Kirchberg: Eichhorn gibt Fuhrpark auf und lässt Boos expandieren

Kirchberg: Eichhorn gibt Fuhrpark auf und lässt Boos expandieren

Der Wellpappenhersteller Carl Eichhorn KG und die Boos Logistik GmbH im Jülicher Ortsteil Kirchberg sind seit acht Monaten quasi „verheiratet“. Ende Juli hatte Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn alle Geschäftsanteile des Speditions- und Logistikunternehmens übernommen, mit dem ohnehin eine enge Partnerschaft bestand.

Jetzt werden erste Synergieeffekte sichtbar, die — wenig überraschend — Auswirkungen auf einen Teil der Belegschaft haben. Eichhorn gibt an seinen Standorten in Jülich und Brechen seinen Fuhrpark auf und setzt künftig auf den logistischen Dienstleister Boos aus dem eigenen Haus.

Vier von insgesamt sieben Fahrern wechseln zum Logistiker, drei Fahrer (aus Brechen) haben sich dafür entschieden, künftig einen anderen Arbeitsplatz bei Eichhorn anzunehmen. Die Wechsler nehmen damit auch den Übergang in einen anderen Tarifvertrag in Kauf, der schlechter ist als der bisherige. Auch sie hatten die Möglichkeit, einen anderen Arbeitsplatz bei Eichhorn zu wählen, sagten Geschäftsführer Hellmuth Eichhorn und Technischer Leiter Martin Keirath am Donnerstag.

Thomas Fuck, Mitglied des Betriebsrates, bestätigte das: „Seit dem Sommer war ja klar, dass was kommt. Solche Entwicklungen lösen in einem Betriebsrat keine Begeisterung aus. Aber auch wir sind daran interessiert, Lösungen für alle zu finden.“ Neben der tariflichen Veränderung hätten die Kollegen, die zu Boos Logistik wechseln, zudem neue Arbeitszeiten, weil auch Rückfrachten anstehen. „Aber das alles ist sauber besprochen worden, und es gab mehrere Angebote“, sagte Fuck, der vom „bestmöglichen Kompromiss“ sprach. Hellmuth Eichhorn ergänzte: „Wir wollten nicht einfach die Autos abschaffen und die Leute entlassen. Ich bin ein Stück weit stolz, dass wir gemeinsam Lösungen für alle gefunden haben.“

Die Vorteile für die Unternehmen erklären sich schnell. Die Eichhorn-Lastzüge waren bisher im reinen Werksverkehr eingesetzt worden. In Spitzenzeiten gab es 35 davon, zuletzt aber nur sieben. Parole: voll hin, leer zurück. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ist das ein suboptimaler Zustand. Durch den Einsatz von Boos Logistik können nun auch Rückfrachten organisiert und damit teure Leerfahrten verhindert werden.

Eichhorn verliert mit dem Fuhrpark ein kostenträchtiges und defizitäres Segment. Der Geschäftsführer: „Wir haben Geld draufgelegt.“ Boos Logistik gewinnt nun garantierte Frachtmengen und die Möglichkeit der Auslastung bei Rückfahrten hinzu. Nicht nur das, auch die Belegschaft der Eichhorn-Tochter ist gewachsen. Im Sommer 2015 zählte der Dienstleister 25 Beschäftigte. In nun acht Monaten wurden sechs weitere Mitarbeiter eingestellt — die vier bald ehemaligen Eichhorn-Fahrer kommen dazu. Sie haben zwar weiter einen sicheren Arbeitsplatz, aber vom Synergieeffekt nicht profitiert.