum sind zwei rote und zwei weiße Streifen aufgemalt. Hier halten wir uns etwas rechts und laufen auf den Fluss zu. Danach geht es wieder bergauf über eine sehr steinige Passage, wo ebenfalls nach Regengüssen Rinnsale den Hang herunterlaufen und die Passage erschweren. Wir verlassen den Wald, laufen auf einem Forstweg. Die breite Holzbrücke nach rechts beachten wir nicht. Wir bleiben noch 600 Meter geradeaus auf dem breiten rötlichen Waldweg. An einer Gabelung (vor dem Fichtenwald) überqueren wir die Getz rechts über eine Brücke, die offensichtlich erst vor Kurzem aufgestellt wurde.

Nach der Brücke werden wir kurz vor Ende der Wanderung noch einmal richtig gefordert. Es geht einen sehr steilen, sehr schmalen und sehr steinigen Pfad bergauf. Nach Regenfällen strömt uns hier Wasser entgegen, und tiefe Pfützen haben sich gebildet, die wir überwinden müssen, was in dieser engen „Schlucht“ eine Herausforderung ist. Spätestens hier stellt sich heraus, wer dichte Wanderschuhe trägt. Über einen Forstweg wandern wir hinweg, weiter bergauf, und an zwei Stellen werden unwegsame Abschnitte mit kurzen Holzstegen überbrückt.

Schutzpatron

Wir erreichen einen breiten Asphaltweg. Links am Baum hängt das sogenannte Expéditkreuz, der Name kommt vom heiligen Expédit: 1949 brachte der belgische Zöllner Arthur Lecerf von der früheren Zollstelle Ternell aus Dankbarkeit über seine glückliche Heimkehr aus dem Krieg eine kleine bronzene Figur in einem Heiligenhäuschen an. Dieses Erinnerungsmal verschwand 1973. 1997 wurde dann das schlichte Holzkreuz dort angebracht.

Wir halten uns rechts, folgen dem Asphaltweg und haben nach 500 Meter unseren Ausgangspunkt erreicht. Unter den schattigen Bäumen im Biergarten von Haus Ternell können wir uns mit selbst gebackenem Kuchen stärken. Oder etwa auch nach einem Essen à la carte den selbst gebrauten Ingwer-Schnaps genießen. Auch das Arboretum oder das Infozentrum sind einen Abstecher wert, um sich über das Hohe Venn ausgiebig zu informieren.

Mehr von Aachener Zeitung