Am Haus der Stadt: Festival-Atmosphäre und tolle Musik

Am Haus der Stadt : Festival-Atmosphäre und tolle Musik

Die Sommerbühne am Haus der Stadt in Düren ist eröffnet. Zum Start gab es das Musical „The Fantasticks“.

Von dem Versuch, die eigenen Kinder mittels umgekehrter Psychologie dazu zu manipulieren, genau das zu tun, was man von ihnen möchte, können die meisten Eltern ein Lied singen. Im wörtlichen Sinne tun das die beiden Väter Bell und Huck in dem Kult-Musical „The Fantasticks“ in ihrem Song über die magische Wirkung des Wortes „nein“ (ursprünglich „Never Say No“). Die beiden Freunde und Nachbarn errichten einen Zaun zwischen ihren Gärten und verbieten ihren Kindern Luisa und Matt, miteinander in Kontakt zu treten. Still und heimlich hoffen Sie darauf, dass sich die beiden dem väterlichen Verbot widersetzen und genau das Gegenteil des Kontaktverbotes leben – dass sie sich im Idealfall ineinander verlieben nämlich.

Das funktioniert einwandfrei, bis der Schauspieler, den die beiden Elternteile engagieren, um eine fingierte Entführung und die Errettung daraus durch den Helden Matt zu inszenieren, um der Kuppelei den letzten Schliff zu geben, seine Sache etwas zu gut macht und Luisa sich ein wenig in ihn verliebt.

Gut und Böse, Schwarz und Weiß vermischen sich kurzzeitig, bis am Ende die Liebe zwischen den beiden jungen Leuten und die Freundschaft zwischen deren Vätern siegt.

Mit dem Off-Broadway-Musical, das die mystische Begegnung zwischen Romeo und Julia satirisch spiegelt und Musicalgeschichte schrieb, weil die Originalproduktion mit einer Laufzeit von 42 Jahren und mehr als 17.000 Aufführungen einen Weltrekord erreichte, eröffnete Düren Kultur die Sommerbühne auf dem Rudolf-Schock-Platz.

Wie mutig das sei und wie viel Engagement das Team von Düren Kultur in die Vorbereitungen der Sommerbühne gesteckt hatte, betonten sowohl Bürgermeister und Kulturdezernent Frank Peter Ullrich (SPD) als auch Verena Schloemer (Grüne) als Vorsitzende des Kulturausschusses. Gabrielle Gellings, Leiterin von Düren Kultur, ergänzte gegenüber dem Publikum: „Alle hier haben Sie sehr vermisst.“ Ihr Dank galt auch den rund 150 Gästen des Eröffnungsabends: „Klopfen Sie sich selbst auf die Schulter.“ Denn das Wichtigste – neben der Show auf der Bühne – sei „to show up“ – also hinzugehen zum kulturellen Ereignis.

 Das Ensemble der Kleinen Bühne Bühne Bad Godesberg überzeugte stimmlich und komödiantisch.
Das Ensemble der Kleinen Bühne Bühne Bad Godesberg überzeugte stimmlich und komödiantisch. Foto: Anke Holgersson/Anke Holgerssons

Und dieses kulturelle Ereignis war wirklich ein ganz besonderes. Es spielte das Ensemble der Kleinen Bühne Bad Godesberg. Manuel Jadue zeigte als Superschurke und Spielleiter El Gallo vollen darstellerischen Einsatz. Musikalisch und komödiantisch auf den Punkt begeisterte er das Publikum. Absolute Spielfreude und mitreißende Komik versprühten allen voran Theaterleiter Frank Oppermann als Bell, Dirk Witthuhn als Huck sowie Florian Albers als dessen Sohn Matt. Gesanglich überragend verkörperte Sophia Vivien Riedl die Figur der Luisa.

Stefan Krause hatte die ursprünglichen Gags des Librettos, das aus dem Jahr 1960 stammt, behutsam hier und da mit einer „typisch deutschen“ Einlassung garniert. So errichten die beiden Väter keinen gewöhnlichen Zaun zwischen ihren Gärten, sondern einen Stacheldrahtzaun. Klar, dass der in Anlehnung an Stefan Raabs bekannter TV-Satire auf der Bühne im sächsischen Dialekt ausgesprochen wird.

Mit seiner musikalischen Adaption des Musicals gelang Theo Palm, der auch am Piano zu hören war, ein echter Coup. Gemeinsam mit Ewa Matejewska an der Harfe und Christoph Freier (Percussion) sorgte er für einen wunderbar satten Sound, der auch noch im Park, außerhalb des Festivalplatzes, zu hören war.

Das machten sich zum Beispiel Sandra aus Zülpich und Stefan aus Aachen zu Nutze. Mit Kaltgetränk in der Hand und einem Skateboard als improvisierter Sitzbank genossen sie das Musical gewissermaßen als Zaungäste. Für ihr erstes Date hatten sie sich in der Mitte zwischen ihren beiden Wohnorten getroffen und bei einem Spaziergang entdeckt, dass da „was los ist“ im Park. Spontan waren sie wieder gekommen, um teilzunehmen an Dürens erster Sommerbühne. Späteres Happy-End nicht ausgeschlossen.

Das Happy-End auf der Bühne jedenfalls fand bei den Gästen lang anhaltenden Beifall.