Kreis Heinsberg: Freiwillige bei der Lebenshilfe: Menschen, die gut tun

Kreis Heinsberg: Freiwillige bei der Lebenshilfe: Menschen, die gut tun

„Da sind wir wieder!” Fröhlich lachend kehren Lukas Nimz und Markus Hinte in ihre Gruppe zurück. Dass die beiden jungen Leute sich prima verstehen, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Behutsam schiebt Lukas den schwer behinderten Markus an die Datenvernichtungsanlage. Sie ist in der Oberbrucher Werkstatt der Lebenshilfe der Arbeitsplatz des 23-jährigen Wegbergers, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist.

Der 20-jährige Lukas Nimz aus Birgelen arbeitet seit vergangenem Sommer im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im Förderbereich für Menschen mit schweren Behinderungen und fühlt sich hier sichtlich wohl. Nicht nur sein Dauerlächeln, das dem hochgekämmten Haarschopf unter der in den Nacken geschobenen Kappe noch mehr Schalk verleiht, macht ihn in der Gruppe beliebt. „Der ist cool!”, lässt Markus lachend vernehmen, nachdem er es mit Lukas geduldiger Hilfe wieder einmal geschafft hat, den Bedienknopf zu treffen.

Dabei hatte Lukas eigentlich zunächst ganz andere Ziele. Nach seinem Abitur am Erkelenzer Cusanus-Gymnasium wollte er Biologie und Geschichte studieren, um Lehrer zu werden. „Aber ich war mir nicht ganz sicher”, sagt er heute. „Und da hab ich gedacht: Mach erst mal was Praktisches.”

Daraus reifte nach wenigen Wochen schon die Gewissheit, seinen Beruf oder besser noch seine Berufung gefunden zu haben. „Das hat mich schon richtig mitgenommen hier”, bemerkt er in ganz positivem Sinne. „Die Arbeit mit Menschen ist einfach super. Man steckt mit ihnen in so vielen unterschiedlichen Aktivitäten drin.” Jetzt wird der FSJler in der Lebenshilfe eine dreijährige Ausbildung zum Heilerziehungspfleger absolvieren und möchte dann selbst Gruppenleiter werden.

Lukas Nimz ist einer von insgesamt 30 FSJlern, die 2011 bei der Lebenshilfe gestartet sind. 2010 waren es noch 33, 2009 sogar 35, in diesem Jahr sind es bisher gerade einmal 20. Noch dramatischer stellt sich die Situation bei den Teilnehmern am Bundesfreiwilligendienst dar, der im vergangenen Jahr an die Stelle des Zivildienstes getreten ist. 2010 begannen bei der Lebenshilfe noch 50 sogenannte Zivis ihren Dienst, im vergangenen Jahr waren es gerade mal noch zehn Bufdis, in diesem Jahr bislang acht. Den Grund für die Entwicklung sieht Lebenshilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen in einer gesamtgesellschaftlichen Situation, die junge Menschen zu immer mehr Eile in ihrer Schul- und Berufsausbildung dränge.

„Insgesamt 40 Kräfte könnten wir noch gebrauchen”, resümiert er die aktuelle Situation des freiwilligen Engagements für behinderte Menschen in der Heinsberger Lebenshilfe. Nicht etwa, dass ohne sie die grundlegende Betreuung gefährdet wäre. „Die wesentlichen Aufgaben könnten mithilfe des fest angestellten Personals bewältigt werden”, sagt Edgar Johnen. „Aber wir wollen natürlich mehr tun”, nennt er die Betreuung der behinderten Menschen im Rahmen von Freizeitangeboten oder Erholungsmaßnahmen als Beispiele.

„Und die jungen Menschen hier haben uns immer gutgetan, auch mit ihren Fragen, bis hin zum Infragestellen.” Freundschaften mit behinderten Menschen seien daraus entstanden und so manch einer sei eben wie Lukas auch bei der Lebenshilfe „hängen geblieben”, entweder direkt in einer Ausbildung oder nach seinem Studium. Und auch die jungen Menschen hätten natürlich von ihrem Jahr bei der Lebenshilfe profitiert. Nicht zuletzt hätten natürlich auch sie die Möglichkeit, an Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Als wichtig bewertet Johnen die Integration vor allem junger Menschen in den Alltag der Lebenshilfe aber auch noch aus einem ganz anderen Grund: Die Lebenshilfe sei nach wie vor ein Elternverein, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, seinen Einsatz für rund 1500 Menschen aus dem Kreis Heinsberg auch nach außen sichtbar zu machen.

„Bürger aus unserer Region sollen die Lebenshilfe Heinsberg als Teil des Gemeinwesens erleben und Einblick in unsere Arbeit erhalten”, heißt es dazu im Leitbild des Vereins. „Offenheit und Transparenz nach innen und außen sind Markenzeichen der Lebenshilfe.”

Und schließlich rede die Politik von Inklusion, so Johnen. „Wenn sie es ernst meint, ist der Beitrag aller gefordert.” Allein durch fachliche Dienste sei sie nicht realisierbar.

Edgar Johnen, der Lebenshilfe-Geschäftsführer, hofft, dass sich kurzfristig noch junge - oder im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes gerne auch ältere - Bürger im Kreis Heinsberg finden, die sich freiwillig in der Lebenshilfe engagieren können, gerne auch nur in Teilzeit.

Auch Praktikumsplätze für angehende Erzieher oder im Rahmen einer Ausbildung am Berufskolleg sind noch frei. Info gibt es unter Tel. 02452/969100 oder aber im Internet auf der Seite der Lebenshilfe.