Waldfeucht-Bocket/Edinburgh: Filigrane Figur mit großer Symbolkraft

Waldfeucht-Bocket/Edinburgh: Filigrane Figur mit großer Symbolkraft

Maria Magdalena lächelt nicht. Sie schaut weder froh noch traurig in die Welt. Sie scheint zu wissen, dass auf Glück Trauer folgt, nach Leid kommt wieder Freude. „So ist das Leben”, sagt Hans Zaunbrecher.

Der Holzschnitzer aus Bocket und sein Lehrling Karl Schöbben aus Breberen haben eben jene Maria Magdalena mit dem bedeutenden Gesichtsausdruck erschaffen. In 600 Stunden harter Arbeit entstand die 160 Zentimeter große Holzfigur.

„Im Kloster von Koningsbosch hat alles angefangen”, erinnern sich die beiden Kunsthandwerker. Dort bauten sie vor etwa zwei Jahren den rund 200 Kilo schweren Block aus Lindenholz auf, an dem sie dann so lange feilten, bis das filigrane Antlitz samt Körper der Weggefährtin Jesu Christi entstand. „Zunächst habe ich eine Schablone von der Figur gezeichnet und diese auf den Holzblock übertragen”, erklärt Hans Zaunbrecher. Mit der Kettensäge habe er dann die Konturen erst grob herausgeschnitten, ehe sein Lehrling und er sich mit ihren Schnitzmessern ans Werk machten. Dabei achteten die Schöpfer auf jedes Detail. Allein, um die Hände lebensecht zu gestalten, saß Birgit Evers aus Horst stundenlang Modell. „Auch beim Gesicht habe ich Anleihen von Birgit Evers genommen”, gesteht Zaunbrecher.

Die Idee zu dem Werk, das zunächst in erster Linie eine Übung für Karl Schöbben sein sollte, hatte der Lehrling übrigens selbst. „Aus dem Gefühl heraus wusste ich, dass es die Heilige Maria Magdalena werden sollte. Es war eine Art Eingebung”, sagt der 48-Jährige, der sich selbst als einen sehr gläubigen Menschen bezeichnet. In der einen Hand hält die Figur ein großes Holzkreuz, in der anderen einen Kelch.

„Sie symbolisieren das Leid und das Blut Christi”, verdeutlicht Schöbben. Der Totenschädel zu ihren Füßen versinnbildliche den Tod, während das Buch darunter für die Liebe und die Weisheit stehe. Zum Schluss arbeiteten die beiden Künstler noch einen schillernden Swarovski-Kristall in den Anhänger der Kette ein, die die Heilige um den Hals trägt, der Kraft und Ausstrahlung verkörpern soll. Auf das Ergebnis ihrer Arbeit sind die Beiden zu Recht stolz. Nicht nur, dass die symbolträchtige Figur, die laut der beiden Holzschnitzer ein Sinnbild für Jesus Christus sein soll, äußerst ansprechend gelungen ist. Seit Ende Mai steht sie in der St. Marys Metropolitan Cathedral von 1813 in Edinburgh und hat vor Ort bereits eine Menge Wertschätzung erfahren. Zaunbrecher und Schöbben stifteten ihr Werk an das römisch-katholische Gotteshaus, brachten es dazu sogar selbst per Auto und Fähre nach Schottland und bauten die Statue eigenhändig neben dem Altar der prachtvollen Kirche auf.

Jetzt noch sind die beiden Männer beeindruckt von ihren Erlebnissen in Edinburgh. „Die Einsegnung erfolgte in einer anderthalbstündigen Messe mit Kirchenchor und allem Pipapo”, schwärmt Zaunbrecher. Über 1000 Menschen hätten der Weihe in der Kathedrale beigewohnt. Und natürlich wurden die beiden Stifter dabei auch zum Altar gebeten und der Gemeinde vorgestellt. „Die Messe war komplett auf Maria Magdalena ausgerichtet. Das war sehr schön”, berichtet Hans Zaunbrecher. „Die Freundlichkeit der Menschen hat uns überwältigt”, sagt auch Karl Schöbben. Einige Tage später lernten sie bei einer weiteren großen Messe Keith Michael Patrick Kardinal OBrien kennen, der sie aufgrund seiner Natürlichkeit faszinierte.

Die schottische Kirchengemeinde dankte den beiden Holzschnitzern aus dem Westen Deutschlands vielfach für ihre Gabe. Die lebensgroße Skulptur soll nun als einzige Holzfigur der Kirche einen besonderen Standort erhalten. „Zur 200-Jahr-Feier der St. Marys Metropolitan Cathedral müssen wir auf jeden Fall wieder hinfahren”, sagen die Holzschnitzer unisono. Dann wird ihre Maria Magdalena sicherlich auch ihren endgültigen Platz gefunden haben. Und weiterhin bedeutungsvoll in die Welt sehen, weder froh noch traurig.