Düren: Dürener Jobcom: Viele Fragezeichen nach mutmaßlichem Betrug

Düren: Dürener Jobcom: Viele Fragezeichen nach mutmaßlichem Betrug

Rund 250.000 Euro soll ein 59-jähriger Mitarbeiter der Dürener Jobcom in die eigene Tasche gewirtschaftet haben — er sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. „Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Ermittlungen“, erklärte am Freitag Staatsanwalt Dr. Georg Blank.

Dem Mann wird „gewerbsmäßige Untreue“ vorgeworfen. So soll er über einen Zeitraum von vier Jahren Gelder der Jobcom, die im Kreis Düren die Empfänger von Leistungen nach Hartz IV betreut, veruntreut haben. „Wir ermitteln erst seit wenigen Tagen. Es handelt sich um eine Vielzahl von Einzelvorgängen, die wir jetzt genau untersuchen müssen“, erklärte Blank, der den Fall als „hochgradig kompliziert“ einstuft. So könne er auch zur genauen Vorgehensweise, wie der 59-Jährige es geschafft hat, Zahlungen für Kunden der Jobcom vorzutäuschen, noch keine Angaben machen.

Aufgefallen ist die Veruntreuung durch den 59-Jährigen erst durch einen anderen Fall: Eine frühere Mitarbeiterin der Jobcom soll unabhängig von dem 59-Jährigen ebenfalls über mehrere Jahre hinweg Gelder veruntreut haben. Der Kreis Düren hatte hier von 40.000 Euro gesprochen.

Staatsanwalt Georg Blank: „Dieser zweite Fall war der Auslöser für eine Innenrevision beim Kreis Düren. Dabei ist man dann auf die Unregelmäßigkeiten im Fall des 59-Jährigen gestoßen.“ Die hätten einem Muster entsprochen, so Blank weiter. Dementsprechend müsse nun noch geprüft werden, ob es eventuell weitere Fälle gibt.

Dann könnte sich auch die Schadenssumme noch ändern. Blank: „Dabei werden wir auch prüfen, wohin das Geld geflossen ist und ob der Mitarbeiter dabei unterstützt wurde. Wir wollen umfassend aufklären.“ Unklar ist für die Staatsanwaltschaft Aachen derzeit noch das Motiv. „Wir wissen in beiden Fällen noch nicht, wofür das Geld verwendet wurde“, erklärt Georg Blank.

Ebenso unklar ist auch, ob der Kreis Düren das offenbar veruntreute Geld jemals wiedersieht und ob es noch vorhanden ist. „Wir müssen die Ermittlungen abwarten“, sagt Wolfgang Spelthahn. Der Landrat sagte am Freitag, er sei „ins Mark getroffen gewesen“, als ihm die Kunde des möglichen Betrugs übermittelt wurde. Der Mitarbeiter, der die 250.000 Euro veruntreut haben soll, war ihm gut bekannt. „Ich bin enttäuscht“, sagt Spelthahn.

Keine Details

Dass er mit dem Fall von sich aus in die Öffentlichkeit ging und eine Pressemeldung veranlasste, hält er deshalb für angezeigt, „da es sich um öffentliches Geld, also Steuergeld, handelt“. Die Menschen hätten ein Anrecht darauf zu erfahren, was passiert ist. Details zum genauen Tathergang kann Spelthahn aus ermittlungstechnischen Gründen nicht nennen. Dies sei mit der Staatsanwaltschaft abgesprochen. Nur so viel: Der Mann zeichne sich durch eine „hohe kriminelle Energie aus“, zudem durch „einen großen Einfallsreichtum“. Offenbar hat er über mehrere Jahre Rechnungen fingiert beziehungsweise manipuliert.

Die Jobcom verfügt im Jahr über ein Budget von 140 Millionen Euro. Die seit 2005 bestehende Behörde überweist einerseits Transferleistungen an Bedürftige, andererseits begleicht sie auch Rechnungen, wenn zum Beispiel Haushaltsgeräte in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, also Wohnungen, repariert oder angeschafft werden müssen.

Bei Summen, die unterhalb von 1500 Euro liegen und von der Jobcom bezahlt werden, findet eine Kontrolle durch einen Kollegen statt, geht es um mehr als 1500 Euro, muss ein Vorgesetzter mitzeichnen. Nach jetzigem Ermittlungsstand hat der Tatverdächtige Rechnungen fingiert, die unterhalb der 1500-Euro-Marke liegen. Aber das müsse noch ermittelt werden, sagt Spelthahn. Kunden der Jobcom seien nicht geschädigt worden.

Spelthahn kündigte am Freitag an, dass die Kontrollen innerhalb der Jobcom weiter verschärft würden. Dies will er auch als Signal verstanden wissen, „dass wir noch genau er hinsehen, um Straftaten zu verhindern“.