Erkelenz: Eine-Welt-AG: Vom behüteten Heim raus in die Problemzonen

Erkelenz: Eine-Welt-AG: Vom behüteten Heim raus in die Problemzonen

Auch in diesem Jahr brechen wieder frisch gebackene Abiturienten vom Cusanus aus in die Welt auf und wagen den Blick über den Tellerrand, um ein Jahr lang ehrenamtlich für Hilfsprojekte der Eine-Welt-AG zu arbeiten. Nach 13 Jahren Schule und Theorie wollen die Freiwilligen ein Jahr lang vor Ort helfen und sich getreu dem Motto „Ein Jahr für den Frieden” engagieren.

Diesmal werden sieben junge Erwachsene in verschiedenen Projekten arbeiten. Da die Zahl der Interessenten so hoch war, konnten die AG-Leiter Bruno Bürger und Frank Joußen auch auf Auslandsprojekte zurückgreifen, die von anderen Hilfsorganisationen organisiert werden.

Dazu gehören Pax Christi, der Eine-Welt-Laden in Hückelhoven und der Soziale Dienst für Frieden und Versöhnung (SDFV) sowie die Hilfsorganisation Bolivien-Brücke.

Nach Brasilien, Bolivien, Indien, Chile und an die polnische Ostgrenze führen die Einsätze die jungen Helfer. Sicherlich sei auch Abenteuerlust ein Beweggrund. Doch bei allen sei Verantwortungsbewusstsein und das Bedürfnis, zu helfen ausschlaggebend gewesen, um sich für den Auslandsaufenthalt zu bewerben.

„Das hat mit Dritte-Welt-Tourismus nichts zu tun”, betont er. Vielmehr sei es wichtig, dass die jungen Helfer an ihren Einsatzorten mit den Menschen zusammenleben, um auch deren Erfahrungswelt zu verstehen.

„Natürlich wissen wir, dass wir die Welt nicht ändern können”, betont Sarah Kortenhaus, die im indischen Tiruvuru mit Straßenkindern arbeiten wird. Trotzdem ist sie sich sicher, dass sie viel bewegen kann. Das Projekt in Indien gehört neben dem im brasilianischen Salvador zu den Ur-Projekten der Eine-Welt-AG.

In die bolivianische Hauptstadt Sucre und auf rund 2800 Meter Höhe zieht es Stephanie Linke und Valerie Klöpper. Dort werden sie für das deutsch-bolivianische Kulturinstitut arbeiten und sich unter anderem für ein Umweltmuseum und Straßenkinder einsetzen.

Nach Polen zieht es Leonhard Laube, der dort als Zivildienstleistender in einem Kinderheim arbeiten wird. Zuvor jedoch muss er in einem Intensivkurs in Warschau Grundkenntnisse in der polnischen Sprache erlangen.

Bei Maike Sieben gehört das soziale Engagement in Chile zur Familientradition, denn sowohl ihre beiden älteren Geschwister als auch die Mutter waren schon ehrenamtlich in Chile im Einsatz. Das Internat, in dem sie dort arbeiten wird, wurde 1976 unter anderem von Pater Vinzenz Gottschalk gegründet, der früher in Erkelenz gearbeitet hat.

Im brasilianischen Salvador werden Amlie Pomon und Louisa Fricke zum Einsatz kommen. Im Armenviertel der Stadt wollen sie in einer medizinischen Station und in einer Vorschule arbeiten. Beide Projekte werden seit Jahren aktiv von der AG des Cusanus unterstützt.

Die Eine-Welt-AG am Cusanus wurde vor 30 Jahren von Bruno Bürger gegründet. Keimzelle war der Eine-Welt-Laden mit fair gehandelten Produkten aus der Dritten Welt. Der Laden wird heute von der Unterstufen-AG betrieben.

Die AG der Mittelstufe hat rund zwölf, die der Oberstufe rund 30 Mitglieder. Daher machen sich Bürger und Joußen auch um den Nachwuchs keine Sorgen. Vielmehr sei die Mitarbeit in der AG oftmals schon eine Art Familientradition, waren doch die Eltern einiger heutiger Mitglieder doch als Schüler selbst in der Eine-Welt-AG aktiv. Somit gehören das soziale Engagement und der internationale Friedensdienst zum Profil des Cusanus.

Die beruflichen Ziele der Abiturienten reichen von Sozialarbeit und Pädagogik bis hin zum Medizinstudium. Doch das steht noch in den Sternen.„Ich bin gespannt, wie sich diese Zeit auf mein Leben und meine Berufswahl auswirken wird”, erklärte die 19-jährige Sarah Kortenhaus.

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