Heinsberg: Ein Fest wie für das Poesiealbum

Heinsberg: Ein Fest wie für das Poesiealbum

Stadtfest 2012 in Heinsberg. Bürgermeister Wolfgang Dieder zitiert zur Eröffnung einen Amtskollegen: „Ist denn bei Euch eigentlich immer was los?” Dieder, Schirmherr des Festes, zum Bürgermeister aus einer der Nachbarkommunen, auf der Bühne auf dem Marktplatz unter einem strahlend blauen Himmel: „Heinsberg ist eine aktive Stadt. Und da ist eben immer was los.”

Irgendwie war die Stimmung bei der Eröffnung des Stadtfestes in Heinsberg ausgelassen. Die Sonne strahlte, die Menschen strahlten. Und es darf gehofft werden, dass auch die Geschäftsleute strahlten, denn schließlich ist der Gewerbe- und Verkehrsverein Heinsberg (G&V) Ausrichter des Events.

Kreativer Kopf beim G&V ist der Stadtmarketingbeauftragte Günter Kleinen, der fürs Programm verantwortlich zeichnete. Zwei Cops aus Los Angeles der 90er Jahre hatte er „einfliegen” lassen, samt waschechtem Polizeifahrzeug. Sergeant Murphy und Officer Parker waren der Hingucker bei der Eröffnung des Stadtfestes. Die Handykameras flutschten nur so aus den Hand- und Hemdtaschen. Da wollte jeder mal ein Bild mit den Cops fürs Poesiealbum.

Sergeant Murphy und Officer Parker verhaften rein hobbymäßig Bürgermeister und, wenn es mal pressiert, chauffieren sie selbigen noch schnell zum nächsten Termin beim Benefizturnier des TC Rot-Weiß Lieck. Das macht vor Ort schon Eindruck, wenn die Sirene des Chevrollets „Hühhühhüh”-oder so ähnlich aufheult und der Bürgermeister eskortiert von zwei Cops beim Tennisturnier aufkreuzt. Wenn sie nichts dergleichen zu tun haben, engagieren sich Antonia (Officer Parker) und Mike (Sergeant Murphy) Cremer im Club der American Drivers Heinsberg, ein Freundeskreis, der die Liebe für amerikanische Oldtimer teilt.

Peter Gering, Vorsitzender des G&V Heinsberg, war nicht so vermessen zu behaupten, er habe das tolle Wetter zum Stadtfest bestellt, aber er wünschte allen Besuchern zwei schöne Tage in Heinsberg. Einen schönen Scheck gab es für Willi Engels: „Da bin ich aber jetzt platt.” Willi Engels ist Vorsitzender des Vereins „Jugend aktiv” und durfte sich über 1125 Euro freuen, die sein Verein für ein integratives Abenteuersport-Wochenende für Kinder aus Heinsberg und Umgebung in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt Heinsberg, Wolfgang Paulus, verwenden wird. Willi Engels: „Aber, wenn ich diese Summe sehe, werden es wohl zwei Wochenenden werden.” Standgebühren aus dem Kinderflohmarkt des G&V und ein Obendrauf der G&V-Mitglieder hatten die Spende ermöglicht.

Das Stadtfest hatte einiges zu bieten zwischen kulinarischen und optischen Genüssen. Die jungen Turner vom TuS Porselen, die Vereinslandschaft der Stadt Heinsberg ist stets mit einbezogen ins Stadtfest, präsentierten auf der Tumblingbahn - die Matten, die man aus der Turnhalle kennt, aber extra abgefedert, und auf einem Trampolin - ihr Können, das ihnen die Gruppenleiter René Puttin und Franz-Josef Jakobs beigebracht hatten. Die Square-Dance-Gruppe Silver Wings aus Kempen zeigte, was sie in 29 Jahren gelernt hat. 2013 feiert sie ihr 30jähriges Bestehen.

Ein Highlight für alle Jungs, die noch keinen Führerschein für einen GTI besitzen, war die Carrerarennbahn des Slotcar-Clubs Ruhr aus Essen. Wolfgang Müller und Dirk Bockholt hatten die Mühe nicht gescheut, die Formel-1-verdächtige Holzbahn nach Heinsberg zu karren. Wer die drei Meisterrunden absolvierte, bekam Freikarten fürs Kino, und die Hälfte der Einnahmen von zwei Stadtfesttagen ging an die Kinderkrebshilfe Ophoven.

Am Samstagsabend gab es ein fantastisches Musikprogramm bei freiem Eintritt auf der Bühne vor vollem Haus auf dem Marktplatz mit Los Barstardos, drei „durchgeknallten Cowboys” mit einer hinreißenden Bühnenshow zwischen ZZ Top und Bonanza, dem erst 14 Jahre alten, hochtalentierten Blues-Gitarristen Guy Smeets, aus Herten bei Roermond und seiner Band Generation Guy, sowie Rock Generations mit tollen Sängern, die Rockklassiker der letzten Jahrzehnte wiedererweckten. Fast der gesamte Vorstand des G&V feierte mit den begeisterten Besuchern bis in die Nacht.

Am verkaufsoffenen Sonntag, dem zweiten Stadtfesttag, boomte die Stadt und Schlag auf Schlag ging auf der Marktbühne die Post im Halbstundentakt ab. Der Heinsberger Sing-Songwriter Chris Friedrich stellte mit seinen Freunden Stücke seiner neuen Platte vor, das Quartett Karl Karneval, bislang ein kölscher Geheimtipp” sorgte ebenso für Stimmung auf dem Stadtfest wie die Elvis-Reinkarnation Wolly b. Goode und die niederländische Funk-Formation Fonkfish mit dem Gitarristen Marcel Jansen.

Unerwähnt blieb fast der E-Mobil-Fahrspaß eines Heinsberger Autohauses, der leckere Honig am Imkerstand und so Vieles mehr: ein buntes Programm unter strahlend blauem Himmel mit vielen, zufriedenen Besuchern.

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