Erkelenz: Es droht Pflege im Minutentakt

Erkelenz: Es droht Pflege im Minutentakt

Der 1. März war Aktionstag der SPD zum Thema Pflege und deren Reformierbarkeit. Dafür gingen SPD-Politiker in die Alten- und Pflegeheime, um vor Ort zu erfahren, wo der Schuh drückt. Die ehemalige Landtagsabgeordnete Ulla Meurer, Mitglied im Frauenrat NRW, war einen Tag lang im Erkelenzer Hermann-Josef-Altenheim dabei.

Abschließend nahm sie mit Fachleuten aus der Pflege und dem Träger der Einrichtung an einer Podiumsdiskussion teil. Dabei wurde schnell klar, dass sich Deutschland im Bereich der Altenpflege auf Talfahrt befindet und auf eine Krise zusteuert. Denn ab 2015 fehlen rund 100.000 Mitarbeiter in der Pflege.

Die Zusammenlegung der Ausbildungen von Alten- und Krankenpflegern sei ein falscher Weg, wie Ursula Kriesten betonte. Als Leiterin der Akademie für Gesundheitswirtschaft und Senioren im Oberbergischen Kreis kennt sie die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter im Pflegebereich. Sie betonte, dass bei steigendem Bedarf immer weniger Menschen in dem Pflegebereich ausgebildet würden.

Darüber hinaus werde die Arbeit auch durch eine Dokumentationswut behindert, wie die Heimleiterin Ursula Hönigs erklärte. Jeder Handgriff und jedes Angebot müssten in Dokumentationen erfasst werden.

Dies führe dazu, dass die Pflege im Minutentakt drohe, was den Heimbewohnern nicht gerecht werde. „Wir brauchen keinen gläsernen Patienten”, lautete ihr Fazit. Das mute man den Bewohnern nicht zu. Das Hermann-Josef habe zwar bei der letzten Überprüfung für den so genannten Transparenzbericht mit einer Gesamtnote von 1,3 abgeschnitten, doch seien die Bewertungen der Heimbewohner nicht in dieses Ergebnis eingeflossen

„Bei uns entscheiden die Bewohner selbst, was sie wollen”, erklärte Hönigs. Die Selbstbestimmung und die Menschenwürde dürften bei allen Bemühungen zur Vereinheitlichung der Pflege zu kurz kommen. Verwaltungsdirektor Wolfgang Salz kritisierte die zu niedrigen Pflegesätze. So werde für die Ernährung eine tägliche Summe von rund vier Euro veranschlagt. Die reiche aber nicht aus, wenn man Wert legt auf frische Lebensmittel. Gerade im Alter dürften die Menschen nicht zu Verwaltungsobjekten degradiert werden.