Schleiden: Ausflug an das Nationalpark-Tor in Gemünd und den Urftstausee

Schleiden : Ausflug an das Nationalpark-Tor in Gemünd und den Urftstausee

Gemünd war eine ehemals selbstständige Stadt und ist heute ein Stadtteil von Schleiden. Die Urft war lange Zeit Grenzfluss zwischen dem Herzogtum Jülich und den Dreiborner Herren, die Drommer, für Insider: die Dreiborner gehören heute zu Schleiden.

Während der Eifeltour habe ich die Nepomukstandbilder nicht gezählt, aber auch in Gemünd führt er kein „Schattendasein“; er steht nur am rechten Ort — am Zusammenfluss von Olef und Urft. Johannes Nepomuk lebte im 14. Jahrhundert und war böhmischer Priester und seine Berufspflichten sollten ihm zum Verhängnis werden.

Die Legende erzählt, dass er gegenüber dem böhmischen König das Beichtgeheimnis gewahrt habe und daraufhin in Prag in die Moldau geworfen worden und ertrunken sei. Johannes sieht man oft mit einem Fünf-Sterne-Kranz und der steht für das lateinische „tacui“ (fünf Buchstaben), soll heißen „ich schwieg“; in der barocken Darstellung ist er mit einer Märtyrerpalme zu sehen.

Im Prager Veitsdom ist sein Hochgrab zu bestaunen, über eine Tonne Silber wurde verarbeitet. Bildnisse des Heiligen Nepomuk stehen aber auch mehrfach in der Eifel. So zum Beispiel eine Skulptur in Simonskall (Gemeinde Hürtgenwald), aber eben auch in Gemünd.

Hier war einst die Eisenproduktion für die Wirtschaft von hoher Bedeutung; insbesondere die Industriellenfamilie Poensgen hat mit ihren Eisenhütten im 18. und 19. Jahrhundert den Schleiden-Gemünder Raum geprägt; das machen heute der Tourismus und die Kneipp-Kuren in Gemünd.

Zerstörungen des Krieges

Das Ortsbild von heute lässt schnell erkennen, dass der Zweite Weltkrieg erheblich die historische Bausubstanz zerstört hat. Im Ort finden Sie auf dem historischen Rundgang zahlreiche Tafeln. Der Rundgang startet am Marienplatz.

Eine Alternative oder Ergänzung zum Gemünder Rundgang bietet der „Eisenwanderweg“, der gleichfalls am Nationalpark-Tor startet und etwa zwei Stunden dauert. Der Wanderweg führt von Gemünd in den Ortsteil Mauel und berichtet über den Abbau von Eisenerz im Schleidener Tal, die Herstellung der zum Schmelzen benötigten Holzkohle und die Werkstätten der Reitmeister.

Abstecher zum Wasser

Ein Abstecher lohnt aber auch zur Urfttalsperre. Zur Bauzeit war es die größte Talsperre Europas. Baubeginn für das Bruchsteinmauerwerk war 1900. Ins Mauerwerk eingesetzt ist eine Bronzeplatte, die das Profil eines vollbärtigen Mannes zeigt, seine Name Intze. In Aachen gibt es sogar eine Intzestraße, und wer in Aachen eine „eigene“ Straße hat, der muss schon jemand sein.

Otto Adolf Ludwig Intze wurde am 17. Mai 1843 im mecklenburgischen Laage geboren. Er wurde später Bauingenieur und an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen Professor für Wasserbau, Baukonstruktion und Baustofflehre und später sogar Rektor (1895 bis 1898). Er galt als Fachmann für den Bau von Wassertürmen und Talsperren. Beim Bau von Talsperren entwickelte er eine bogenförmige Bruchsteinmauer, die auf der Wasserseite einen aus Lehm gebauten Keil hat.

Dieser Keil am Maueransatz soll die Mauer abdichten und trägt seinen Namen, Intze-Keil. Mit dieser Baukonstruktion werden in der Folgezeit viele Talsperren gebaut. Diese Bauwerke sind übrigens keine neuzeitlichen Erfindungen, sie bauten schon die Römer. In der Eifel haben sie gar eine Wasserleitung bis ins römische Köln gebaut. Der Wasserverband Eifel-Rur hat an der Staumauer sehr informative Schautafeln aufgestellt, die das Intze-Prinzip und den Intze-Keil sehr gut erklären.

Die Urftstaumauer trennt die Urfttalsperre vom Obersee (Rursee), und der ist die Vorsperre zur Rurtalsperre. Die Urft hat aber noch eine andere wichtige Funktion. Das Wasser wird zum Kraftwerk in Heimbach geleitet, und dort wird aus Wasserkraft Strom erzeugt.

Eine kleine Wanderempfehlung vor allem für die Zeit der Ginsterblüte im Mai, wandern Sie von der Staumauer in Richtung Vogelsang. Sie erreichen nach circa einer Stunde die Wüstung Wollseifen und erleben die Eifel in einem ihrer schönsten Kleider — in der Zeit der Ginsterblüte; man nennt sie auch das „Eifelgold“.

Heute liegt das tote Dorf Wollseifen auf der Dreiborner Hochfläche inmitten des Nationalparks Eifel. Die 500 Einwohner des Dorfes mussten ihre Heimat 1946 auf Geheiß des britischen Militärs innerhalb weniger Wochen verlassen und konnten nie zurückkehren. Seit der Einrichtung des Nationalparks Eifel ist es aber für Wanderer zugänglich.

Am Urftstausee findet sich übrigens auch ein lohnenswertes Ausflugslokal (www.urftseemauer.de). Hier gibt es eine besonders leckere Erbsensuppe. Geöffnet ist hier wochentags 10.30—17 Uhr, samstags 10.30—18 Uhr, und sonn- und feiertags 10-18 Uhr (in den Wintermonaten gelten geänderte Öffnungszeiten).

Der Eisenwanderweg von Gemünd nach Mauel

Der ausgeschilderte Eisenwanderweg führt vom Nationalpark-Tor Gemünd bis nach Gemünd-Mauel. Er führt zu wichtigen ehemaligen Standorten der Eisenherstellung in Gemünd und Umgebung. Der 2,5 Kilometer lange Weg ist ausgeschildert und besitzt 8 Stationen mit Metalltafeln und an einigen Stellen Tastmodelle, die auf die ehemaligen historischen Standorte der Eisenindustrie hinweisen.

Der Weg hat geringe Steigungen und ist auch mit dem Kinderwagen zu begehen. Auf einem Teilstück ist der Weg jedoch nicht asphaltiert. Hierfür gibt es eine Variante, die auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann (gelegentlich müssen Bordsteine überwunden werden).

Der Weg beginnt am Nationalpark-Tor Gemünd, Kurhausstrasse 6, 53937 Schleiden, Telefon: 02444/2011, email: info@natuerlich-eifel.de. Die Infostelle ist täglich zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Hier gibt es auch ein Faltblatt zur Wanderung.

Die Stationen entlang des Eisenwanderweges:

Zudem gibt es im Nationalpark-Tor eine interaktive Ausstellung und Filme über den Nationalpark Eifel zu sehen. Im Kinderraum steht ein ganzjähriges umweltpädagogisches Angebot zur Verfügung, das individuell genutzt werden kann.

Jeden Samstag startet außerdem um 11 Uhr am Nationalpark-Tor Gemünd eine circa dreistündige geführte Rangertour in den Nationalpark Eifel. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Nicht für Kleinkinder und Kinderwagen geeignet.

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