Hückelhoven-Schaufenberg: Feste feiern und karitative Arbeit leisten

Hückelhoven-Schaufenberg: Feste feiern und karitative Arbeit leisten

Das „Bullenkloster” war in den vermeintlich „goldenen Zeiten” des Kohlebergbaus in Hückelhoven, also Mitte des vergangenen Jahrhunderts, so etwas wie die Keimzelle des langsam entstehenden Ortes Schaufenberg vor den Werkstoren von Sophia-Jacoba.

Dort wohnten die jungen Männer, die aus allen Teilen Deutschlands, meist aber aus dem Osten und dem Süden, in den Bergbau strömten, um „Kohle zu machen”.

Hückelhovens Altbürgermeister Oskar Ramöller erinnert sich an die alles andere als beschaulichen Zeiten damals: „Rosenmontag 1952 hieß es: Auf zu Thönnissen zum Ball. Es herrschte prächtige Stimmung im Saal. Bald aber merkte ich: Hier braut sich was zusammen, die Schaufenberger Platzhirsche formieren sich, hier bekommst du die Jacke abgestaubt. Mir blieb nur die Flucht. In meiner Not rannte ich durch die noch freie Tür in die Wirtschaft. Da war meine Rettung in Form von Jakob Lustig, der friedlich an der Theke bei einem Bier saß. Er hatte die Situation gleich durchschaut: ,Komm hierhin, Junge´, rief er. Zu meinen Widersachern gewandt: ,Wer dem Jungen wat tut, der kriegtet mit mich zu tun´. Das half schlagartig. Damit war ich für alle Zeiten in dem so liebens- und lebenswerten Schaufenberg aufgenommen.”

Nicht alle, die sich in Schaufenberg ansiedelten, hatten einen solchen Schutzpatron wie Oskar Ramöller ihn in Jakob Lustig gefunden hatte.

Harte Maloche, rauhe Kerle. Das war einer der Gründe, warum sich am 5. März 1950 in Schaufenberg 24 Männer versammelten und den „Katholischen Bürgerverein Schaufenberg” aus der Taufe hoben. „Da haben Lehrer und Männer, die der katholischen Kirche verbunden waren, an einem Strang gezogen”, sagt Klaus Terbrügggen. Sein Vater Peter war einer der Gründerväter des Bürgervereins. „Die Bergleute hatten doch keine Heimat außerhalb des Berufslebens, denen wollte man nach Feierabend eine Anlaufstation bieten”, ergänzt Klaus-Hubert Moll.

Den Zeiten angepasst

Der ist heute, im sechzigsten Jahr des Bestehens des Vereins, dessen Vorsitzender. Der Bürgerverein ist neben Grün-Weiß und dem Karnevalsverein der einzige Verein im Ort. Natürlich haben sich Aufgaben, Inhalte und auch die Formen des Vereinslebens mit den Jahren den Zeiten angepasst - die Ziele sind aber weitestgehend die gleichen geblieben. „Wir wollen den Menschen, die in unserem Ort wohnen, das Gefühl geben, dass Schaufenberg ihre Heimat ist”, bringt es Moll auf den Punkt.

Der Bürgerverein ist zwar auch heute noch ein kirchlicher Verein - „parteilich allerdings neutral”, wie Klaus Terbrüggen betont wissen will - man hat aber in Folge der ökumenischen Bewegung 1969 das „katholisch” aus dem Namen gestrichen.

„Davon wusste das Bistum in Aachen bis zum Jahr 2009 nichts.” Wenn Klaus-Hubert Moll das sagt, macht sich ein gewisses konspiratives Lächeln in seinem Gesicht breit. „Die hätten das damals doch nie mitgemacht. Wir waren der Zeit etwas voraus.”

Da der Bürgerverein kein eingetragener Verein ist, war das Eingebettet-Sein in die Arme des Bistums vor allem versicherungstechnisch wichtig. Im September 2009 war das Bistum im ökumenischen Denken dann auch soweit und hat seinen Stempel unter die neue Satzung gesetzt.

Alles beim Alten geblieben dagegen sind die Rituale beim „Schützenfest” des Vereins. „Bei uns gibt´s keine Uniformen. Bei uns sind alle Pazifisten”, sagt Terbrüggen, ein hintergründiges Lächeln auch er nicht verbergend.

Ganz ohne Schießen ist nämlich auch beim Bürgerverein der König nicht zu finden. „Auf einen Bierdeckel wird ein Kreuz gemacht, der Deckel wird rumgedreht, auf den Deckel wird geschossen, und wer am nächsten am Kreuz ist, der ist König”. Klaus-Hubert Moll kennt die Regeln aus dem Effeff. Der Sieger bekommt Klompe an die Füße und eine silberne Kette um den Hals. „Der Umzug durch den Ort mit dem Klompekönig ist in jedem Jahr ein Höhepunkt im Vereinsleben”, sagt Moll. Und das soll auch noch ein paar Jährchen so bleiben.

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