Aachen: Erste Erfolge bei der Suche nach den Tumorkillern

Aachen: Erste Erfolge bei der Suche nach den Tumorkillern

„Es hat sich viel bewegt in der Krebstherapie”, versichert Professor Dr. Ulf Neumann, Direktor der Chirurgischen Klinik im Uniklinikum Aachen. „So ist zum Beispiel die Überlebensrate bei Dickdarmkrebs, der bereits Metastasen in Lunge und Leber verursacht hat, deutlich gestiegen.

„Heute bestehen Aussichten auf Heilung.” Um „Neue Entwicklungen in der Krebstherapie” geht es beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 31. Januar, 18 Uhr, im Hörsaal 4 des Klinikums Aachen (Pauwelsstraße, der Eintritt ist frei).

Zusammen mit Neumann sind vom Uniklinikum dabei: die Professoren Dr. Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Onkologie, Hämatologie und Stammzellentransplantation und Gründer des Euregionalen Comprehensive Cancer Center Aachen (ECCA), Dr. Edgar Dahl, Institut für Pathologie, sowie Dr. Dorothee Guggenberger, niedergelassene Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie, Dr. Andrea Petermann-Meyer, Fachärztin für Psychotherapie und Psychoonkologin im ECCA, und Helga Ebel, Leiterin der Krebsberatungsstelle und Krebs-Selbsthilfekontaktstelle Aachen.

Veränderter Grundgedanke

Neue Medikamente können einen Tumor - etwa in der Niere oder in der Brust -, der zur operativen Entfernung zu groß ist, schrumpfen lassen und ihn damit operabel machen. Gute Erfahrungen gibt es bei der Leber, die sich sogar noch bei einem 80-prozentigen Substanzverlust regenerieren kann, wie Experten versichern.

Der Grundgedanke bei der Suche nach Krebstherapien hat sich gewandelt. „Früher ging man vom Organ aus, in dem die Erkrankung auftrat, heute gibt es vielfach bereits Erkenntnisse zur Zielstruktur, zum molekularen Schalter einer bösartigen Zelle”, weiß Brümmendorf. „Wenn wir einen Weg finden, solch einen Zelltyp daran zu hindern, sich zu vermehren, ist das nicht auf ein einziges Organ, etwa Lunge, Leber oder Magen, beschränkt.”

Eine personalisierte Medizin ist daher fieberhaft auf der Suche nach maßgeschneiderten Tumorkillern. Und in ersten Bereichen ist man bereits fündig geworden. „Bestimmte Gene sind bei einer Krebserkrankung verändert”, weiß Edgar Dahl. Die medikamentöse Hemmung des überaktivierten EGF(Epidermal Growth Factor)-Rezeptors (Wachstumsfaktor) in der Zelle hat sich bei zahlreichen Tumoren als wirksamer Therapieansatz erwiesen. Der Pathologe und Molekularbiologe Dahl ist den Tumorzellen und deren Mechanismen intensiv auf der Spur. „Eine Krebszelle will alles eliminieren, was ihr Wachstum hindert. Was ihr allerdings nützt, behält sie, und das ist ihre Achillesferse, unsere Chance, sie zu bekämpfen”, erklärt er. So hofft man auf weitere Präparate, die etwa beim Darmkrebs durch eine Neutralisation des Proteins, das Prozesse im Zellinneren auslöst, dafür sorgen, dass die Signale von Wachstumsfaktoren nicht mehr weitergeleitet werden.

Steht die Diagnose „Krebs” fest, bricht für viele Menschen eine Welt zusammen. „Aufgrund neuer Behandlungswege müssen wir längst lernen, mit solch einer Erkrankung zu leben, das ist eine psychische Herausforderung”, so Andrea Petermann-Meyer, die als Psychoonkologin die vielschichtigen Ängste der Betroffenen sehr gut kennt. „Oft ist es ein Gefühl der Schuld und die Frage, ob der Krebs eine Bestrafung für Fehler in der bisherigen Lebensführung ist, was sich quälerisch auswirkt.”

Was sie erreichen möchte, ist die „Ich-Stärkung” beim Patienten, der sich Krankheit und Behandlern ausgeliefert fühlt. Etwa ein Drittel der Betroffenen nimmt diese Unterstützung an. „Jeder braucht nach unseren Erfahrungen andere Strategien.”

Bereits vor Therapiebeginn ist die Krebsberatungsstelle ansprechbar - etwa wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen: „Wir liefern Orientierungshilfen, informieren über Rechte und Möglichkeiten bis hin zum Umgang mit den Institutionen”, berichtet Helga Ebel.

Gut betreute Nachsorge

Und nach der Operation? „Wichtig ist für jeden Krebspatienten die Nachsorge durch den Onkologen”, betont Dorothee Guggenberger. „Mit Einbeziehen der Tumorkonferenz legt man diese Therapie fest.” Entscheidend für den Verlauf ist es hier, dass die Behandlung zeitnah stattfindet. „Innerhalb von vier Wochen muss sie beginnen.” Nebenwirkungen bleiben weiterhin üble Begleiter des Patienten: „Treten Fieber oder anhaltende Durchfälle auf, sind das Alarmzeichen, das kann gefährlich werden”, weist die Fachärztin auf Situationen hin, die nicht mehr zu den normalen Reaktionen gehören. „Es ist wichtig, Patienten unter anderem mit der Nummer eines Notfallhandys zu versorgen, damit sie sich stets melden können.” Nur so ist eine erfolgreiche onkologische Therapie möglich, die zumindest die Lebensqualität erhöhen kann. Mehr zum Thema in unserer Veranstaltung. Fragen sind erwünscht.

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