Kreis Düren: Dürener Schulleiter hält die „Rückkehr zu G9 für eine enorme Zumutung“

Kreis Düren: Dürener Schulleiter hält die „Rückkehr zu G9 für eine enorme Zumutung“

Die Gymnasien haben die Wahl: Kehren sie zu G9 zurück oder bleiben sie bei G8? In der Stadt Düren zeichnet sich ab, dass die Schulen dem Regelfall folgen und das Abitur künftig wieder nach neun Jahren anbieten — genau wie die Gymnasien in Vossenack und Kreuzau.

Weil der Gesetzgebungsprozess aber erst am Anfang steht und die Schulkonferenzen erst auf Basis des Gesetzes entscheiden können, „dürfen die Schulen bis dahin keine rechtsverbindlichen Aussagen machen“, heißt es in einer Stellungnahme der Leiter der fünf Dürener Gymnasien.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilen sie auch mit: „Bei den Gesprächen innerhalb unserer Schulen mit den Lehrern sowie mit Eltern und Schülern zeigt sich, dass unsere Gymnasien in der Stadt Düren die als Regelfall vorgesehene Rückkehr zum Abitur nach neun Schuljahren insgesamt positiv aufgreifen und als Chance sehen. Das bietet den Eltern der Grundschulkinder eine gute Orientierung, da es in ihrer Entscheidung für ein Gymnasium damit vor allem um die Frage des jeweils bevorzugten Schulprofils geht.“ Außerdem schreiben sie: „Ganz sicher aber werden wir unsere seit Jahrzehnten bewährte Kooperation auf einer gemeinsamen, einheitlichen Basis weiterführen.“

Wäre es in einer Schulstadt nicht von Vorteil, wenn Kinder und Eltern die Wahl hätten, wenn also in der Stadt G8- und G9-Schulen angeboten würden? „Das wäre vor allem mit Blick auf die intensiven Kooperationen der Dürener Schulen sicherlich nicht so leicht umsetzbar“, sagt Bürgermeister und Schuldezernent Paul Larue (CDU). Auch er stellt in diesem Zusammenhang die Entscheidung für inhaltliche Schwerpunkte, etwa einen bilingualen Zweig in den Fokus. Dagmar Nietan, schulpolitische Sprecherin der SPD, meint: „Ich kann mir schwer vorstellen, dass es ein Gymnasium gibt, das bei G8 bleibt. Dazu ist die Konkurrenz der Schulen viel zu groß.“

Als Schulträger hat Larue auch noch ganz andere Sorgen. „Der Raumbedarf wird steigen, da wird die Stadt Geld in die Hand nehmen müssen. Und ich hoffe, dass es Unterstützung vom Land gibt“, sagt Larue. Schließlich hätte die Landespolitik die Entscheidung für G8 und deren Umkehr beschlossen. Beispiel Wirteltor-Gymnasium: Da der Raumbedarf mit der Umstellung auf G8 gesunken war, werden im „Haus Germscheid“ nun Integrationskurse angeboten. „Ich gehe davon aus, dass die Schule die Räume dann aber wieder brauchen wird“, sagt Larue.

Und welcher organisatorische Aufwand kommt auf die Schulen zu? „Physikalisch gesehen ist eine Ausdehnung einfacher als eine Schrumpfung“, kommentiert Dr. Claudia Fülling vom GaW. Das zusätzliche Jahr könne pädagogisch sinnvoll genutzt werden. Allerdings hätten alle Schulen mit großem Engagement das Beste aus G8 gemacht und es gut umgesetzt.

„Kein Qualitätsverlust“

Pater Peter Schorr, Leiter des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack, findet deutliche Worte: „Trotz meiner eher kritischen Sicht zu einer Rückkehr zu G9 wird das Franziskus-Gymnasium diesen Schritt tun. Der Schulträger wird die Rückkehr schon bald entscheiden.“ Dies ist bei den privaten Schulen möglich. Vor allem die Eltern, aber auch ein Großteil des Lehrerkollegiums, ergänzt Pater Peter, würden eine Rückkehr zu G9 befürworten. „Persönlich halte ich eine Rückkehr zu G9 für eine enorme Zumutung.

In die Umstellung auf G8 ist personell wie finanziell investiert worden, so dass eine Rückkehr kaum zu verantworten ist. Was geschieht eigentlich mit den Mensen, die eingerichtet worden sind?“ Diese würden nicht mehr gebraucht, weil der Nachmittagsunterricht wegfalle. G8 sei schlecht gestartet und von Anfang an schlecht geredet worden. Pater Peter Schorr: „Chancen wurden nicht erkannt und umgesetzt. Ich kann keinen Qualitätsverlust der Schüler im Vergleich zu G9 erkennen.“

Die Schulkonferenz des Gymnasiums Kreuzau wird frühestens im Sommer entscheiden, ob die Schule zu G9 zurückkehrt — nämlich dann, wenn die Änderung des Schulgesetzes beschlossen ist. Schulleiter Wolfgang Arnoldt: „Viele sehen auch bei uns in einer Rückkehr zu G9 die Chance einer Reduzierung von Belastungen. Ich hoffe, dass eine Rückkehr zu G9 wirklich neue Spielräume für die Schulen eröffnet.“

Ralf Bailly, Schulpflegschaftsvorsitzender des Burgau-Gymnasiums, würde sich ein offeneres Modell wünschen. „Die klassischen Klassenverbände sollten aufgelöst werden, damit die Schüler, die schneller lernen, dazu auch die Möglichkeit haben.“ Dr. Ralf Felter, Elternvertreter der Angela-Schule, ergänzt: „G8 hätte nie eingeführt werden dürfen. Es muss allen klar sein, dass eine Rückkehr zu G9 keine Rückkehr zu den guten alten Zeiten bedeutet. Wir werden wieder ein völlig neues Schulmodell erleben.“