Kreis Heinsberg: Eine „Knutschkugel“ als schönster Oldtimer im Feld

Kreis Heinsberg: Eine „Knutschkugel“ als schönster Oldtimer im Feld

Unter den 99 Oldtimern, die bei der 18. Internationalen Grenzland-Ausfahrt an den Start gerollt waren, gab es viele sehenswerte Fahrzeuge. So hatte die Jury beim Concours d‘Élégance die Qual der Wahl. Schließlich durfte sich ein stolzer BMW-Isetta-Besitzer aus der Start- und Ziel-Stadt ­Erkelenz über die von unserer Zeitung ­gestiftete Auszeichnung für das schönste Auto freuen: Heinz-Peter Dahmen.

Seine „Knutschkugel“ aus dem Jahr 1959, die sich seit 2013 im Familienbesitz befindet, heimste viel ­Applaus ein. Das Familienglück wurde noch gesteigert durch die Tatsache, dass Dahmens Ehefrau Monika und Tochter Daniela — in einem Fiat 500 D aus dem Jahr 1963 unterwegs — bei dieser Ausfahrt als Drittplatzierte ihrer Klasse in den Pokalrängen gelandet waren.

Schmucke Fahrzeuge der Marke Glas — davon alleine drei im Besitz von ­Ulrich vom Scheidt aus Wegberg — wurden in Erkelenz vorgestellt.

Sonderpokale wurden traditionell an den ältesten und an den jüngsten Fahrer im Feld verliehen. Da wurde deutlich, wie sehr das Hobby Oldtimer doch Generationen verbindet: Der 83-jährige Hermann-Josef Bongartz aus Mönchengladbach lenkte als erfahrener Routinier einen BMW 327 aus dem Jahr 1938 über die Strecke, während der 19-jährige Marc Kahle aus Wassenberg von seiner Premierenausfahrt am Steuer eines VW Käfer Cabrios aus dem Jahr 1971 einfach nur begeistert war.

Der Verein Tigerfeet trug mit seinen Boogie-Woogie-Tanzdarbietungen im Rahmenprogramm zum Gelingen der Oldtimer-Veranstaltung bei.

Fritz Schroeders aus Waldfeucht — der Veranstaltung schon seit vielen Jahren verbunden — war mit einem Mercedes-Benz 170 DA aus dem Jahr 1950 am Morgen auf dem Weg zum Start in Erkelenz, als ihn nahe Houverath eine Panne stoppte. Doch Familie Schroeders wäre nicht Familie Schroeders, wenn sie nicht eine Lösung gefunden hätte. So wurde kurzerhand ein Jaguar MK 10 aus dem Jahr 1964 aus der heimischen Garage geholt. Mit diesem „Ersatzfahrzeug“ konnte die Ausfahrt pannenfrei bestritten werden.

Immerhin 95 von 99 gestarteten Automobilen erreichten das Ziel — wenn auch ausgerechnet ein VW Käfer (der ja eigentlich läuft und läuft und läuft ...) über die Linie geschoben werden musste. Bei der Zielankunft freuten sich alle. ­Ohnehin war die Harmonie in den Fahrzeugen groß. An diesem Sonnentag hatte es offenbar nur wenig Grund zu Disputen gegeben — beispielsweise über die Frage, wer denn schuld war, wenn ein Team sich einmal verfahren hatte: er oder sie am Steuer, sie oder er ­navigierend auf dem Beifahrersitz? Um dieses Problem gar nicht erst entstehen zu lassen, hatten Hermann-Josef und Marita Gradissen aus Gangelt in ihrem Mercedes-Benz aus dem Jahr 1975 kurzfristig die Rollen getauscht: Sie lenkte, er lotste. Im Ziel strahlten beide.

Froh waren auch Sabine und Rolf Bohrer aus Erkelenz, dass sie mit einem VW Käfer Cabrio von 1974 heil die 130 Kilometer lange Tor durch den Kreis Heinsberg und das nördliche Dürener Kreisgebiet überstanden hatten. Ihr eigentlich gemeldetes, seit 25 Jahren gehegtes Käfer-Cabrio aus dem Jahr 1977 war vor Kurzem - vermutlich nach einem Leitungsdefekt - ein Raub der Flammen geworden.

Es gab auch einen sehr bewegenden Moment: als ein Opel Kadett B Coupé aus dem Jahr 1973 vorgestellt wurde. Dieser Wagen gehörte Harald Mehls aus Mönchengladbach, der wieder die Grenzland-Tour bestreiten wollte, doch im Juli war er im Alter von 59 Jahren plötzlich gestorben. Es war der Wunsch der Familie, dass der Kadett von Harald Mehls trotzdem in Erkelenz starten sollte. Sein Bruder Wilfried Mehls steuerte den Wagen — von Manfred Steffens als Beifahrer unterstützt — sicher ins Ziel. Und an Harald Mehls wurde mit Fotos erinnert, die an den Seitenscheiben des Opel Kadetts zu entdecken waren.

Auch wenn die Begeisterung rund um die 18. Internationale Grenzland-Ausfahrt sowohl bei den Teilnehmern wie auch bei den Zuschauern groß war und es viele lobende Worte gab: Die Frage, ob eine 19. Auflage folgen wird, ließ Organisator Winfried Peters von der Oldtimer-Interessengemeinschaft Grenzland angesichts der Differenzen mit dem Straßenverkehrsamt des Kreises Heinsberg im Genehmigungsverfahren erst einmal offen.

(red)
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