Heinsberg: Eierlikör tritt seinen Siegeszug in Heinsberg an

Heinsberg: Eierlikör tritt seinen Siegeszug in Heinsberg an

Vor Festtagen schnellt der Umsatz bei Verpoorten traditionell in die Höhe, wird doch in vielen Familien zu Weihnachten besonders gerne mit einem Gläschen Eierlikör angestoßen.

In einem aus der Avocado-Frucht gewonnenen Getränk, das Kolonialfahrer im 17. Jahrhundert am Amazonas kennen lernten und später verfeinerten, liegt der Ursprung des Eierlikörs.

1876, als gerade Fertigsuppen, Milchschokolade, Waschpulver und das Telefon erfunden wurden, in jenem Jahr, als Konrad Adenauer geboren wurde und Richard Wagner den Bau des Bayreuther Opernhauses vollendete, wagte der Antwerpener Destillateur Eugen Verpoorten (1815 - 1888) in Heinsberg den entscheidenden unternehmerischen Schritt, dessen weitreichende Folgen heute noch genossen werden können. Er gründete eine „Liqueur Fabrik”.

Neben verschiedenen Spirituosen und Kräuterlikören wurde in Heinsberg eben auch Eierlikör produziert. Diese Spezialität aus Eidotter, in Verpoortens flämischer Heimat „Advocaat” genannt, wurde in Flaschen verkauft und auch fassweise an Großabnehmer verkauft.

Der Sohn des Gründers, Hubert Verpoorten, führte die Destillierie in Heinsberg mit Erfolg weiter. Produktions- und Beschäftigtenzahlen stiegen an. Und in der dritten Generation übernahm Willi Verpoorten, geboren 1890, den Betrieb. Er war es, der Firmensitz und Produktion nach Berlin verlagerte.

Willi Verpoorten hatte 1918 nach Rückkehr vom Kriegsdienst aus Frankreich im besetzten Rheinland nur wenig Chancen für einen Erfolg versprechenden Neubeginn gesehen, wie die Firmenchronik die Entscheidung zum Weggang aus Heinsberg erläutert.

In den 50er Jahren wurde Bonn Hauptsitz von Verpoorten. Viktor Verpoorten, 1922 in Berlin geboren, setzte in den Zeiten des Wirtschaftwunders auf massive Werbung. 1961 wurde der legendäre Slogan „Ei, Ei, Ei Verpoorten” kreiert, der mit der Musik des umgetexteten Schlagers „Ay, ay, ay Maria, Maria aus Bahia” zu einem Ohrwurm wurde.

Verpoorten avancierte zum größten Eierlikörproduzenten der Welt. Längst wird mit vollautomatischen Maschinen das vollzogen, worauf Verpoorten stets größten Wert gelegt hat: das Aufschlagen der Eier der Güteklasse A im eigenen Haus.

Während die bis heute unveränderte Rezeptur für den Eierlikör als Familiengeheimnis streng gehütet wird, ist das Rezept für die erfolgreiche Führung des Familienunternehmens in der Chronik offen nachzulesen: zeitiges Einführen der nächsten Generation in den Betrieb und Vertrauen der älteren Generation in Kraft und Ideen der jüngeren.

An der Spitze des Unternehmens setzt der gelernte Bankkaufmann William Verpoorten, seit 1987 Mitglied der Geschäftsleitung und seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter, auf den bewährten gelben Klassiker, aber auch auf Innovationen: Das Etikett wurde dezent verändert. Kreative Cocktail-Rezepte werden präsentiert.

Und rund um das Getränk wurde eine Produkt-Familie geschaffen, deren Palette von Pralinen über Eiscreme bis zu Schokobechern reicht, die samt Likörfüllung verzehrt werden. Die Flaute auf dem Spirituosenmarkt hat Verpoorten nicht gefährdet: Der Umsatz des größten Eierlikör-Herstellers der Welt (100 Mitarbeiter) liegt nach Unternehmensangaben stabil bei 50 Millionen Euro.

Täglich werden bis zu 130.000Flaschen abgefüllt und etikettiert. Exportiert wird Verpoorten-Eierlikör weltweit in 30 Länder.

In jede Flasche fließen jeweils elf Dotter von Eiern der Güteklasse A, die im eigenen Haus aufgeschlagen werden. Hinzu kommen Kristallraffinade, 20-prozentiger extra fein filtrierter Alkohol und sorgsam ausgewählte Zutaten.

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