Dossier Tihange
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Kommentiert: Stark. Und jetzt?

Ein Kommentar von Madeleine Gullert

Die Menschen in der Grenzregion können stolz auf sich sein. Sie haben mit der Menschenkette ein starkes Zeichen gegen die umstrittenen belgischen Meiler Tihange 2 und Doel 3 gesetzt. Ob es am Ende 50.000 Teilnehmer waren, kann niemand genau sagen.

In weiten Teilen aber standen die Menschen Hand in Hand, sogar in entlegeneren Industriegebieten in Belgien – nicht unbedingt der schönste Ort für einen Sonntagsausflug. Die Protestler haben Engagement gezeigt. Das verdeutlicht die Sorgen der Menschen, insbesondere in unserer Region.

Zur Wahrheit gehört auch, dass das Thema Tihange vor allem hier eins ist. Jodtabletten, Pläne für den GAU, Atemschutzmasken – schon in Köln und Düsseldorf gibt es die im Raum Aachen, Heinsberg und Düren herrschende Wahrnehmung einer ständigen Bedrohung nicht mehr. Umso überraschender, dass es weit weniger Lücken in der Menschenkette gab, als befürchtet. Stark! Aber nun ist die Aktion vorbei. Und was jetzt?

Nein, Tihange 2 wird nicht heute oder morgen abgeschaltet, und auch nicht in einem halben Jahr. Es ist zurzeit einfach nicht der Weg, den Belgien energiepolitisch gehen will. Das mag deprimieren, trotzdem hat das Auflehnen aus der Bevölkerung heraus gegen die Meiler Folgen.

Der Protest, dem sich zumindest die Politik aus der Region angeschlossen hat, zeigt Wirkung. So ist Tihange 2 inzwischen auch in Berlin ein Thema. Mehr als ein Abschalten der Meiler zu fordern, kann die Bundesregierung zunächst nicht machen. Allerdings sollte sie es bei der Lieferung der Brennelemente nach Tihange und Doel auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, wenn sie es ernst meint.

Offensichtlich hat auch Betreiber Engie-Electrabel den öffentlichen Druck verspürt. Es ist sicher kein Zufall, dass die wichtigen Leitungsposten im AKW Tihange in diesem Jahr ausgetauscht wurden. Die neue Leitung hat explizit zur Aufgabe, für Transparenz und Sicherheit zu sorgen. Das kann man schon als Zugeständnis werten. Engie will die Menschen von der Sicherheit der Kraftwerke überzeugen. Ist die öffentliche Meinung schlecht, lässt sich eine angestrebte längere Laufzeit der Meiler schwerer erreichen.

Ausgeschlossen ist das trotzdem nicht, im Gegenteil. Denn – und das ist das Problem für den nicht ausschließlich deutschen, aber definitiv deutsch-dominierten Protest – es geht hier um Ideologie. Frankreich und auch Belgien glauben an die Kernenergie. Der konsequente deutsche Weg des Atomausstiegs ist ein einsamer. Und so müssen Menschen bundesweit mit der Bedrohung von als nicht sicher geltenden AKW jenseits der Grenze leben. Der Protest aus der Region gegen Tihange wird weitergehen müssen.

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