Kreis Heinsberg: „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ist ein wichtiges Qualitätssiegel

Kreis Heinsberg: „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ ist ein wichtiges Qualitätssiegel

Zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben — Märchen oder Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung?“ hielt Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, den zentralen Vortrag bei der Veranstaltung „Wirtschaftsfaktor Familienfreundlichkeit — Punkten mit Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“.

Dazu eingeladen hatten die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg und der Zweckverband Region Aachen Arbeitgeber und Personalverantwortliche ins Heinsberger Haus Lennartz. Jutta Rump gehöre zu den 40 führenden Köpfen des Personalwesens in Deutschland und zu den acht wichtigsten Professoren für Personalmanagement im deutschsprachigen Raum, stellte Moderator und Regionalredakteur Dieter Schuhmachers die Referentin des Abends dem Publikum vor.

Megatrends, die Einfluss auf die Fachkräftesicherung hätten, zeigten sich in den drei Clustern: demografische, technologisch-ökonomische sowie gesellschaftliche Entwicklungen. Sie sorgten für Handlungsbedarf auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft, ließ die Referentin keinen Zweifel daran, dass die Unternehmen diese Trends in der Gesamtheit beachten müssten. Der Arbeitsmarkt habe sich in bestimmten Segmenten immer mehr von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt.

„Wir müssen uns als Unternehmen hübsch machen“, formulierte sie anschaulich die Notwendigkeit, attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht nur die Förderung der Lern- und Leistungsfähigkeit über die gesamte Lebensarbeitszeit sei dabei von grundlegender Wichtigkeit, sondern auch die Beachtung der unterschiedlichen Werte sowie Denk- und Handlungsmuster der Beschäftigten. Der demografische Wandel sorge dafür, dass immer weniger junge Arbeitnehmer als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden. Und diese Generation habe eine andere Sicht auf ein Unternehmen, weil Familienfreundlichkeit die gleiche Bedeutung wie der Bezahlung beigemessen werde. In diesem Umfeld gehöre die Thematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur strategischen Personalplanung eines Unternehmens.

Wer glaube, dem Arbeitskräftemangel als Folge des demografischen Wandels mit der Digitalisierung und Industrie 4.0, also mittels kompletter Automatisation begegnen zu können, greife zu kurz. Die Konsequenz aus der Alterung der Gesellschaft und der Belegschaften sei die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Eine Folge der technisch-ökonomischen Entwicklungen sei die Beschleunigung der Kommunikation und Prozesse bei gleichzeitiger Komplexitätssteigerung.

Die Technologie eines Smartphones beispielsweise wirke tiefgehend in berufliche wie private Handlungsmuster. „Was aber macht das mit uns? Und welche Lebensentwürfe lassen sich unter dem Einfluss dieser Megatrends noch realisieren?“ Mit diesen Fragen sprach die Referentin ein verändertes Bewusstsein beim Einzelnen wie in der Gesellschaft an. Wer als Arbeitnehmer wisse, dass er in der komplexen Arbeitswelt eine verlängerte Lebensarbeitszeit habe, werde aus der Selbstverantwortung heraus überlegen müssen, wie er eine Balance zwischen Arbeit, Beruf und Privatleben herstellen könne. Und ein Unternehmen, das seine Arbeitsplätze auch unter dem Work-Life-Balance-Aspekt gestalte, sei eben attraktiver für den Arbeitnehmer. Zugleich realisiere es Nachhaltigkeit für seinen wertvollsten Unternehmenswert, den Mitarbeiter.

„Jeder von uns ist ein Vermögenswert, der sich aus Ausbildung, Erfahrung und Wissen zusammensetzt“, verwies die Wissenschaftlerin auf die Bedeutung des Human-Kapitals. Jeder sei für den Erhalt seines Vermögenswertes verantwortlich. Daraus resultiere auch, dass niemand sich einen Arbeitgeber leisten könne, der ihn auspresse wie eine Zitrone, formulierte die Professorin provokant. Neben der Eigenverantwortung als Arbeitnehmer bestehe ergänzend dazu die Unternehmerverantwortung.

„Warum fokussieren wir uns als Unternehmen im Rahmen der Fachkräftesicherung auf diesen Vermögenswert?“ So lautete ihre Frage. „Weil wir die Beschäftigungsfähigkeit des Mitarbeiters sichern wollen“, lieferte sie die Antwort gleich dazu. Am Bild des „magischen Dreiecks“ der Beschäftigungsfähigkeit einer Belegschaft erläuterte sie die zu beachtenden Dimensionen. Die Sicherung der Kompetenz und Qualifikation gehöre ebenso dazu wie die Identifikation und Motivation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, zudem sei für Gesundheit und Wohlbefinden zu sorgen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten gemeinsam daran arbeiten, ermutigte Rump das Publikum. Dazu gehöre auch zu wissen, welche Stärken und Talente vorhanden seien und wie diese eingesetzt seien. Wie gut dieses magische Dreieck funktioniere, daraus lasse sich die „DNA“ des Unternehmens ablesen.

Das Augenmerk der Unternehmen auf die Umsetzung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu legen, werde diesen Anforderungen gerecht. In diese Entwicklung zu investieren, rechne sich. Studien zeigten, dass ein investierter Euro sich in zwei bis drei Jahren amortisiere! Wer sich bei kleinen und mittleren Unternehmen umschaue, wisse, dass schon viel gemacht werde. Eines jedoch fehle: Es werde nicht nach außen und innen kommuniziert. „Tue Gutes, aber sprich auch drüber“, bestärkte Jutta Rump die Unternehmen. Das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ sei ein Weg dazu.

Die Ausbildungsplattfom in der Region Aachen, Düren und Heinsberg: acubi.de