Paläste, Denkmäler, historische Orte: Auf royalen Spuren in den Niederlanden

Paläste, Denkmäler, historische Orte : Auf royalen Spuren in den Niederlanden

Königliche Geschichte wird in den Niederlanden gelebt. Dies offenbart eine Tour zu Palästen, Denkmälern und weiteren historischen Orten in Breda, Delft und Den Haag.

Umgeben von Soldaten mit Lanzen in der Hand stehen zwei adelige Herren im Vordergrund. Einer davon ist der spanische Feldherr Ambrosio Spinola, der den Stadtschlüssel Bredas entgegennimmt. „Hier sehen Sie einen wichtigen Teil unserer Geschichte“, sagt der Historiker Henk Mannaert, als er im Stedelijk Museum von Breda vor die Kopie des Gemäldes „Las Lanzas“ des spanischen Künstlers Diego Velázquez tritt. Der lang andauernden spanischen Besetzung folgte der Widerstand und damit verbunden die Gründung des Königreichs.

Breda bezeichnet sich gerne als die Wiege der royalen Familie. Dies steht ihr zu, denn mit der Heirat des deutschen Grafen Engelbrecht von Nassau-Dillenburg und Johanna van Polanen aus Breda 1403 begann hier die Geschichte der Familie Oranien-Nassau.

Auch an Sehenswürdigkeiten mangelt es in Breda nicht. Für einen geschichtlichen Überblick lohnt sich ein Abstecher zum Stedelijk Museum, das erst vor zwei Jahren frisch renoviert eröffnet wurde. Fast um die Ecke liegt mit dem Beginenhof schon die nächste Erinnerung an Graf Engelbrecht und Johanna van Polanen. Sie war den Beginen zugetan und sorgte für ihre Bleibe. Vom ehemaligen Schlossgarten – jetzt Park Valkenberg – ist der Blick auf das Renaissanceschloss am schönsten. Da seit dem 19. Jahrhundert die Königliche Militär­akademie hier ihren Sitz hat, bleibt das Tor für Besucher verschlossen.

Zwei große Kirchen prägen das Delfter Stadtbild. Foto: dpa

Als Entschädigung gibt es auf dem Weg zur Grote Kerk zwei andere Denkmäler: das Nassau-Denkmal im Park, eine sehenswerte Säule in aufwendiger Steinmetzarbeit, die Graf Engelbrecht gewidmet ist. Außerdem auf dem Kasteelplein ein Reiterdenkmal von Willem III. von Oranien-Nassau, der das Schloss im 17. Jahrhundert umbauen ließ. Von dort sieht man schon die reich verzierten Türme der barocken Grote Kerk. Im Innern beeindrucken der weite Kirchenraum und Engelbrechts großes Grabmonument aus weißem Alabaster. Auf einem Grabstein aus schwarzem Marmor liegen gegenüber in der Prinzenkapelle die ebenfalls aus Alabaster geschaffenen Skulpturen von Nachfahren Engelbrechts. Wäre die Geschichte anders verlaufen, würde sich hier ebenfalls das Grabmal von Willem I. von Oranien-Nassau befinden.

Willem ist nicht nur die Nummer eins aller Willems im Stammbaum der königlichen Familie. Er ist auch die Nummer eins auf der Liste der Nationalhelden. Er ist der „Vater des Vaterlandes“. Geboren als Graf von Nassau-Dillenburg, erbte er später den Titel „Fürst von Oranien“ seines kinderlosen Vetters René. Dies machte ihn zu einem einflussreichen Mann. Er war Statthalter mehrerer holländischer Grafschaften und geriet mit den Spaniern in Streit, da er eine Königsherrschaft des Ständestaates wollte. Als er von den Spaniern für „vogelfrei“ erklärt wurde, war Delft sein Zufluchtsort.

Delft war reich an Klöstern

Delft strahlt noch immer die Atmosphäre der Niederlande aus, die das Beschauliche, die Stille und die Zufriedenheit, die aus dem Glauben kommt, betont. Brückchen mit weißem Geländer überspannen die Grachten. Linden säumen die Ufer. Giebel stattlicher Bürgerhäuser spiegeln sich im Wasser. Zwei große Kirchen prägen das Stadtbild.

Die Stadt war reich an Klöstern. Nur das Agathenkloster gegenüber der Oude Kerk blieb übrig. Jetzt ist in dem früheren Kloster das Museum Het Prinsenhof untergebracht. Um den schräg stehenden Turm der Oude Kerk rankt sich eine Anekdote: Wie zuvor die Nonnen, die in Sturmnächten aus ihren Schlafkammern geflohen waren, aus Angst, er stürze auf sie herab, wechselte auch Willem in solchen Nächten seine Schlafkammer.

Doch brachte ihm dieses Haus dann nicht den Schutz, den er suchte. Als er nach einem langen Arbeitstag am 10. Juli 1584 mit seiner Familie zur Nachtruhe in den ersten Stock gehen wollte, erschoss ihn ein fanatischer Katholik, der auf das Kopfgeld aus war, das die Spanier geboten hatten. Die Einschläge der Kugeln sieht man noch heute in der Wand.

Dunkelgrüne Tapeten und eine Decke voller Wappen: ein Blick in die Warteräume der königlichen Familie im Bahnhof von Den Haag. Foto: ZVA/Arjan de Jager

Willem musste in der Delfter Nieuwe Kerk beigesetzt werden, da Breda von den Spaniern besetzt war. Die Kirche am Marktplatz mit dem zweithöchsten Kirchturm des Landes ist noch immer die letzte Ruhestätte für die Mitglieder der royalen Familie. Abgesehen von der immensen Gruft, in die man natürlich nicht hineinkommt, führt eine Art Parcours durch den Kirchenraum, der viele Geschichten zu den Grabmälern erklärt.

In Den Haag aber spielt sich bis heute das royale Leben ab. Vor dem Paleis Noordeinde im Zentrum der Stadt, dem Arbeitspalast des jetzigen Königs, breitet sich eine Grünanlage aus, zu der jeder Zutritt hat. Ein gutes Beispiel für das unverkrampfte Verhältnis der Niederländer zu ihrer royalen Familie. Blumenrabatten und das Reiterstandbild von Wilhelm I. von Oranien schmücken das Areal. Gleich nebenan, im verwinkelten Schlossviertel (Hofkwartier), kann man in Haute-Couture-Boutiquen, Schmuckgeschäften und Antiquitätenläden wie ein König shoppen. Hier trägt alles eine Krone: Straßenpfosten, Straßenlampen, Schaufensterrahmen.

Auf dem Boulevard Lange Voorhout, wo im Sommer unter dem grünen Laubdach alter Linden Antik- und Buchhändler ihre Stände aufbauen, wohnte in einem kleinen Palais aus dem 18. Jahrhundert Königin Emma. Inzwischen heißt es Museum Escher und erfreut Kunstliebhaber. Im nahen mittelalterlichen und ehemaligen Schloss Binnenhof schlägt heute das Herz des politischen Lebens. Hier ist das Parlament untergebracht.

Prächtige rote Marmortreppe

Jetzt fehlt noch ein i-Tüpfelchen. Dazu geht es zum Bahnhof Den Haag HS (Hollands Spoor). Zahlreiche Giebel schmücken das alte Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert. Auf Bahngleis 1a vor einem mit Säulen gerahmten Portal wartet Paula van Dijk. „Man muss sich erst an die Tiefe der Farben gewöhnen“, meint die Stadtführerin, bevor es hineingeht zu den Warteräumen der königlichen Familie, die nur im Rahmen von Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich sind (siehe Infokasten unten). Mit dunkelgrüner Tapete ist der zentrale große Salon ausgestattet, an dessen Decke die Wappen der Provinzen gemalt sind und zu dem eine prächtige rote Marmortreppe führt. So verhalten und diskret das Licht ist, zeigt sich das gesamte Ensemble der Räume, trotz Gold und Marmor in allen Winkeln.

Wenn eine Abreise geplant ist, schmückt Paula van Dijk die Räume mit Blumen und holt Kaffee und Kuchen vom Bahnhofskiosk. „Sie reisen gerne mit dem Zug“, sagt sie, und wieder spürt man die stille Wertschätzung der Familie Oranien-Nassau, die viele Niederländer teilen.

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