Kreis Düren: Energie-Gesprächsrunde: Konzentration auf die Eckpfeiler im Indeland

Kreis Düren: Energie-Gesprächsrunde: Konzentration auf die Eckpfeiler im Indeland

Wenn der Tagebau Inden Anfang der 2030er Jahre ausgekohlt ist, heißt es für die Stadt Düren wohl „hinten anstellen“, wenn es um Gelder von RWE zur Gestaltung der Folgelandschaft geht.

„Das heißt nicht, dass wir nicht mehr mit Düren sprechen“, sagte Michael Eyll-Vetter, der Leiter Bergbauplanung RWE, beim 1. Indeland-Energiegespräch im Restaurant am Indemann.

Sie sprachen über die Zukunft im Indeland: (v.l.) Stephan Baldin (Stiftung Kathy Beys), Anke Schwede (IHK), Jens Bröker (Indeland), Michael Eyll-Vetter (RWE) und Rudi Bertam (Bürgermeister Eschweiler).

„Aber wir bauen uns sicher keine Konkurrenz zum Indeland auf“, führte Eyll-Vetter aus. Eben diesem Indeland, dem Zusammenschluss des Kreises Düren, der Städte Eschweiler, Jülich und Linnich, der Gemeinden Langerwehe, Inden, Niederzier und Aldenhoven, hat Düren jetzt nach jahrelangen Gesprächen einen Korb gegeben. Düren tritt dem Indeland nicht bei. RWE als Verursacher ist der wichtigste Geldgeber beim Gestalten der Tagebaufolgelandschaft. „Das mit dem Indeland, das ziehen wir durch“, machte Eyll-Vetter deutlich, wo die Priorität des Konzerns liege.

Im Gespräch mit unserem Redakteur Patrick Nowicki, der die Runde moderierte, drückte Indeland-Geschäftsführer Jens Bröker seine Verwunderung über die Dürener Entscheidung aus. „Wir haben nach den erfolgreichen Gesprächen nicht damit gerechnet, alle Zeichen deuteten auf ein anderes Ergebnis hin. Aber wir respektieren die Entscheidung.“ Nach wie vor sei er der Überzeugung, dass die interkommunale Zusammenarbeit im Indeland der Schlüssel zum Erfolg sei.

Das habe Düren seiner Meinung nach schon zu spüren bekommen, als die Stadt mit der Bezirksregierung über die Pläne für ein ursprünglich mit der Gemeinde Langerwehe geplantes Gewerbegebiet gesprochen habe. „Diese Pläne konnte sie sich wieder unter den Arm klemmen und abrücken.“ Auf der anderen Seite zählte er die großen Projekte auf, die im Indeland mit Priorität angegangen werden sollen.

Für das Drehkreuz Weisweiler am Standort des Kraftwerks nehmen das Land und die Kommunen 500.000 Euro in die Hand, um zu untersuchen, was möglich ist. Weitere Eckpfeiler seien das interkommunale Gewerbegebiet Merscher Höhe, bei dem Jülich, Titz und Niederzier gemeinsame Sachen machen, die Flächen rund um das Aldenhoven Testing Center und das erwähnte Langerweher Gewerbegebiet, das die Gemeinde jetzt — so der Stand in Langerwehe — alleine entwickeln will.

Eschweiler bleibt damit die größte Indeland-Kommune, auch wenn die Stadt laut Bürgermeister Rudi Bertram als einzige Kommune, die nicht im Kreis Düren liegt, eine Art „Exot“ sei. Bertram formulierte sein wichtigstes Ziel für die Arbeit an der Tagebaunachfolgelandschaft: „Die Arbeitsplätze, die bis 2030 wegfallen, will ich alle ersetzt haben“, sagte er. Ein erster Erfolg deute sich im Gewerbegebiet Grachtweg an, einer RWE-Fläche, bei der Eschweiler und Inden kooperieren. Dort stünden Flächen kurz vor der Vermarktung. Auch hier äußerte er konkrete Vorstellungen. „Wir legen Wert darauf, dass dort nicht große Hallen entstehen, die aber nur wenige Arbeitsplätze mit sich bringen.“ Eyll-Vetter legte auf Nachfrage aus dem Publikum zum Stand der Vermarktung am Grachtweg nach. „Die Nachfrage ist da. Ich denke, dass da noch in diesem Jahr etwas konkret werden wird.“

Auf die Frage aus dem Publikum, wie lange RWE das Projekt Indesee begleiten werde, antwortete Eyll-Vetter, dass der Konzern der Eigentümer sei. „Wir sind in der Pflicht, das Projekt zu begleiten, bis sich ein anderer Träger findet.“ Das bedeute auch eine Verantwortung über das abgeschlossene Verfüllen des Sees hinaus. Bröker fügte hinzu, dass „wir RWE auch nicht flüchten lassen. Sie sind diejenigen, die hier verdient haben. Sie sind in der Pflicht“.

Nicht nur Bratwürstchen

Auf die Frage, wie die meist finanzschwachen Kommunen aus dem Indeland die Investitionen in die Zeit nach dem Tagebau stemmen sollen, antwortete Stephan Baldin von der Aachener Stiftung Kathy Beys, dass es wichtiger sei, strategisch zu denken, statt ausschließlich das Geld im Blick zu haben. „Beim Indesee sollte man nicht nur daran denken, wie viele Bratwürstchen man später am Strand verkaufen kann. Man muss im Blick haben, dass der See eine ganz andere Dimension bedeutet, die sich entwickeln muss.“ An vielen kleinen Dingen müsse gearbeitet werden. Die Stiftung sei Indeland-Partner, um die Ideen wie einen ressourcenschonenden Hausbau zu fördern. „70 Prozent aller Energie, die ein Haus insgesamt verbraucht, geht in den Bau“, sagte Baldin. Hier gebe es große Potenziale, deswegen fördere die Stiftung den Bau sogenannter Faktor X-Häuser im Indeland.

Anke Schweda von der Industrie- und Handelskammer Aachen sprach davon, dass herausragende Forschungseinrichtungen in der Region wie die RWTH und die FH Aachen oder das Forschungszentrum Jülich nur möglich geworden seien, weil das Geld dafür in der Wirtschaft verdient worden sei. Und das Thema Energie sei ein wesentlicher Teil. „Wir dürfen diese Wertschöpfungskette mit der Energiewende nicht abschneiden“, sagte sie, bemängelte aber gleichzeitig, wie lange es derzeit dauere, bis die in der Forschung gewonnenen Erkenntnisse zur Energiewende in der Industrie umgesetzt werden. „Wir hier können Strukturwandel. Wir brauchen die Arbeitsplätze. Damit das klappt, brauchen wir RWE, das Indeland und die vielen schlauen Köpfe in unserer Region.“