Aachen: Forum Medizin: Vom Fersensporn bis zur heilsamen Nagelspange

Aachen: Forum Medizin: Vom Fersensporn bis zur heilsamen Nagelspange

Täglich benutzen wir unsere Füße, aber selten schenken wir ihnen genügend Aufmerksamkeit. Doch beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Uniklinikum im Hörsaal 4 der Klinikumsstanden diesmal „Probleme mit den Füßen“ im Mittelpunkt. Füße sind mehr als zwei „Stützen“. Nicht ohne Grund gibt es die Redensart „auf eigenen Füßen stehen“.

Mit diesem Hinweis eröffnet Moderatorin Sabine Rother, Redakteurin unserer Zeitung, das AZ-Forum Medizin und stellt den über 500 Besuchern die sechs Experten und Expertinnen vor: Dr. Alexander Sikorski, Leiter des Malteser Fußzentrums Rheinbach und des Eifel-Fußzentrums in der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath, Dr Bernhard Fuß, Orthopäde in der Praxisklinik am Franziskuskrankenhaus, Physiotherapeutin Anne Gehrmann, Orthopädie-Schuhmachermeister Wolfgang Schröder, Podologin Monika Kriescher und Dr. Dariusch Arbab, Assistenzarzt an der Klinik für Orthopädie der Uniklinik Aachen.

Der Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie Alexander Sikorski hat sich auf Fußerkrankungen spezialisiert — beim Forum widmete er sich besonders dem Fersensporn. Wie ein Dorn in der Fußsohle fühlt sich oftmals der Schmerz an, wenn ein Fersensporn vermutet wird. Ein Fersensporn ist ein knöcherner Fortsatz, der sich im Laufe des Lebens an der Sohlenseite des Fersenknochens bilden kann. Wenn der Fuß überbelastet wird, lagert sich an der Stelle, wo der Sehnenstrang am unteren Ende des Fersenbein anhaftet, Kalk ab.

Auf einem Röntgenbild ist der Dorn dann zwar klar erkennbar, doch müsse dies nicht die wirkliche Ursache des Schmerzes sein. „Es gibt auch eine Spornbildung ohne Schmerz“, betont der Facharzt. Denn es könnten ebenso die Entzündungen der Muskeln und der Sehnenplatte um den Fersensporn herum, die Ursache für die Schmerzen sind. Einfache Dehnübungen und eine gute Einlage können Schmerzen beseitigen.

Komplex ist der Schwerpunkt Knick-Plattfuß von Bernhard Fuß. Im Fachjargon „Tibialis posterior Insuffizienz“. Das Längsgewölbe des Fußes ist hier stark gesenkt oder sogar ganz aufgehoben. Die Fußsohle liegt im Extremfall flach auf dem Boden. Ein Abrollen des Fußes ist nicht mehr möglich. In den meisten Fällen geht man von einem erworbenen Plattfuß aus. Ist der Knick-Plattfuß ist nicht stark ausgeprägt, helfen Einlagen, die das Fußgewölbe wieder aufrichten. Mit einer Operation, einer knöchernen Korrektur, müsse der Patient aber rechnen, wenn die Fehlstellung schon weit fortgeschritten sei, so der Orthopäde. Nach den beiden Vorträgen der Fachärzte sorgt Physiotherapeutin Anne Gehrmann für Abwechslung. Nicht mit „Power Point“, sondern mit „woman power“ erklärt sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit:

Spiralige Verschraubungen

In Laufsportkleidung und einer auffallend breiten roten Markierung auf der Haut (von der Ferse bis zur Hüfte) tritt Denise Winkler vor das Publikum und stellt sich sogar auf einem Podiumstisch, damit alle Besucher den Erklärungen von Anne Gehrmann folgen können. Spiraldynamik heißt das neue Konzept mit dem Anne Gehrmann arbeitet. Das Konzept betont die spiraligen „Verschraubungen“ an verschiedenen Körperstellen, die sich wie ein roter Faden durch das menschliche Bewegungssystem ziehen. „Auch das Fußskelett ist spiral verschraubt“, erklärt die Expertin. „Wenn Patienten zu uns kommen, schauen wir uns die einzelnen Bewegungsabläufe und das Gangbild genau an.“

Über Knorpeldefekt und Arthrose im Sprunggelenk spricht Assistenzarzt Dariusch Arbab. Eine Untersuchung bei ihm beginnt mit dem Abtasten des Fußes, Erst dann folgt eine Röntgenaufnahme oder Computertomographie. Liegt ein lokaler Defekt vor, aber der Patient hat keine Beschwerden, dann ist auch keine Operation notwendig. „Ist die Arthrose dagegen fortgeschritten, sprechen wir mit dem Patienten über eine Versteifung oder eine Prothese“, sagt Arbab. „Wenn nur das Sprunggelenk versteift wird, kann der Fuß nahezu unbegrenzt belastet werden.“

Als Podologin sorgt sie für die speziell medizinische Fußpflege, erklärt Monika Kriescher. Eine sehr genau Anamnese und das ausführliche Gespräch über die Beschwerden der Patienten entscheidet über die Behandlung. Und es gibt viele Möglichkeiten, heftige Beschwerden zu bekämpfen. Wenn etwa ein Patient mit einem eingewachsenen Nagel zu ihr kommt, dann behandelt sie ihn mit einer „Nagelspange“, die den nachwachsenden Nagel in die gewünschte Form bringt. Wird ein Zehennagel nur entfernt, besteht die Gefahr, dass er ein weiteres Mal einwächst, weiß die Podologin aus Erfahrung.

Für Orthopädie-Schuhtechniker-Meister Wolfgang Schröder ist es wichtig zu wissen, wo genau die Belastung im Fuß liegt. Neben „Blauabdruck“ und Trittschaum verwendet der Experte gerne die Scan-Messung. „Mit diesem digitalen Verfahren lässt sich die Höhe des Fußgewölbes genau ermitteln“, sagt er. Wie vielschichtig die Probleme rund um die Einlagen ist, zeigen zahlreiche Fragen aus dem Publikum. Doch nicht alle Beschwerden, sind darauf zurückzuführen. Kribbeln im Fuß, warme und kalte Füße können ein Zeichen für schlechte Durchblutung sein, erklärt Bernhard Fuß und weist noch einmal darauf hin, dass selbst das Fettpolster der Fußsohle eine wichtige Rolle spielt.

Dass man von den Füßen täglich Höchstleistungen verlangt, sie wesentliche Aufgaben für unseren Körper erfüllen und damit rundum Lebensqualität bieten können — das zeigte diese Veranstaltung. Aber quälende „Probleme mit den Füßen“ gibt es jede Menge und in jedem Alter..

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