Heinsberg: Ein harter Bruch: Der Weg von Karneval zu Ostern

Heinsberg: Ein harter Bruch: Der Weg von Karneval zu Ostern

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es in einem berühmten Lied von Jupp Schmitz, das die Karnevalisten im Rheinland bereits seit 1953 singen. Wie hart dieser Bruch ist vom bunten Karnevalstreiben, wie noch am Veilchendienstag in Waldenrath, hin zu Ruhe und Einkehr am Aschermittwoch, erlebten die Schüler des Heinsberger Kreisgymnasiums am Mittwochmorgen im Selfkantdom hoch oben auf dem Kirchberg auf ganz besondere Weise.

Als Jungfrau Reni im Dreigestirn des Heinsberger Karnevalsvereins, mit Kopfbedeckung und Spiegel als Insignien der närrischen Macht, kam Pfarrvikar René Mertens in den Schulgottesdienst, um beide dann auf dem Weg zum Altar wieder gegen sein priesterliches Gewand zu tauschen. Dabei stimmte er Schüler und Lehrer ein auf das, was er den „KO-Weg“ nennt, den Weg von Karneval zu Ostern.

Wichtig sei der Perspektivwechsel, so Mertens, der den Blick frei gebe für alles Wichtige, alles Wesentliche, für das Richtige. „Damit Raum bleibt für das, was uns mit Freude erfüllt“, betonte er. Die Asche zeige dem Menschen an diesem Tag das Vergängliche, in Form des Kreuzes auf die Stirn gezeichnet, aber auch einen neuen Weg, den Weg Richtung Ostern. Auf ein gutes Miteinander komme es dabei an und auf das Teilen von Werten wie Güte oder Respekt. Die Achtung der Freiheit des anderen Menschen ermögliche ein gut gelingendes Leben.

Sonntags ist keine Fastenzeit

40 Tage Fastenzeit stehen den katholischen Gläubigen jetzt bis zum Osterfest bevor, so die Lehre aus der Bibel. Jesu habe 40 Tage und Nächte in der Wüste gefastet, wo er den Versuchungen des Teufels widerstehen musste, heißt es im Matthäusevangelium (Mt, 4,2). Wer richtig rechnet bis zum Ostersonntag am 1. April, zählt aber 46 Tage. „Ja, das habe ich auch erst im Studium gelernt“, erzählt Mertens im Gespräch zum Aschermittwoch zusammen mit Propst Markus Bruns, der bis Veilchendienstag der Prinz war im geistlichen Dreigestirn, zusammen mit René Mertens als Jungfrau und dem evangelischen Pfarrer Martin Jordan als Bauer.

Deutlich spürbare Zäsur

Ursprünglich begann die kirchliche Fastenzeit tatsächlich am sechsten Sonntag vor Ostern. Papst Gregor der Große (590-604) verlegte den Anfang jedoch auf den vorangehenden Mittwoch. Seitdem sind die Sonntage tatsächlich vom Fasten komplett ausgenommen, was heute noch vielfach unbekannt ist. In früheren Zeiten wurden die Männer mit Asche bestreut, während den Frauen schon ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet wurde.

Seit dem zwölften Jahrhundert wird die Asche aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen. So halten es auch Bruns und Mertens in Heinsberg. Und sie schauen dabei ziemlich besorgt Richtung Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, an dem die neuen Palmzweige geweiht werden, die von den Gläubigen dann mit nach Hause genommen werden. Diese Palmzweige bestehen in unseren Gefilden aus Zweigen der Buchsbäume, von denen die meisten allerdings im vergangenen Jahr dem Buchsbaumzünsler zum Opfer gefallen sind.

„Ja, die Zäsur ist in diesem Jahr noch einmal viel deutlicher spürbar“, erklärt auch Bruns nach dem Ende der närrischen Regentschaft von drei Pfarrern in Heinsberg. „Es hat viel Spaß gemacht, und dass es so schön sein würde, hätte ich nicht gedacht.“ Er würde es gerne wieder tun, weil es so schön war. „Aber ich werde es nicht wieder tun. So etwas macht man einmal im Leben“, erklärt er.

Ein weit gefasster Begriff

Von jetzt an gehe es darum, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Das Lied von Silbermond über das leichte Gepäck findet Bruns da für die Fastenzeit sehr passend. Der Begriff des Fastens sei dabei heute viel breiter angelegt als früher. Das zeigt auch die lebendige Umfrage von zwei Schülern im Gottesdienst. Viele stehen auf, als es um die Frage geht, wer denn in der Fastenzeit auf Lebensmittel verzichten will, einige aber auch, weil sie in der Zeit vor Ostern die Zeit, die sie mit ihrem Handy oder anderen sozialen Medien beschäftigt sind, freiwillig einschränken wollen. „Es geht nicht darum, sich selbst zu knechten, sondern sich für etwas anderes frei zu machen“, betont Bruns.

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