Aachen: Fahrplanexperte kritisiert Verbindungen der Aseag in die Eifel

Aachen: Fahrplanexperte kritisiert Verbindungen der Aseag in die Eifel

Der Mann klappt seinen Laptop auf und klickt beim Erklären flott zwischen Zeittabellen und schematischen Darstellungen von Buslinienverbindungen hin und her. Mit Fahrplänen kenne er sich aus, erzählt Burkhard Fahl. In Bremen hat er diese für die Straßenbahn ausgetüftelt, und auch beim Aachener Verkehrsverbund (AVV) war er einige Jahre tätig.

Außerdem halte er einmal im Jahr eine Vorlesung an der FH Aachen — und zwar darüber, wie man Taktfahrpläne erstellt. Immer noch arbeite er in der Nahverkehrsbranche, aber in dieser Sache sei er als Privatmann gekommen, betont er.

Und getrieben hat den Privatmann Fahl dabei — daraus macht er keinen Hehl — sein „großer Ärger“ über das, was die Aseag ihren Fahrgästen seit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember mancherorts zumutet. Der neue Fahrplan sei teilweise „völlig grottig“ und „handwerklich schlecht gemacht“, kritisiert er.

„Im Sommer bis unters Dach voll“

Ins Visier nimmt der Experte dabei insbesondere die Verbindungen zwischen Aachen und der Eifel an den Wochenenden — wobei Fahl nicht nur kritisiert. An Wochentagen habe die Aseag auf diesen Strecken einiges verbessert, sagt er. „Aber an den Wochenenden sind die Angebote dafür ausgedünnt worden.“

Was sich allein schon an der bloßen Zahl der Linien zwischen Aachen und der Eifel ablesen lasse: Von vormals drei im 120-Minuten-Takt seien nur noch zwei übrig, die SB63 und SB66, rechnet Fahl vor und prophezeit massive Nachteile für Fahrgäste, die von Aachen aus die Eifel ansteuern wollen: „Da die drei Linien bisher im Sommer immer bis unters Dach voll waren, kriegt die Aseag dort ein Kapazitätsproblem.“

Auch die direkte, umsteigefreie Verbindung von Aachen bis zum Rursee gebe es nicht mehr, moniert der Experte. Die bislang dafür zuständige Linie 68 sei „völlig zerhackt“ worden. Und selbst wenn man per Umsteigen an den Rursee gelange, passe nun der Anschluss an die Rurseeschifffahrt wesentlich schlechter als vorher.

Ohnehin macht Fahl im neuen Fahrplan einen massiven Komfortverlust in Sachen Anschlüsse und Umsteigen aus. Beispiele: An Vogelsang etwa sei das Umsteigen in den Schnellbus Richtung Kall förmlich „zerschlagen“ worden — schließlich sei die Wartezeit dort von vormals maximal 18 Minuten auf nunmehr 41 gestiegen.

Und auch in Monschau müssten sich die Fahrgäste, die in Richtung Eupen/Ternell umsteigen wollten, nun die Beine in den Bauch stehen: „Da gibt es jetzt teils 30 Minuten Wartezeit, teils fährt der Bus nach Eupen einem aber auch quasi vor der Nase weg.“

Mit seiner Kritik am neuen Fahrplan zwischen Aachen und Eifel steht der ÖPNV-Fachmann im Übrigen nicht allein da. Unter dem Titel „Busverkehr im Nationalpark an die Wand gefahren“ berichtet auch das „Nachrichtenblatt“ des Fahrgastvereins Pro Bahn über die Neuerungen und zieht ein bitteres Fazit: Für den regelmäßigen und ÖPNV-affinen Tagesgast aus städtischen Bereichen wie Aachen oder für Übernachtungsurlauber „stellt der ÖPNV keine sinnvolle Nutzungsoption mehr dar“.

Burkhard Fahl ärgert sich aber nicht nur über neue Verschlechterungen, sondern auch darüber, dass alte Fehler im neuen Fahrplan nicht korrigiert worden seien — und hat auch hierzu ein kleines Beispiel aus Aachen: Dort führen sonntags zwei Busse — die Linien 55 und 66 — vom Bushof aus nach Kornelimünster. Und das exakt zur selben Zeit. „Welchen Sinn macht das, warum fährt man nicht im versetzten Takt?“, fragt er und zieht ebenfalls ein Fazit: „Die Aseag muss an vielen Stellen nachbessern.“

Grundsätzlich will man bei der Aseag die Möglichkeit von Nachbesserungen gar nicht von der Hand weisen. „Die Optimierung des Fahrplans ist und bleibt eine Daueraufgabe“, sagt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Man werde in den nächsten Monaten die Rückmeldungen der Fahrgäste abwarten und gegebenenfalls reagieren — falls dies „einer signifikanten Zahl von Fahrgästen zugutekommt und finanzierbar ist“.

Denn Sparzwänge gebe es durchaus. Schließlich habe die Politik in Stadt und Städteregion den klaren Auftrag erteilt, die mit dem Fahrplanwechsel angestrebten Optimierungen „weitestgehend kostenneutral“ umzusetzen, so der Sprecher. Soll heißen: Was die Aseag an einer Stelle zusätzlich investiert, muss sie anderswo einsparen.

Mit Blick auf die Eifel bedeute das, dass die Verbesserung durch Einführung des 30-Minuten-Takts auf den beiden Schnellbuslinien SB63 und SB66 an Wochentagen nur durch entsprechende Einsparungen — zum Beispiel bei der Linie 68 — umgesetzt werden könnten.

Dass es dadurch keine umsteigefreie Verbindung von Aachen zum Rursee gibt, nimmt man dafür in Kauf. Die Umsteigezeiten seien nur kurz, sagt Heesel dazu. Dass deshalb nun am Wochenende weniger Busse in die Eifel fahren, wisse man: „Wir beobachten, wie sich die Nachfrage entwickelt. Sollte es zu Engpässen kommen, werden wir das Angebot ergänzen.“ Und die Anbindung an die Rurseeschifffahrt sei bei der aktuellen Fahrplanänderung nicht berücksichtigt worden, sagt Heesel. Schließlich sei dies „aber auch kein ÖPNV-Angebot“.

Auch zu den von Fahl kritisierten Verschlechterungen bei den Umsteigezeiten nimmt die Aseag Stellung. Die im Nahverkehrsplan gewollte Optimierung des Angebots zwischen Simmerath/Monschau und Aachen habe zur Folge, dass sich an anderer Stelle etwas ändere. „Es kommt zu längeren, aber auch kürzeren Umsteigezeiten“, sagt Heesel.

Und auch die Kritik des Experten, dass alte Probleme nicht behoben seien, weist die Aseag zurück. Stichwort Parallelfahrten: Diese seien im genannten Beispiel nicht zu verhindern, sagt Heesel. Eine Verschiebung der Linie 66 führe zu zeitlich parallelen Fahrten mit anderen Linien auf der Trierer Straße. Ein Fahrplan sei ein komplexes Gebilde, sagt der Sprecher: „Wenn ich an einer Stellschraube drehe, kommt es zu Auswirkungen an anderer Stelle.“

Das weiß auch Fahrplanexperte Fahl. Aber er klappt seinen Laptop wieder auf, klickt in seinem selbstentwickelten Programm herum und hat eine simpel anmutende Lösung parat: Man müsse lediglich die Fahrpläne von fünf Linien um 15 bzw. 30 Minuten verschieben — und alles passe viel besser zueinander. Und das ohne Mehrkosten. Auch das sieht man bei der Aseag anders: Eine einfache Verschiebung sei nicht möglich, heißt es dort...

Aber vielleicht gibt es ja doch noch eine Lösung. Heesel sagt, dass Fahl seine Vorschläge gerne der Aseag zukommen lassen könne. Und vielleicht kommen das Nahverkehrsunternehmen und der Fahrplanexperte sogar miteinander ins Gespräch — und am Ende wird nirgendwo der Busverkehr an die Wand gefahren.

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