Waldfeucht: Er gibt der Waldfeuchter Heimatgeschichte eine Zukunft

Waldfeucht: Er gibt der Waldfeuchter Heimatgeschichte eine Zukunft

Die Auszeichnung wird nur behutsam verteilt, ihr Empfänger muss Außergewöhnliches für Pflege und Erhalt des rheinischen Kulturgutes geleistet haben. Helmut Windeck gehört seit Donnerstag zum erlauchten Kreis derer, die im Besitz eines Rheinlandtalers sind.

Der 80-jährige Waldfeuchter erhielt aus der Hand von Lorenz Bahr, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Rheinland, das seltene Stück.

„Herr Windeck hat 1986 den Historischen Verein Waldfeucht mitgegründet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Heimatgeschichte zu erforschen und durch Veranstaltungen, Führungen sowie Exkursionen lebendig zu vermitteln”, markierte Bahr bei der Feier im Ratssaal des Waldfeuchter Rathauses das Wirken des zu Ehrenden. Als Vereinsvorstand hat Windeck maßgeblich das Heimatmuseum „Gerhard-Tholen-Stube” mit aufgebaut. Vor allem der Initiative des gelernten Schreiners ist es zu verdanken, dass eine bedeutende Sammlung historischer Möbel und Werkzeuge sowie archäologische Fundstücke im Museum an der Brabanter Straße zu besichtigen sind. Von besonderem Interesse sind die Steinzeitsammlung „Gerhard Tholen”, die Bildhauerwerkstatt Wolks aus dem 19. Jahrhundert und eine Spielzeugkollektion. Letztere hob Bahr hervor: „Vergleichbares haben die Freilichtmuseen in Grefrath und Kommern zu bieten.” Ein Sammlerehepaar hatte dem Museum wertvolle Käthe-Kruse- und Schildkröten-Puppen sowie Blechspielzeuge gestiftet.

Auch das Archiv des Museums geht auf die Bemühungen Windecks zurück, es umfasst über 2000 heimatgeschichtliche Bücher und historische Dokumente. „Mit viel Engagement gewährleisten die Vereinsmitglieder den Betrieb des Heimatmuseums und bieten Gruppen, etwa Schulklassen, Führungen an. Besucher aus Belgien und den Niederlanden kommen regelmäßig. Dass die Grenze für die Waldfeuchter Kulturschaffenden keine Hürde ist, beweisen rege Kontakte zu den zahlreichen Vereinen in den Nachbarländern.”

Das Medaillon des Rheinlandtalers zeige, so Bahr, das Gesicht der griechischen Sagengestalt Medusa. „Ihr Bildnis hat nach antiker Vorstellung eine schützende Funktion. In diesem Sinne möchte der Landschaftsverband Rheinland auch Sie als Schützer auszeichnen - als Schützer rheinischen Kulturgutes”, würdigte der Mann vom Landschaftsverband den Waldfeuchter. Der herausragende Stellenwert des Talers sei daran zu erkennen, dass nur ausgesuchte Personen zum Adressatenkreis gehören - Bahr: „Daher ist der Rheinlandtaler nicht inflationär.”

Auch Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen unterstrich die große Bedeutung des „bürgerschaftlichen Engagements” für die 9000 Einwohner starke Gemeinde. „Wir freuen uns deshalb sehr, dass Herr Windeck für sein Lebenswerk diese besondere Auszeichnung erhält.”

Landrat Stephan Pusch, der die Glückwünsche des Kreises Heinsberg überbrachte, bezeichnete Windeck als „einen Botschafter der Heimatgeschichte”. Er sprach von einer „Win-win-Situation”, von der alle, Ausgezeichneter, Gemeinde und Kreis, gleichermaßen profitieren. „Möge mit dem Rheinlandtaler ein Signal für andere Bürger ausgehen, sich ebenfalls mit Kultur und Brauchtum der Region zu beschäftigen”, erklärte Pusch.

Helmut Windeck bedankte sich im Anschluss bei allen, die ihm dieses Engagement - sei es organisatorisch oder finanziell - ermöglicht haben. In seinen Dank schloss er auch all die Bürger ein, die dem Museum die Exponate geschenkt oder zur Verfügung gestellt haben.

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