Dossier Tihange

Nach Tihange-„Gipfeltreffen“: Neue Großaktion angekündigt

Von: Madeleine Gullert
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Tihange 2 bereitet Menschen in der Grenzregion Sorgen: Tihange-Gegner planen deshalb eine neue Protestaktion gegen den Betrieb des umstrittenen Meilers, der Luftlinie nur 60 Kilometer von Aachen entfernt liegt. Foto: Andreas Steindl
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Die Aktivisten hatten sich mehr Transparenz vom Akw-Betreiber Engie erhofft: Schauspieler Bouli Lanners (v. l.), Walter Schumacher, Benoît Dupret, Eloi Glorieux, Marc Alexander und Peer de Rijk. Foto: Madeleine Gullert

Lüttich/Aachen. In Belgien gibt es eine Zeitrechnung vor und eine nach der Menschenkette gegen Tihange. Da ist sich der international bekannte Schauspieler und Tihange-Gegner Bouli Lanners sicher. Dass im Juni 50.000 Menschen in der Grenzregion gegen die Atommeiler Tihange 2 und Doel 3 bei Antwerpen protestierten, habe in Belgien und auch in den Niederlanden die Diskussion erst richtig in Gang gebracht.

Das sagten Vertreter der Initiative „Stop Tihange“ am Sonntag nach einem Treffen mit dem Betreiber der beiden Meiler. Und sie verrieten auch, dass sie eine weitere große Protestaktion planen, für das kommende Jahr. Was genau, das wolle man noch nicht verraten. Aber es solle mindestens genauso imposant werden wie die Menschenkette, sagte Walter Schumacher vom „Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie“.

Nach dem rund einstündigen Treffen mit Vertretern des Akw-Betreibers Engie-Electrabel sahen die deutschen, niederländischen und belgischen Aktivisten nicht weniger, sondern eher mehr Bedarf, den Kampf gegen die umstrittenen Meiler fortzuführen. „Auch nach Jahren Anti-Akw-Bewegung stellen die Betreiber uns Tihange-Gegner als Minderheit dar, dabei wollen viele Menschen in der Region, dass die Meiler abgeschaltet werden,“ sagte Schumacher überzeugt. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte sein belgischer Aktivisten-Kollege Marc Alexander.

Auf die Frage, ob Engie die Laufzeit der Riss-Reaktoren nicht vielleicht sogar verlängern wolle, habe die Gegenseite – so kann man es sicher formulieren – nur geantwortet, dass sie sich an die Gesetze halte. Auch in Belgien wurde der Atomausstieg von der Politik beschlossen. Trotz Diskussionen in dem Land – einige Parteien zweifeln daran, dass es eine Stromversorgungssicherheit ohne Atomenergie gibt – hatte Energieministerin Marie-Christine Marghem erst kürzlich betont, dass es beim Ausstieg 2025 bleiben werde. „Engie versteckt sich hinter dem Gesetz“, kritisierte Lanners. „Und jeder weiß, dass das Unternehmen die Gesetze über Lobbyarbeit mit beeinflusst.“

Bei Engie kann man diese Anschuldigungen nicht verstehen. „Wir verstecken uns nicht hinter Gesetzen, wir halten uns an Gesetze“, sagte Konzernsprecher Serge Dauby. Ihm sei klar, dass die Initiatoren von „Stop Tihange“ am liebsten gehört hätten, dass Engie-Electrabel Tihange 2 und Doel 3 morgen abschaltet, aber „dafür gibt es keinen Grund“. Man habe etwa der belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC bewiesen, dass die Meiler sicher seien – trotz der Tausenden Wasserstoffflocken in den Reaktordruckbehältern. „Aber es gibt leider eine große Diskrepanz zwischen den Fakten und den Vermutungen und Gefühlen“, sagte Dauby, der an dem Treffen neben dem Tihange-Leiter und technischen Experten teilnahm.

Es war ein Treffen, das die Aktivisten nicht zufriedenstellen konnte – erhofften sie doch Unmögliches wie etwa eine genaue Aussage, wann Tihange 2 abgeschaltet wird. Und dann geht es bei solchen Treffen sicher auch um Macht. Engie diktierte die Bedingungen des Treffens: Fünf Vertreter durften teilnehmen, Kommunikationssprache war Französisch. „Stop Tihange“-Vertreter wiederum luden den Akw-Leiter spontan zur Pressekonferenz in die Kneipe gegenüber des Kraftwerks ein, was der ausschlug und wohl als Affront aufgefasst haben muss. Die Fronten sind verhärtet. „Es war eine sehr höfliche Konfrontation“, sagte Lanners.

Die Tihange-Gegner baten außerdem um technische Dokumente. Engie habe diese Informationen aber nicht herausgeben wollen, kritisierte Schumacher und sprach von „Respektlosigkeit gegenüber der Öffentlichkeit“. Man habe sich mehr Transparenz gewünscht. Dauby kann den Vorwurf nicht verstehen. Schumacher und die anderen Aktivisten selbst hätten zugegeben, dass sie die technischen Details nicht verstehen würden.

„Wir haben der Initiative angeboten, einen Experten ihrer Wahl zu schicken, der dann die angeforderten Dokumente einsehen kann. Und zwar jederzeit“, sagte Dauby am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. Man müsse Verständnis haben, dass Engie nicht alle Dokumente veröffentlichen könne, schließlich gehe es dabei auch um Sicherheitsaspekte. Die Aktivisten selbst hätten außerdem zugegeben, dass sie mit Details zu ihren Fragen etwa nach dem „X-FEM-Code Morfeo-Crack“ nichts anfangen könnten.

Im Übrigen habe Schumacher zu Beginn des Treffens die Transparenz Engies gelobt, betonte Dauby. „Tatsächlich informieren wir viel offener als andere AKW-Betreiber in anderen Ländern.“ In der „Stop Tihange“-Pressekonferenz war aber die für die Aktivisten mangelnde Transparenz der größte Kritikpunkt an Engie. Da ging es dann aber auch um die Deutungshoheit.

Von der neuen Protestaktion für 2018 hätten die Aktivisten im Gespräch nichts erwähnt. „Damit wollten sie uns wohl überraschen“, sagte Konzernsprecher Serge Dauby. Noch überraschender ist allerdings, dass Greenpeace die Aktion von Anfang an unterstützt. Das war bei der Menschenkette noch nicht der Fall. „Wir machen eigentlich keine Massenmobilisierungsaktionen“, sagte Eloi Glorieux von Greenpece Belgien.

Aus den „Stop Tihange“-Reihen hatte es damals Unmut gegeben, die Vermutung lag nahe, dass sich Greenpeace und andere Umweltorganisationen nicht im Falle eines Scheiterns der Menschenkette blamieren wollten. „Das ist alles Geschichte“, sagte Lanners. Man ziehe jetzt noch mehr an einem Strang im Kampf gegen Tihange. Lanners: „Der hat gerade erst angefangen.“

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