Heinsberg: Ein Anruf im Fundbüro kann sich lohnen

Heinsberg: Ein Anruf im Fundbüro kann sich lohnen

Wenn es auffällt, ist es für jeden Betroffenen ein Schock. Meist fängt es mit einem leisen Verdacht an, wird dann aber schnell unangenehme Gewissheit. Die Geldbörse ist weg. Dort, wo sie sein sollte, ist sie nicht und auch an untypischen Plätzen findet sie sich nicht.

Und sofort fangen die fieberhaften Überlegungen an: Wo hat man zum letzten Mal bezahlt, wann hat man sie zum letzten Mal in der Hand gehabt? Wurde die Geldbörse gestohlen oder hat man sie irgendwo verloren?

Mit etwas Hoffnung greifen viele in so einem Fall zum Telefon und rufen im Fundbüro an, vielleicht hat man ja Glück und ein ehrlicher Finder hat die Geldbörse dort abgegeben.

Meldepflicht besteht

Unberechtigt ist die Hoffnung nicht, weiß Wolfgang Paulus. Der Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes ist zuständig für das Fundbüro, und er kennt die Heinsberger. „Die meisten sind ehrlich und melden, wenn sie etwas gefunden haben”, sagt er. Allerdings - das wissen viele gar nicht - besteht auch eine Meldepflicht. Das heißt, dass jeder, der etwas gefunden hat, dies auch angeben muss.

Vorwiegend sind es Schlüssel, Geldbörsen, Brillen und zunehmend Mobiltelefone, die im Fundbüro abgegeben werden. Dort wird jeder Eingang dokumentiert und auch der Name des Finders wird festgehalten. „Das Fundstück geht nämlich nach sechs Monaten in den Besitz des Finders über, wenn sich der eigentliche Besitzer nicht gemeldet hat und der Finder es haben möchte”, erklärt Wolfgang Paulus, der immer wieder erlebt, dass nach manchen Gegenständen offenbar gar nicht gesucht wird - Fahrräder etwa.

Davon gibt es einige im Fundbüro. Dort ist man dazu übergegangen, die Räder, die niemand mehr haben möchte oder die vom Bauhof eingesammelt wurden, für ein gemeinnütziges Arbeitsprojekt zu nutzen, wenn die sechs Monate verstrichen sind. Diese Räder werden wieder flott gemacht und an Menschen weiter gegeben, die an Arbeits- oder Umschulungsmaßnahmen teilnehmen und sich kein eigenes Fahrrad leisten können. „Das wird sehr gut angenommen”, sagt der Ordnungs- und Sozialamtsleiter. Früher seien die alten, kaputten Drahtesel auf dem Schrottplatz gelandet, was eigentlich viel zu schade gewesen sei.

Häufig würden die Finder allerdings bereits bei Abgabe des Fundstücks erklären, dass sie dieses gerne behalten möchten, wenn sich der Besitzer nicht meldet. Geschieht dies aber, hat der Finder zumindest Anspruch auf einen angemessenen Finderlohn.

Die Höhe ist gesetzlich geregelt und beträgt meist fünf Prozent. Bei Tieren sind es drei Prozent. Dass sich das Fundbüro überhaupt mit Tieren beschäftigt, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Doch natürlich laufen immer wieder Hunde oder Katzen von ihren Besitzern weg und werden irgendwo gefunden. Diese Tiere kommen selbstverständlich nicht ins Fundbüro, sondern ins Tierheim oder bleiben beim Finder, bis sich der Besitzer meldet oder ermittelt ist.

Dank der Tatsache, dass viele Hunde heutzutage gechipt seien, ließe sich der Besitzer in der Regel rasch ermitteln, sagt Wolfgang Paulus. Doch die Chippflicht besteht nicht für kleinere Hunde oder Katzen. Wenn sich da der Besitzer nicht selbst meldet, wird es schwieriger, diesen zu finden. Manchmal findet man ihn auch gar nicht. In solchen Fällen ist Wolfgang Paulus dann froh, dass sich manche Finder auch dazu bereit erklären, dem Tier für immer ein neues Zuhause zu geben, auch wenn das nicht gewöhnlich sei.

Doch Ungewöhnliches erleben Wolfgang Paulus und seine Kollegen immer wieder. Manchmal sind es die Fundstücke selbst, die einfach kurios sind. Ein noch eingepacktes Dessous-Set und ein Pferdeanhänger gehören bisher zu den merkwürdigsten Fällen. „Da waren wir schon überrascht”, erinnert sich Wolfgang Paulus, der es seinerseits allerdings auch manchmal schafft, zu überraschen. Denn hin und wieder rufen er oder seine Kollegen einen Betroffenen an, der noch gar nicht bemerkt hat, dass ihm etwas fehlt. „Da ist die Dankbarkeit meistens ganz besonders groß. Natürlich melden wir uns sofort, wenn eindeutig klar ist, wem das Fundstück gehört.”

Sieben Geldbörsen sind ohne Besitzer

Im Fundbüro der Stadt Heinsberg wurden folgende Gegenstände abgegeben: drei Damenfahrräder, vier Herrenfahrräder, sieben Geldbörsen, drei Damenhandtaschen, ein Sozialversicherungsausweis, ein Geldbetrag, eine Plastiktüte mit diversen Dekorationsartikeln, mehrere Schlüssel.

Wer etwas sucht oder etwas gefunden hat, kann sich bei Hubert Jakobs melden. Unter 02452/14166 weiß er, was sich derzeit im Fundus befindet. Das Ordnungs- und Sozialamt hat montags von 8 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Mittwochs bis freitags ist es von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Wolfgang Paulus empfiehlt Leuten, die etwas verloren haben, ruhig mehrfach im Fundbüro nachzufragen, ob sich der Gegenstand gefunden hat. Manchmal kann es etwas länger dauern, bis der Gegenstand dem Fundbüro überstellt ist.

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