Dossier Tihange

Tihange: NRW verkauft Engie-Beteiligung mit Gewinn

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
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Das rund 60 Kilometer von Aachen entfernte belgische Atomkraftwerk Tihange sorgt seit Jahren mit Pannen für Schlagzeilen. Foto: dpa

Düsseldorf/Lüttich. Beim Verkauf der umstrittenen Unternehmensanleihen aus dem NRW-Pensionsfonds an den französischen Energiekonzernen EDF und Engie hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Gewinn verbucht. Das teilte das Finanzministerium unserer Zeitung am Mittwoch auf Anfrage mit.

Die jeweiligen Positionen seien durchweg mit Kursgewinnen gegenüber dem Einstandskurs veräußert worden, sagte eine Sprecherin. Die Papiere von Engie seien für einen Marktwert von 5,02 Millionen Euro, die von EDF für 9,89 Millionen Euro verkauft worden. Vor dem Verkauf am 13 Juni hatte der Wert der Anteile bei rund 13,3 Millionen Euro gelegen.

„Damit ist das Engagement des Landes in die französischen Energiekonzerne und damit in die belgischen Pannen-Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 beendet”, so die Sprecherin. Die durch die Verkäufe freigewordenen Mittel würden Teil der anstehenden Neuanlage, die nach den seit 1. Juni geltenden nachhaltigen Kriterien vorgenommen würden.

Unterdessen wurde bekannt, dass die vier größten niederländischen Pensionsfonds ebenfalls beim französischen Energiekonzern Engie und dessen belgischer Tochter Electrabel investiert sind. Laut dem belgischen Rundfunksender RTBF beträgt das Engagement fast 250 Millionen Euro. Die Fondsbetreiber würden die Investitionen mit dem grünen Engagement des französischen Konzerns rechtfertigen, heißt es. Tatsächlich ist Engie-Electrabel größter Produzent von Ökostrom in Belgien. Es gebe jedoch auch Stimmen, die die Investitionen für „unerwünscht“ halten, da eine Mehrheit des niederländischen Parlaments die Schließung der belgischen Pannen-Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 favorisiere, heißt es im Bericht von RTBF.

Die umstrittenen Wertpapiere aus dem NRW-Pensionsfonds hatten 0,14 Prozent an dem insgesamt rund 10,4 Milliarden Euro schweren Fonds ausgemacht und waren zwischen 2012 und 2014 gekauft worden. Die finanzielle Beteiligung NRWs an den Pannen-Meilern war nach Bekanntwerden Ende Mai auf scharfe Kritik in der Städteregion Aachen und bei der designierten Landesregierung gestoßen.

Nägel mit Köpfen

Nachdem die Chefs der neu gewählten schwarz-gelben Koalition, Armin Laschet (CDU) und Christian Lindner (FDP) den sofortigen Verkauf der Wertpapiere angekündigt hatten, hatte Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) Nägel mit Köpfen gemacht und die Wertpapiere verkauft. In einem offenen Brief Ende Mai hatte Walter-Borjans dazu erklärt: „Ich lasse nicht den Vorwurf auf mir sitzen, die politische Verantwortung für eine vertretbare Anlage der Pensionsfondsmittel nicht ernst zu nehmen.“ Walter-Borjans hatte beteuert, dass ihm die Kapitalanlage zuvor nicht bekannt gewesen sei und die Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass die Engie-Aktie derzeit von Analysten zum Kauf im Bereich der erneuerbaren Energien empfohlen werde.

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