Städteregion: „Eskape“: Klimainformationssystem für die Städteregion

Städteregion: „Eskape“: Klimainformationssystem für die Städteregion

Nein, von Flucht und Weglaufen kann wirklich nicht die Rede sein. Auch wenn der Name zumindest auf den ersten Blick einen solchen Schluss zulassen könnte. Genau das Gegenteil ist der Fall: Mit dem Projekt „Eskape“ will sich Uwe Zink den Folgen des Klimawandels stellen.

Und so ein Klimainformationssystem für die Städteregion etablieren, das alle relevanten Raum- und Klimadaten erfasst und für die Kommunen zugänglich macht. „Alles, was mit Stadtplanung zusammenhängt, liegt eigentlich außerhalb unserer Zuständigkeit“, räumt der städteregionale Umweltdezernent ein. Doch beim Klimaschutz sei dies anders.

Und bei der Anpassung an klimatische Veränderungen auch. „Es geht darum, trotz der Erderwärmung und all ihrer Begleiterscheinungen die Lebensqualität der Menschen zu bewahren oder sogar zu verbessern“, formuliert der Dezernent sein Ziel. Das verfolgt er gemeinsam mit den Verantwortlichen des Instituts für Stadtbauwesen und Stadtverkehr (ISB) an der RWTH Aachen. Kooperationspartner ist zudem der Wasserverband Eifel-Rur. (WVER)

Die Hochschule hat als Projektträger Fördermittel beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit beantragt und diese jetzt bewilligt bekommen: Ein Zuschuss von 220\.000 Euro steht für die nächsten drei Jahre zur Verfügung. Nicht nur deshalb stellt Uwe Zink fest: „Wir sind mit viel Rückenwind unterwegs.“

Bestätigt sieht er sich auch durch den Umstand, „dass sich Aachens Oberbürgermeister, der Städteregionsrat und die Bürgermeister aller städteregionalen Kommunen dem Projekt angeschlossen haben. Sie alle sind daran interessiert, dass diese neue Datenbank geschaffen und in Zukunft vor allem bei Bauleitverfahren ganz neue Möglichkeiten bieten wird.“

Doch wie kann man sich das vorstellen? Zink spricht von Temperaturen und Niederschlägen, von Straßen, Kanälen und Gebäuden, von Bäumen und Bächen — und natürlich von den Menschen und der demografischen Entwicklung. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Doch Uwe Zink fasst sich kürzer: „Die ganze Region wird gescannt und nach ganz unterschiedlichen Kriterien erfasst und katalogisiert.“

Das bereits bestehende Geoinformationssystem der Städteregion könne hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. „Aber auch die Kommunen müssen alle ihre verfügbaren Daten einspeisen. Am Ende werden wir dann für die Raumplanung ein Werkzeug haben, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat.“

Mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Das gehe von der Suche nach der günstigsten Stelle für einen neuen Kinderspielplatz bis zu der Frage, wie ein Baugebiet beschaffen sein muss, um seinen Bewohnern optimale Lebensbedingungen bieten zu können. „Und auch bei der Planung für den Hochwasserschutz werden wir von dem Klimainformationssystem profitieren“, nennt Thomas Pilgrim, Leiter des städteregionalen Umweltamtes, ein ganz anders gelagertes Beispiel.

Noch ist all dies Zukunftsmusik, zuvor muss eine Menge Arbeit geleistet werden. Die Datenerfassung wird vom ISB übernommen. Oder, wie es Pilgrims Kollege Hubert Schramm formuliert: „Die Wissenschaftler werden den vorhandenen Datenfriedhof lichten und mit allen neuen Informationen zusammenführen.“ Parallel dazu will Schramm als Koordinator den „Beteiligungsprozess mit den Kommunen“ anstoßen. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wird die Auftaktveranstaltung stattfinden.

Und bei dieser wohl auch so manche Frage beantwortet, die sich angesichts des zwar sehr verlockenden, aber gleichzeitig auch noch recht abstrakten Projektes stellt. Bis dahin laufen die Vorbereitungen — und steht das Versprechen von Uwe Zink: „Die Chance, die sich durch das Klimainformationssystem für unsere Region ergibt, ist riesig.“

Bund und Städteregion tragen die Kosten

„Eskape“ steht für „Entwicklung städteregionaler Klimaanpassungsprozesse“. Das Projekt wird gefördert vom Bau- und Umweltministerium des Bundes als „kommunales Leuchtturmvorhaben“ für den Aufbau von lokalen und regionalen Kooperationen.

Offizieller Träger des Projektes ist das Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr (ISB) der RWTH Aachen, das mit der Städteregion zusammenarbeitet. Weiterer Kooperationspartner ist der Wasserverband Eifel-Rur.

Die Gesamtkosten für die ersten drei Jahre werden mit 330\.000 Euro veranschlagt. 220\.000 Euro können über den Bundeszuschuss abgedeckt werden, die übrigen 110\.000 Euro übernimmt die Städteregion, indem sie Personal stellt.

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