Existenz des Arbeitslosen-Zentrums steht auf dem Spiel: Ein Drittel des Budgets ist in Gefahr

Existenz des Arbeitslosen-Zentrums steht auf dem Spiel : Ein Drittel des Budgets ist in Gefahr

Es ist fast wie ein Déjà-vu für Klaus Pentzlin, Vorsitzender des Vereins Arbeitslosen-Zentrum Düren: NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat vor, die Vorgaben für die Bereitstellung von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) derart zu ändern, dass die Arbeitslosen-Zentren in NRW sich hierfür nicht mehr bewerben können.

Damit fiele in Düren etwa ein Drittel des jährlichen Budgets der Einrichtung – nämlich 15.600 Euro – ersatzlos weg. Die Folge: Der Verein, der die Einrichtung betreibt, kann die in Teilzeit angestellte pädagogische Fachkraft – die Sozialpädagogin Elke Rothkegel – ab Januar 2021 nicht weiter beschäftigen. Und ob es dem Verein möglich sein wird, ein abgespecktes Angebot an nur noch drei Tagen in der Woche mit Hilfe von Ehrenamtlern zu stemmen, ist fraglich.

Schon 2008 hatte Laumann in verantwortlicher Position für die Schließung des Arbeitslosen-Zentrums in Düren gesorgt. Kurze Zeit später konnte die Einrichtung ihren Betrieb nach einem Regierungswechsel in Düsseldorf wieder aufnehmen. Pentzlin sieht politische Profilierung als Grund für diese Entscheidung: „Er will das rot-grüne Programm nicht fortsetzen, sondern lieber ein eigenes auflegen.“ Dabei hat der Minister offenbar nicht vor, die bestehende Infrastruktur zu nutzen. Vielmehr setzt Laumann thematisch auf den „Kampf gegen die ausbeuterische Beschäftigung“. Diesen sollen dann die Erwerbslosenberatungsstellen führen, die Arbeitslosenzentren könnten daran „angedockt“ werden, so die Vorstellung im Ministerium. Dass es beispielsweise in Düren genau anders herum funktioniert, die Beratungsstelle sich historisch betrachtet an das Zentrum angehängt hat, interessiert da nicht.

„Wir machen niedrigschwellige Angebote, das ist aber eine hochkomplexe Arbeit“, so schildern es Pentzlin und Elke Rothkegel. Das Arbeitslosen-Zentrum versuche, die Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen zu erhalten, einen geregelten Wochenablauf zu unterstützen, Einsamkeit zu lindern. „Wir bieten die Möglichkeit der Teilhabe und Dinge mitzugestalten, für Menschen, die sonst in der Gesellschaft nichts mehr zu sagen haben“, beschreibt Klaus Pentzlin. „Man holt die Leute da ab, wo sie sind“, erklärt Elke Rothkegel. Darüber hinaus bietet sie Hilfe bei Bewerbungen an, was häufig mehrere Stunden Arbeit bedeutet.

Für 2019 liegt noch kein Jahresbericht vor, die Zahlen von 2018 sehen wie folgt aus: Die Bewerbungshilfe nahmen 93 Besucher in Anspruch. Beratungsgespräche wurden mit 68 Personen geführt. Bei den offenen Treffs zählte der Verein 1388 Kontakte, bei weiteren Veranstaltungen waren es 438. Angebote wie individuelle Gespräche oder die offenen Treffs tragen maßgeblich zur Unterstützung, Aktivierung und letztlich zur Stabilisierung vieler Ratsuchender bei. „Ich mache mir allergrößte Sorgen“, gibt Klaus Pentzlin zu, dass er wenig Hoffnung für den Fortbestand der Einrichtung in ihrer jetzigen Form hat. Gleichwohl versuchen die Wohlfahrtsverbände sowie die Kirchen – beide bezuschussen das Arbeitslosen-Zentrum jeweils mit 12.000 Euro jährlich – auf Landesebene Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger zu nehmen. So sind im Februar und März Treffen mit Vertretern des NRW-Arbeitsministeriums in Düsseldorf und Aachen geplant.

Immerhin: Liesel Koschorreck (SPD), Vorsitzende des Sozialausschusses der Stadt Düren, sagt Unterstützung zu: „Die Mitglieder des Fachausschusses haben signalisiert , den Förderantrag des Arbeitslosenzentrums in Höhe von 3500 Euro bei den anstehenden Haushaltsberatungen zu unterstützen.“ Dieser Betrag allein, kann das Defizit nicht auffangen. Darüber hinaus gewährt die Stadt Düren einen Zuschuss in etwas geringerer Höhe seit vielen Jahren, er ist im Etat der Einrichtung also bereits einkalkuliert.

Klaus Pentzlin findet, dass im Bereich der Arbeitslosen viel zu viel „am offenen Herzen operiert“ werde, mit immer wieder neuen, zeitlich befristeten Projekten und Programmen. „Das hat nichts mit Stetigkeit und Nachhaltigkeit zu tun.“ Aufgeben will er nicht. Schließlich gibt es das Arbeitslosen-Zentrum Düren seit 35 Jahren. „Wir haben einen langen Atem gehabt und das Problem ist nicht beendet!“