Jülich: Fliegender Start der neuen Vorzeige-Kita in Jülich

Jülich: Fliegender Start der neuen Vorzeige-Kita in Jülich

Was vor 20 Jahren als ehrenamtliche Elterninitiative mit acht Mädchen und Jungen in einer alten Hausmeisterwohnung begann, endete am Freitag — vorläufig — mit der Eröffnung der größten Kindertagesstätte des Kreises Düren in Jülich. Beim Fest am Freitagnachmittag gab es kaum einen Gast, der ob der Architektur, der Bauweise und der pädagogischen Konzeption nicht beeindruckt gewesen wäre.

Es hagelte Lob von allen Seiten für ein hölzernes Kita-Dorf, dessen acht Gruppen um einen zentralen „Marktplatz“ angeordnet sind.

Bürgermeister Axel Fuchs ahnte, dass diese Kindertagesstätte Maßstäbe setzen und Begehrlichkeiten bei künftigen Kita-Bauten wecken dürfte. „Das setzt uns in Stadt und Kreis ein wenig unter Druck“, sagte er lachend über eine realisierte Idee, die er „großartig“ findet.

Die Besonderheit der Kita wird schon am Standort deutlich: Sie befindet sich auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich (FZJ). Die Kinder werden bilingual — deutsch und englisch — betreut in einer Einrichtung, die zugleich Bewegungskindergarten und „Haus der kleinen Forscher“ ist. Das schließt ein eigenes Labor ein, in dem die derzeit 127 Jungen und Mädchen frühestmöglich und altersgerecht an die (Natur-)Wissenschaften herangeführt werden, wenn sie das möchten. Denn die freie Entfaltung und Wahl der Betätigung ist wesentlich im Konzept.

2000 Quadratmeter Gebäude- und 6000 Quadratmeter Außengelände stehen den Kindern zwischen vier Monaten und 14 Jahren zur Verfügung. Die älteren werden in einer Hortgruppe betreut. Mit acht Gruppen sind die „Kleinen Füchse“ nun die größte Einrichtung im Kreis Düren, mit 127 Mädchen und Jungen die zweitgrößte. Sie steht den Menschen im Kreis Düren offen, wird aber naturgemäß vor allem von Beschäftigten des Forschungszentrums und Jülicher Familien genutzt.

Der Kreis Düren habe dabei geholfen, eine bürokratische Hürde zu überqueren, denn das Kreisjugendamt fand eine Lösung für Mitarbeiter des FZJ, die nicht im Kreis Düren leben, aber deren Nachwuchs nun auch in der neuen Kita betreut werden kann. Das erklärte Karsten Beneke als Vorstandsvize des Forschungszentrums. Viele Wege — auch an Fördertöpfe — habe die laut Beneke „profilierteste Kita-Expertin Deutschlands“, Dr. Ilse Wehrmann aus Bremen, als Beraterin aufgezeigt oder geebnet. Am Ende sei ein Gemeinschaftswerk herausgekommen, an dem neben Bund und Land auch der Kreis und die Stadt Jülich mit „Problemlöser Bürgermeister Axel Fuchs“ großen Anteil hatten.

Die vielen Besonderheiten — zum Beispiel eine uralte Bautechnik (Fachwerk) in modernster Ausführung — hatten ihren Preis: 7,2 Millionen Euro. Knapp sechs Millionen steuerte das Bundesforschungsministerium bei, 1,2 Millionen Euro kamen vom Land Nordrhein-Westfalen, 50.000 Euro vom Trägerverein „Kleine Füchse“, dessen Vorsitzende Petra Jerrentrupp Lob und großen Applaus für „vorbildliches Engagement“ des Vereins erhielt.

„Was hier entstand, ist einmalig“, sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. „Der direkte Kontakt der Kinder zu Europas größter Forschungseinrichtung ist ein großer Pluspunkt.“ Das sei auch der Ansatz gewesen, dass sein Ministerium, das im Regelfall nicht für den Kita-Bau zuständig sei, die Mittel bewilligt habe.

Die 127 Kinder werden von 30 Erzieherinnen betreut. Die Leiterinnen der Einrichtung — Susann Köhler und Sabine Kolubka-Schayen — nahmen viele Glückwünsche entgegen. FZJ-Vorstand Karsten Beneke schwärmte: „Ein kleiner Fuchs möchte man sein!“

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