Kreis Düren: Flüchtlingszuweisungen: Entlastung, aber noch keine Entspannung

Kreis Düren: Flüchtlingszuweisungen: Entlastung, aber noch keine Entspannung

Die Zahl der Flüchtlinge ist im März bundesweit drastisch gesunken. Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag bekanntgab, wurden im vergangenen Monat etwa 20.000 Asylsuchende registriert. Im Februar waren es noch etwa 60.000, im Januar 90.000 und im Dezember vergangenen Jahres 120.000. Dementsprechend ist auch die Zahl der Flüchtlingszuweisungen für die Stadt Düren zurückgegangen.

Seit Mitte Februar sind der Rurstadt keine neuen Asylbewerber mehr zugewiesen worden. Derzeit leben 668 Flüchtlinge aus 38 Nationen in Düren. Vom 1. Januar zum 31. März 2016 musste die Rurstadt 80 neue Flüchtlinge aufnehmen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 26 mehr, nämlich 106.

Trotzdem ist die Stadt weiter auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten. Derzeit wird ein leerstehendes Gebäude an der Distelrather Straße in Düren umgebaut. Im Juli soll hier Platz für bis zu 60 Asylbewerber sein. Und auch die Turnhalle der Cornetzhofschule, die zunächst als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen mit Platz für bis zu 150 Männer, Frauen und Kinder genutzt wurde, steht weiterhin zur Verfügung. Christian Sanfleber, Leiter des städtischen Sozialamtes: „Wir nutzen die Cornetzhofschule als Notschlafstelle für 29 Personen. Hier werden derzeit alleinstehende Männer ohne wirkliche Bleibeperspektive untergebracht.“

Ende 2015, als die Entscheidung darüber gefallen sei, das Gebäude in der Distelrather Straße für Flüchtlinge herzurichten, sei die Situation noch eine ganz andere gewesen. Sanfleber: „Damals haben wir noch händeringend Wohnraum gesucht. Und natürlich müssen wir uns heute an verbindliche Zusagen, die wir dem Vermieter damals gemacht haben, halten, auch wenn die Situation vielleicht nicht mehr so schwierig ist wie noch vor einem halben Jahr.“

Seitdem die Balkanroute geschlossen sei, spüre die Stadt schon eine Entlastung, was die Unterbringung von Flüchtlingen angehe. „Allerdings“, betont Sanfleber ausdrücklich, „möchte ich noch nicht davon sprechen, dass die Lage wirklich entspannt ist.“ Keiner, so der Sozialamtsleiter weiter, wüsste heute, wie sich die Flüchtlingssituation in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln würde. „Wenn das Wetter wieder besser wird, tun sich für die Flüchtlinge vielleicht wieder neue, andere Wege auf, um nach Europa zu kommen. Außerdem wissen wir noch nicht, wie viele der syrischen Flüchtlinge, die Deutschland von der Türkei übernehmen muss, nach Düren kommen. Es ist gut, dass wir jetzt in Sachen Unterbringung auch ein bisschen Manövriermasse haben.“

Sollte sich abzeichnen, ergänzt Sanfleber, dass es irgendwann zu viel Wohnraum für Flüchtlinge geben würde, sei es möglich, die Mietverträge mit einem Teil der 38 Wohnungen, die die Verwaltung im gesamten Stadtgebiet — zum Großteil jedoch in den Wohntürmen am Miesheimer Weg — angemietet habe, zu kündigen. Sanfleber: „Diese Wohnungen wären dann wieder auf dem freien Wohnungsmarkt verfügbar.“

Der Bürgermeister von Vettweiß, Joachim Kunth (CDU), bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel. „Die Bundesregierung denkt derzeit darüber nach, für die Flüchtlinge, die eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, für zwei Jahre eine Residenzpflicht einzuführen. Wenn die kommt, und die Flüchtlinge dann eigene Wohnungen suchen, brauchen wir natürlich zusätzlichen Wohnraum.“

Lage „durchaus entspannt“

Die Gemeinde Vettweiß plant deshalb einen Neubau mit Platz für bis zu 80 Personen in der Kettenheimer Straße. Kunth: „Wir hoffen, dass wir in der nächsten Woche die Baugenehmigung bekommen, dann kann zeitnah mit den Arbeiten begonnen werden. Der Bauunternehmer steht jedenfalls schon in den Startlöchern.“

Grundsätzlich, sagt der Leiter der Job-com des Kreis Düren, Karl-Josef Cranen, sei die Lage auf dem Wohnungsmarkt im Kreis Düren für Asylbewerber, aber auch für Menschen, die Hartz IV und Grundsicherung beziehen, „durchaus entspannt“. „Ich kann nicht beobachten, dass es Schwierigkeiten gibt, geeigneten Wohnraum für unsere Kunden zu finden“, so Cranen.

Im Augenblick gebe es im gesamten Kreis Düren erst weniger als 300 anerkannte Flüchtlinge, die auf dem allgemeinen Markt eine Wohnung suchen. „Wir haben die Beobachtung gemacht, dass viele in Richtung der Ballungszentren, also nach Köln oder ins Ruhrgebiet ziehen.“ Sollte die schon angesprochene Residenzpflicht kommen, so Cranen, könne die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt steigen. Gerade Asylbewerber würden allerdings gerne in einer Wohngemeinschaft leben. „Und dafür finden sich gut Wohnungen.“