Ausstellungen über Klimt und Berlin: Aufbruchstimmung in Brüssel

Ausstellungen über Klimt und Berlin : Aufbruchstimmung in Brüssel

Zwei Ausstellungen, „Beyond Klimt“ im „Palais des Beaux-Arts“ und „Berlin 1912 – 1932“ in den „Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique“, sind schon Anlass genug, wieder einmal oder endlich einmal Brüssel zu besuchen.

Außerdem lässt sich der Kunstgenuss noch mit viel mehr verbinden, denn hier in der belgischen Metropole befinden sich die Museen in einer privilegierten Umgebung. Bistros und Parks, Kirchen und Plätze in unmittelbarer Nähe sorgen für Abwechslung.

Diejenigen, die mit der Bahn oder der Metro am Gare Central ankommen, erwartet schon auf dem Weg zum „Palais des Beaux-Arts“ – lautmalerisch zu Bozar abgekürzt – ein kleines Schmuckstück. Anlässlich der Expo 1958 wurde die große Einkaufspassage Ravenstein von den Architekten Alexis und Philippe Dumont entworfen. Sie sollte die Tradition der überdachten Passagen aus dem 19. Jahrhundert fortsetzen.

Ein langer Gang, beeindruckende Treppenläufe und ein riesiger runder Platz mit hoher lichtdurchlässiger Kuppel verbreiten noch immer Glanz und Luxus. Zwar verkümmerte im Laufe der Jahrzehnte die Galerie, aber inzwischen versuchen junge Unternehmen und Geschäftsleute, wieder etwas Schwung in die unter Denkmalschutz stehende Passage zu bringen.

Plakat zu „Berlin 1912 – 1932“ in den „Musées Royaux des Beaux-Arts“. Foto: zva/neitz

Erst gehen wir dann also die breite geschwungene Treppe hinauf und haben von oben einen Blick auf ein interessantes Gebäude gegenüber. Nach den Plänen des berühmten Architekten Victor Horta gebaut, wurde der Kunstpalast Bozar 1928 eröffnet. Die steile Hanglage an der Ravensteinstraat nutzte der geniale Baukünstler für unterirdische Ebenen.

Herausgekommen ist ein Gebäude mit acht Stockwerken, die allerdings von außen nicht sichtbar sind. Die große Halle am Haupteingang, die nach dem Erbauer Horta benannt ist, bringt den Jugendstil besonders zur Geltung. Trägerbalken und Säulen werden nicht länger versteckt, sondern bilden einen Teil des dekorativen Innenbaus. Große Glasflächen versorgen die Halle mit Licht. Und auch hier prägt eine imposante Treppe, die zu den höher liegenden Ausstellungsräumen führt, das weitläufige Erscheinungsbild der Halle.

Grüner Winkel zum Ausruhen: Der Park Place du Petit Sablon. Foto: zva/neitz

Einzigartiger Einblick

Nun ist „Beyond Klimt“ eine Ausstellung, die zuvor im Belvedere in Wien unter dem Titel „Klimt war nicht das Ende“ zu sehen war. Nicht nur der österreichische Ratsvorsitz in der EU, sondern auch das Gedenkjahr zum 100. Todestag des österreichischen Malers und das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren sind der Anlass für den einzigartigen Einblick in die Aufbruchstimmung, in der sich viele Künstler befanden. Mit einem Frauenporträt der Ikone Gustav Klimt beginnt die Schau. Es ist eines seiner letzten Porträts.

Ein herrliches Jugendstilgebäude: Hier ist das „Musée des Instruments de Musique“ untergebracht. Foto: zva/neitz

Dann breitet sich die Ausstellung auf bekannte, aber auch auf ungekannte Künstler aus, die die Nachfolgestaaten der untergegangenen Donaumonarchie hervorgebracht haben. Ob ein Alfons Mucha aus der Tschechoslowakei, dessen Pariser Jugendstildamen besser bekannt sind als die hier ausgestellten Gemälde aus seinem Slawischen Epos, oder die Desillusionsbilder des Tirolers Albin Egger-Lienz – sie alle zeigen noch traumatische Nachwehen des Krieges.

Der andere rote Faden, der sich durch die Ausstellung zieht, greift beispielsweise Künstler wie László Moholy-Nagy auf, der sich der Bauhauskunst zugewandt hat. Weitere Stilrichtungen der Kunst wie Expressionismus, Konstruktivismus und Surrealismus sind ebenso vertreten. So ist die Ausstellung sowohl thematisch als auch chronologisch geordnet, und der Besucher wird von Saal zu Saal tiefer in die damalige Epoche geführt.

Von hier bietet sich eine schöne Panoramaaussicht: Der Kunstberg. Foto: zva/neitz

Kurz ist der Weg vom Bozar zur nächsten Ausstellung „Berlin 1912 – 1932“ in den Königlichen Museen der Schönen Künste („Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique“), aber er zeigt schon, wie vielfältig die Stadt ist. Gleich gegenüber vom Bozar hat Laurent Gerbaud, der Star unter den vielen belgischen Chocolatiers, sein Reich – halb Schokoladentempel, halb Teesalon.

Eine Stippvisite lohnt sich, auch wenn nur Zeit für eine Kostprobe ist. Gerbauds Kreationen zeigen, was Schokolade bedeuten kann. Obendrein sorgt nur ein paar Schritte weiter das ehemalige Kaufhaus „Grands Magasins Old England“ für einen Augenschmaus. Das „Musée des Instruments de Musique“ mit dem flotten Kurznamen MIM logiert in dem herrlichen Jugendstilgebäude aus dem Jahr 1899. Nun sind wir oben auf dem Kunstberg.

Aussicht vom Kunstberg

Ohne Zweifel trägt der steile Uferhang an der Senne seinen Namen „Mont des Arts“ (Kunstberg) zu Recht. Auch wird man an dieser Stelle wieder zum Abschweifen verleitet, denn der Blick von oben bietet eine besonders schöne Panoramaaussicht auf die Brüsseler Innenstadt. Drehen wir uns um, blendet uns die fast geschlossene weiße Fassade klassizistischer Prunkgebäude um die Place Royale herum. Das königliche Stadtpalais, die königliche Hofkirche und schließlich die Königlichen Museen der schönen Künste umrahmen die große Fläche.

„Berlin 1912 – 1932“ heißt die erst kürzlich eröffnete Ausstellung in den „Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique“. Berlin entwickelte sich in diesem Zeitraum zu einer schillernden kosmopolitischen Metropole. Da vor allem die politisierte Kunst und die urbanen Herausforderungen der modernen, aber vom Krieg gezeichneten Metropole Berlin thematisiert werden, war es der Kuratorin Inga Rossi-Schrimpf auch wichtig, dem Besucher das Gedankengut zu vermitteln, das damals in Berlin vorherrschte. Das ist mit den gleich zu Beginn ausgestellten Informationstafeln und Kurzfilmen über die damaligen Weltgeschehnisse gut gelungen.

Die Ausstellung selbst ist in vier Themengruppen aufgeteilt und beleuchtet die deutsche Kunstszene aus belgischer Sicht. Unter den rund 200 Werken sind viele bekannte Künstler und Künstlerinnen wie Otto Dix, Raoul Hausmann und Max Beckmann sowie Jeanne Mammen und Renée Sintenis vertreten. Heller und bunter wird die Ausstellung, sobald sie sich der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und der Dada-Bewegung zuwendet. Mit Rudolf Bellings Skulptur des Sportlers Max Schmeling setzt diese Ausstellung einen chronologischen Schlusspunkt.

Herrschaftliche Palais

Die abwechslungsreiche Tour sollte man mit dem kurzen Weg zur Place du Petit Sablon fortsetzen. Der malerische Platz bezaubert mit herrschaftlichen Stadtpalais und seinen reich verzierten Fassaden. Vorbei an Antiquitäten, Schmuck und anderen Preziosen bleibt noch zum Abschluss der gegenüberliegende Park Place du Petit Sablon zu erwähnen. Ein schöner grüner Winkel, um in Ruhe alle Eindrücke zu verarbeiten.