Berlin: Zu Hause im Netz: Tipps für die eigene Webseite

Berlin : Zu Hause im Netz: Tipps für die eigene Webseite

Viele Menschen, die das Internet täglich nutzen, scheuen vor einer eigenen Webseite noch zurück. Der Aufwand, die Programmiersprache HTML zu lernen, ist ihnen zu hoch, die Kosten scheinen unüberschaubar. Doch diese Sorgen sind unberechtigt.

„Wenn die Motivation stimmt und die Inhalte bereitstehen, kann man eine Webseite an einem Tag schaffen”, sagt Robert Brandl, der unter webseite-selbst-erstellen.de Tipps zu dem Thema sammelt.

Ronnie Koch, der sogar Kurse mit dem Titel „Eigene Homepage an einem Tag” anbietet, zerstreut auch andere Bedenken: „HTML muss man nicht mehr können, es gibt sehr einfache Baukastensysteme”, so der Trainer für Onlinejournalismus. Beim Beheben von Fehlern sei ein bisschen Wissen über die Programmiersprache aber noch immer hilfreich. Wichtiger als HTML ist für Robert Brandl, dass die zukünftigen Seitenbetreiber mit einem Grafikprogramm umgehen können. Das müsse nicht zwingend Photoshop sein, auch mit Gratissoftware wie Gimp oder dem webbasierten Sumopaint lasse sich schon viel erreichen.

Am wichtigsten sind für die Experten aber Anwenderkenntnisse: Webseitenbastler müssten ein Gefühl dafür haben, wie eine Homepage funktioniert und aufgebaut ist. Diese Fragen stellt auch Jürgen Lemmermann in seinen Volkshochschulkursen, die häufig von Senioren besucht werden: „Was will ich zeigen, wen will ich ansprechen, will ich im Netz gefunden werden oder eine Webseite für Freunde und Bekannte machen?” Denn eine Seite, mit der man eine Ferienwohnung vermieten will, sei anders aufgebaut als eine, auf der die Ergebnisse des Sportvereins ins Netz gestellt werden.

Zum Erstellen der Seite nutzt Lemmermann Frontpage, ein altes Microsoft-Programm, das früher Teil des MS-Office-Pakets war. „Die Oberfläche ist ähnlich wie bei anderen Office-Programmen, deshalb kommen die Leute gut damit klar”, sagt Lemmermann. „Um das Prinzip Webseite zu verstehen, ist das Programm unschlagbar.” Die fertige Seite vom eigenen Rechner auf einen Server hochzuladen, bereite keine Probleme. „Und wenn man einmal kapiert hat, wie eine Seite aufgebaut ist, kommt man auch mit anderen Programmen klar.”

Brandl und Koch raten Einsteigern eher zu webbasierten Komplettpaketen. Hier werden die Seiten online erstellt, eine Domain gibt es direkt dazu. Allerdings fallen bei Anbietern wie Jimdo, Weebly oder Webnode auch monatliche Kosten an. Dafür kann der Nutzer von jedem Rechner aus auf seine Webseite zugreifen und sie verändern. Außerdem können mehrere Anwender, etwa in einem Verein, gemeinsam an den Inhalten arbeiten.

Wer sich gegen webbasierte Lösungen entscheidet, hat die Wahl zwischen mehreren Programmen, muss sich um Domain und Webhosting aber selbst kümmern. Weit verbreitet, für Laien aber vermutlich zu komplex, ist zum Beispiel Dreamweaver. Gleiches gilt nach Ansicht von Ronnie Koch für diverse kostenlose Open-Source-Systeme: „Joomla, Typo3 oder Drupal würde ich keinem Laien empfehlen.”

Wordpress dagegen sei eigentlich eine Software zum Erstellen von Blogs, „aber man kann damit auch Seiten erstellen, die keine Blogs sind.” Wer Geld sparen wolle, könne sogar auf einen Provider verzichten und die Seite direkt bei Wordpress hosten - eine eigene Domain gibt es dann aber nicht. Auch Robert Brandl schwärmt von Wordpress: „Man kann unglaublich viel damit machen, es gibt viele, meist kostenlose Plugins und Templates.” Mit einer deutlichen Einschränkung: „Solange es funktioniert, ist es toll, wenn es Probleme gibt, braucht man sofort einen Programmierer.”

Und schließlich gibt es noch die Komplettpakete diverser Domainanbieter, bei denen es zur eigenen Adresse im Netz noch ein Baukastensystem für die Homepage gibt. Damit sei eine Webseite mit wenigen Klicks erstellt, viel Einfluss auf das Design hat der Nutzer aber nicht, sagt Koch. „Wenn man die Navigation oder anderes ändern will, wird es knifflig”.

Was kostet der Spaß? Nach Angaben von Jürgen Lemmermann sind günstige Paketlösungen von Domainanbietern für zwei bis drei Euro im Monat erhältlich. Kunden sollten außerdem vorher den Vertrag ihres Internet- oder Telefonanbieters prüfen - häufig bieten diese die Möglichkeit, eine Seite kostenlos ins Netz zu stellen. Ab fünf Euro im Monat könne man eine gute webbasierte Lösung finden, so Ronnie Koch, die Adresse allein sei schon für einen Euro im Monat zu haben. Es gebe auch kostenlose Einstiegsangebote, dann habe man aber keine eigene Domain und müsse Werbung auf der eigenen Seite in Kauf nehmen.

Brandl rät außerdem immer zu einem deutschen Anbieter, weil ausländische Provider nicht nur keine DE-Domains anböten, sondern auch rechtlich nicht auf Deutschland zugeschnitten seien. Ein Impressum ist auf den Seiten zum Beispiel nicht automatisch vorgesehen, hierzulande aber vorgeschrieben. Wer die Seite als eigene Domain betreibt, sollte sich den Namen außerdem vorher gut überlegen: „Nehme ich meinen eigenen Namen oder die Dienstleistung, die ich anbiete? Denn wenn ich das nach einem Jahr ändern will, wird es kompliziert”, warnt Ronnie Koch.

webseite-selbst-erstellen.de

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung