Dossier Tihange

Menschenkette: „In Belgien gibt es einen Blackout an Informationen“

Von: mgu
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Protestiert am 25.Juni vor dem AKW Tihange: Schauspieler Bouli Lanners. Foto: Imago/Reporters

Brüssel. Der Protest gegen die umstrittenen belgischen Meiler Tihange 2 und Doel 3 wird vor allem aus Deutschland und der Grenzregion heraus betrieben. Für die Menschenkette haben sich aber Organisationen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammengetan. Ja, auch in Belgien wird gegen Tihange mobilisiert.

Dabei hilft auch Schauspieler und Regisseur Bouli Lanners („Der Geschmack von Rost und Knochen“/„Nichts zu verzollen“), der aus dem belgischen Örtchen Moresnet stammt. Seine nächste Rolle: die des Protestlers vor dem AKW Tihange.

 

Herr Lanners, sind Sie ein Atomkraft-Gegner oder wie kam es, dass Sie in Belgien ein Aushängeschild der Anti-Tihange-Menschenkette geworden sind?

Lanners: Ich wurde gefragt, ob ich mich engagieren möchte. Ich gehöre keiner Partei an, mache das nicht aus politischen Gründen. Ich hoffe, als Prominenter Menschen zu mobilisieren und zu beeinflussen. Und tatsächlich war ich als Teenager sehr aktiv in der Anti-Atom-Bewegung. Wenn man sich die Situation in Belgien mit den Atomkraftwerken Tihange und Doel ansieht, ist das erschreckend. Da war die alte Flamme des 15-jährigen AKW-Gegners in mir wieder da. Nichts wurde in Belgien bewegt in Sachen Atomausstieg.

Offiziell beschlossen ist der Atomausstieg aber auch bei Ihnen.

Lanners: Ja, offiziell schon. Aber es ist so ein bisschen wie mit den US-Präsidenten. Barack Obama war für den Pariser Klimavertrag, und Donald Trump steigt jetzt einfach aus. So hat bei uns eine Regierung auch den zuvor beschlossenen Atomausstieg zwar nicht offiziell, aber de facto rückgängig gemacht mit der Verlängerung der Vertragslaufzeiten. Die AKW-Betreiber und Energielobby sind einfach so mächtig hier.

Ist das der Grund für den eher geringen Widerstand in Belgien?

Lanners: Es gibt eine Müdigkeit im Kampf gegen die Kernenergie. Und ja, daran ist eine Atmosphäre des Lügens Schuld. Die Atomaufsichtsbehörde FANC und der AKW-Betreiber Engie-Electrabel sagen den Belgiern immer wieder, dass alles in Ordnung ist. Die Kampagne von Engie funktioniert. Bei jeder Abschaltung oder bei jedem Vorfall wird der Bevölkerung weisgemacht, dass die Probleme eigentlich gar nicht im Kraftwerk, sondern irgendwo ganz weit weg, quasi in der Kantine oder auf den Toiletten aufgetreten sind. Ich überspitze das jetzt mal. Engie schafft es ja beinahe, uns zu erklären, dass Atomkraftwerke dank einer geringen CO2-Bilanz quasi bio sind. Und die Menschen wissen es nicht besser.

Seltsam, wie anders die Situation in Deutschland ist. In der Grenzregion und NRW wird seit Jahren gegen Tihange 2 protestiert. Wie erklären Sie sich das?

Lanners: In Deutschland ist der Kampf der Atomkraftgegner beständiger. Die Angst der Menschen aus Aachen und Umgebung ist völlig gerechtfertigt. Und ich finde die Energie, die von dem Protest dort ausgeht, toll. Ein bisschen kommt davon auch bei uns an.

Aber eben nur ein bisschen.

Lanners: Nun ja, die Verantwortlichen und auch die Medien erzählen uns seit drei Jahren, dass im Winter ein Blackout droht ohne die Atomkraftwerke. Uns wird eingeimpft, dass wir die Meiler brauchen. Und ja, in Belgien gibt es einen Blackout – an Informationen. Der Strom ist nicht unser Problem. Problematisch ist allerdings, dass wir bei der Etablierung grüner Energie, den Windparks, hinterherhinken.

Haben Sie denn Hoffnung, dass sich die Situation in Belgien noch ändern wird?

Lanners: Ja, ich habe Hoffnung, weil es in Belgien ähnlich wie in Frankreich eine Stimmung des Verdrusses, des „Jetzt ist aber genug“, gibt. Die Belgier haben keine Lust mehr auf das politische System und wollen einen Wechsel. Vielleicht ändert sich auch im Umgang mit unseren Atomkraftwerken endlich etwas.

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