Josef Krott: Ein politisch geprägtes Leben und viele Jahre bei der Bahn

Josef Krott : Ein politisch geprägtes Leben und viele Jahre bei der Bahn

Joseph Krott, der am Montag sein 85. Lebensjahr vollendet, ist in seinem langen, vor allem politisch geprägten Leben schon mit vielen Attributen belegt worden.

Beschrieben wird er als rheinische Type, prinzipientreu, zuverlässig, manchmal kantig, gutmutig, diszipliniert, schlitzohrig, resolut, beharrlich, gut vernetzt und stets bestens informiert. Zudem wird „Mister Bauverein“, wie der frühere Eisenbahner zeitweise auch genannt wurde, ein Herz für die kleinen Leute attestiert.

Enge Beziehung zur Bahn

Die enge Beziehung zur Eisenbahn ist Joseph Krott praktisch in die Wiege gelegt worden. „Am zehnten Tag meines Lebens habe ich die erste Bahnfahrt gemacht“, sagt der langjährige Kommunalpolitiker, der sich zwar als Ur-Jülicher fühlt, jedoch am 15. April 1934 im Eschweiler Krankenhaus zur Welt kam. Die Eltern, die beide aus der Indestadt stammten, waren zwar schon 1919 in die Herzogstadt umgezogen, doch kehrte Mutter Krott für die Entbindung in ihre Heimat zurück, so dass es wenige Tage später zu besagter Zugfahrt kam.

Joseph Krott war zehn Jahre alt und er hielt sich mit seiner Mutter gerade in Pattern auf, als die britische Luftwaffe Jülich dem Erdboden gleichmachte. Sein Vater habe sagenhaftes Glück gehabt, erinnert er sich an den Untergang des alten Jülichs. Zwei Tage später sei die Familie in Evakuierung gekommen. „Ich sehe noch die evangelische Kirche brennen“, sind seine letzten Erinnerungen. Das Ziel war Meiningen in Thüringen, wohin das Reichsbahnausbesserungswerk, wo sein Vater arbeitete, verlegt worden war. Dort befindet sich heute das einzige Dampflokwerk Europas. Bis zur Rückkehr im Februar 1946 hat der junge Joseph in Meiningen die Schule besucht und dort sogar Russisch gelernt. „Davon ist nichts mehr übrig“, erinnert sich Krott an den Abzug der US-Truppen im Juni 1945, als die Rote Armee nachrückte.

43 Dienstjahre bei der Bahn

Zurück in der Heimat kam Familie Krott zunächst bei Verwandten in Eschweiler unter, während Joseph schon mit dem Zug zur Schule nach Jülich pendelte. Nach dem Abschluss folgte von 1950 bis 53 eine Schlosserlehre im Ausbesserungswerk der Bahn, bevor er die Lokführer-Laufbahn einschlug und in Stolberg und später im Bahnbetriebswerk Düren tätig war. 1993 endete Krotts 43-jährige Dienstzeit bei der Bundesbahn just zu dem Zeitpunkt, als die Dürener Kreisbahn die Strecken nach Jülich und Heimbach übernahm.

Zu der Zeit war der Pensionär längst mittendrin im kommunalpolitischen Geschäft, das 1965 seinen Anfang nahm, als Krott in den Sportausschuss der Stadt Jülich rückte. Fünf Jahre später gelangte das CDU-Mitglied über die Reserveliste in den Jülicher Stadtrat, der seinerzeit die letzte Legislaturperiode vor der kommunalen Neugliederung absolvierte. Bis 1998 sollte Joseph Krott dem Kommunalparlament angehören, davon zehn Jahre als 1. Stellvertretender Bürgermeister von Heinz Schmid (SPD) und Heinrich Stommel, doch zeitweise parallel gehörte er von 1987 bis 2015 dem Kreistag des Kreises Düren an, wo er fünf Jahre als Stellvertreter von Manfred Lucas (SPD) fungierte. „Das hat nur geklappt, weil die Familie mitgezogen hat“, dankt Joseph Krott insbesondere seiner Ehefrau Gisela, die ihm in turbulenten Zeiten den Rücken freihielt.

Der Sohn ist nach 15 Jahren in den USA unlängst wieder nach Jülich zurückgekehrt, während die Tochter ihr Lebensglück in Österreich gefunden hat, das drei sportliche Enkel für Opa Joseph perfekt machen.

Zu all den politischen Aufgaben und Ämtern kamen weitere Herausforderungen hinzu, denen sich „Krotte Jupp“, wie er im Volksmund auch genannt wurde, stellte. Zuvörderst zu nennen ist hier der Bauverein, „der mir sehr am Herzen gelegen hat“, wie Krott bekennt. Insgesamt 31 Jahre hat er in Aufsichtsrat und Vorstand gewirkt, in denen er noch zu Lebzeiten das „Joseph-Krott-Haus“ eröffnen durfte. Entsprechend schade findet er, dass der soziale Wohnungsbau inzwischen fast zum Erliegen gekommen sei.

Sportlichen Ausgleich gesucht

Zum Ausgleich schwimmt das politische Urgestein, unternahm Radtouren quer durch Deutschland bis in die ehemalige DDR, hält sich fit mit der Wandergruppe von Grün-Weiß Welldorf-Güsten oder dem Eifelverein. Seit zwölf Jahren ist Krott zweimal wöchentlich im Fitness-Studio zu finden, ist passionierter Saunagänger und trifft sich seit 47 Jahren montags mit seinen Stammtischbrüdern.

Drei Dinge wünscht Josef Krott sich zum Geburtstag: Mit der Familie noch einige Jahre erleben, eine Renaissance des sozialen Wohnungsbaus und dass „der Bau eines Hospizes nicht vergessen wird. Die Caritas steht Gewehr bei Fuß.“