Städteregion Aachen: DRK wendet drohende Insolvenz ab

Städteregion Aachen: DRK wendet drohende Insolvenz ab

Der Kreisverband Städteregion des Deutschen Roten Kreuzes hat heikle Tage hinter sich gebracht. Seit 2010 schrieben der Verband und seine Gesellschaften rote Zahlen. Ab Ende 2013 war das Liquiditätsproblem so groß, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte. Der damalige Geschäftsführer Peter Timmermanns musste sein Amt räumen. Er wurde ersetzt durch Hans-Dieter Vosen, der zuvor bereits den DRK-Kreisverband Düren nach einer Insolvenz erfolgreich saniert hatte.

„Bei den Überlegungen, wie es weitergehen sollte, lag auch eine geordnete Insolvenz auf dem Tisch“, sagte Vosen am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch letztlich wurde ein anderer Weg gewählt.

Um jährlich sechsstellige Defizite im Kreisverband, beim Fahrdienst, im Rettungswesen und beim Betrieb eines Altenheimes in Stolberg zu vermeiden, haben Vosen und der heutige Präsident des Kreisverbandes, Ingo Kohnen, das DRK in der Städteregion komplett umgebaut. Mit einem vorläufig positivem Ergebnis: Kreisverband, Rettungs- und Fahrdienst schreiben wieder schwarze Zahlen. „Ab dem 1. Juli können wir auch die Gläubiger wieder ordnungsgemäß bedienen, bei denen wir unsere Verbindlichkeiten stunden konnten“, sagt Vosen.

Vor allem das DRK-Altenheim an der Kupfermühle in Stolberg drohte zum Sargnagel des Kreisverbandes zu werden. In knapp 15 Jahren Betriebszeit brockte das Heim dem DRK ein 2,2 Millionen Euro teures Defizit ein. Selbstverschuldet: Vosen räumte schon vor einem Jahr ein, dass die Konditionen zu denen man die Stolberger Immobilie gepachtet hatte, so schlecht seien, dass das Heim selbst bei Vollbelegung nicht wirtschaftlich zu betreiben sei. Der dringend notwendige Versuch, das Heim zu schließen, ohne gegen gültige Pachtbestimmungen zu verstoßen, war erfolgreich. Die Itertalkliniken übernahmen das Heim, samt der Bewohner und des Personals. „Das ist für uns natürlich die beste Lösung, die wir überhaupt erzielen konnten“, sagt Vosen. Die Senioren hätten sich kein neues Zuhause suchen müssen, die Mitarbeiter hätten ihre Arbeitsplätze behalten und das DRK große Summen an Abfindung gespart.

Der Rettungsdienst sei bereits 2014 wieder in die Gewinnzone geführt worden, sagt Ingo Kohnen. Allerdings wurde auch dieser in einer eigenen Gesellschaft organisierte Geschäftszweig des DRK grundlegend neu aufgestellt. Die Logistik sei deutlich verbessert worden. Die Fahrten hätten mittlerweile bessere Konditionen. Ein teures sogenanntes Intensivtransportfahrzeug sei an die Städteregion ausgelagert worden. Das alles seien Faktoren, die den Rettungsdienst schnell wieder wirtschaftlich gemacht hätten.

Und auch das qualitative Problem sei gelöst. Im Herbst 2013 berichtete unsere Zeitung über bedenkliche Zustände bei den DRK-Rettern: Fahrer ohne Ortskenntnisse, Ehrenamtler mit bis zu 100 Arbeitsstunden monatlich ohne freies Wochenende. Diese Defizite seien abgestellt, sagt Vosen. „Wir haben unseren Fahrdienst neu aufgestellt. Fahrer, die dort keinen Platz mehr fanden, wurden umgeschult und sind nun im Rettungsdienst eingesetzt“, sagt Vosen. Damit sei personelle Qualität und Kontinuität an allen DRK-Rettungswachen gewährleistet.

Von den 691 angestellten DRK-Mitarbeitern, die im Kreisverband und seinen Gesellschaften Ende 2013 gearbeitet haben, sind heute 666 geblieben. „Wenn man bedenkt, dass wir 40 Arbeitsplätze bei der Altenheimübergabe an die Itertalkliniken übergeben haben, ist das ein sehr sozialverträglicher Umbau“, sagt Vosen. Er glaubt, dass die große Unsicherheit, die lange die Belegschaft belastet habe, inzwischen gewichen sei.

Problem Altkleider

Auch die Spitze des Kreisverbandes hat sich per Satzungsänderung neu organisiert. „Wir haben Aufsicht und Exekutive strikter getrennt“, sagt Kohnen. Ein neues Präsidium beaufsichtigt den Geschäftsführer, der mehr Kompetenzen und Verantwortung bei den wirtschaftlichen Geschäften des Verbandes bekommt.

Vosen, der als Sanierer den Verband übernommen hatte, will noch bis Ende 2016 als Geschäftsführer weitermachen. In dieser Zeit will er den DRK-Rahmentarifvertrag einführen, der für den Verband der Städteregion noch nicht gilt. Eine andere wichtige Baustelle sei die Sammlung von Altkleidern. Die Kommunen versuchten derzeit das DRK aus dem Geschäft zu drängen. „Dagegen werden wir vorgehen. Wenn es nötig ist, mit rechtlichen Mitteln“, kündigt Vosen an.

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