Hückelhoven-Doveren: Ein Mops mit Zylinder und Pferdestärken

Hückelhoven-Doveren: Ein Mops mit Zylinder und Pferdestärken

Zum mittlerweile 22. Mal trafen sich am Kühlerhof wieder Traktorenfreunde aus der gesamten Region, um historische Landmaschinen zu bewundern und in Aktion zu erleben.

Auf dem weitläufigen Gelände am Doverner Kühlerhof fühlte sich der Besucher zurück versetzt in „die gute alte Zeit”, als noch klangvolle Namen wie „Hanomag”, „Güldner” oder gar „Porsche” die Äcker beherrschten. Allen voran der „Lanz Bulldog”. Rund 350 der alten Traktoren waren zu bewundern und in Aktion zu erleben. Denn wer es wissen wollte, konnte die Kraft seines alten Schätzchens an rund 700 Kilo schweren Baumstämmen unter Beweis stellen oder gubbern.

„Gubbern” bezeichnet das Auflockern der obersten Erdschicht und gehört zum Fachvokabular beim Lanz Bulldog Verein West. Dabei kommen die Mitglieder aus allen sozialen und beruflichen Schichten, der gestandene Landwirt sei eher selten im Verein, wie der Vorsitzende Hans Holzweiler betonte. Langsam macht sich aber ein demografisches Problem im Verein bemerkbar. Viele der alten Landwirte, die die Arbeit an den teilweise historischen Maschinen noch von der Pieke auf gelernt haben, sind schon verstorben. Der gelernte Landmaschinenmechaniker aus Katzem und seine Mitstreiter sind daher immer daran interessiert, neue und vor allem junge Leute für das Hobby zu interessieren. Denn die Vorführungen der Landmaschinen bedürfen einiger Vorkenntnisse und Manpower. „Rund 80 Helfer sind während des Treffens im Einsatz, um die Maschinen vorzuführen”, erklärte Holzweiler.

Früher über 5000 Besucher

Mit rund 2500 bis 3000 Besuchern ist die Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, sehr stabil. „Als wir mit den Treffen angefangen haben, hatten wir oft über 5000 Besucher”, erläutert Pressewart Thomas Dautzenberg. „Doch heute gibt es viele Veranstaltungen dieser Art.” Trotzdem sei das Interesse immer noch groß.

Aber zurück zum „Bulldog”: Der 8er-Mops ist ein typischer Vertreter seiner Art. Und tatsächlich erinnert die Frontansicht ein wenig an die namensgleichen Hunde. Der „Mops” von 1921 verfügt über einen waagerecht laufenden Zylinder und leistet noch heute stolze acht Pferdestärken. Die von dem Landmaschinenhändler Eduard Lanz Anfang des vorigen Jahrhunderts entwickelten Landmaschinen setzten zu einem einzigartigen Siegeszug an. Der kam erst in den 50er-Jahren zum Erliegen und führte Anfang der 60er zur Übernahme durch die amerikanische Firma John Deer.

Oft noch bei der Arbeit zu sehen

Der Lanz und seine „Kollegen” haben nicht nur als begehrte Kultobjekte überlebt. Gerade im hiesigen raum kann man sie noch oft bei der Arbeit bewundern. „Eigentlich ist ein Lanz unverwüstlich”, ist sich Holzweiler sicher. Die ausgestellten Traktoren befinden sich ausschließlich im Privatbesitz.

Nicht ohne Stolz verweisen Holzweiler und seine Traktorenfreunde auf die eigene Sammlung von Maschinen und historischen Geräten, die der Verein seit den 80ern anlegen konnte. Sie ist in einer rund 1000 qm großen Halle im Kühlerhof untergebracht und nach Anmeldung zu besichtigen. Mit der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg besteht seit geraumer Zeit eine Kooperation. Einmal im Monat kommt die Technik-AG zur Halle und hilft bei der Restaurierung der Originalteile. „Es ist schön, den Kindern zu zeigen, dass man fast alles irgendwie auseinander genommen, repariert und wieder zusammengesetzt bekommt”, erklärt Holzweiler.

Seit rund zwei Jahren ziert ein Produkt dieser handwerklichen Arbeit auch das ehemalige Kloster Hohenbusch bei Erkelenz: Ein Pflug, der komplett restauriert und wieder im Originalzustand hergerichtet wurde.

Neben dem eigenen Treckertreff besuchen die Mitglieder des Vereins auch andere Veranstaltungen. Auf dem Hückelhovener Cityfest werden sie wieder mit ihren Maschinen zu sehen sein. Doch auch für außergewöhnliche Aktionen sind die Bulldogfreunde gut. Anfang Juni unternahmen sie mit zehn alten Traktoren eine Wallfahrt nach Kevelaer. Denn wenn alle Schrauberei an einem der Altertümchen nichts mehr bringt, ist Gottes Segen vielleicht die letzte Hoffnung.