Die digitale Welt: Wo bleiben duftende E-Reader?

Die digitale Welt : Wo bleiben duftende E-Reader?

Was fällt Ihnen als erstes auf, wenn Sie die Zeitung, eine Zeitschrift oder ein neues Buch aufschlagen? Für Olfaktoriker ist es ganz klar der Geruch. Darüber hinaus gibt es aber noch mehr Merkmale, die dem E-Reader fehlen, meint Benjamin Wirtz.

Wissen Sie, was ich als Erstes mache, wenn ich die Zeitung morgens reinhole oder meine wöchentliche Filmzeitschrift aus dem Briefkasten angle? Ich schlage sie auf, stecke meine Nase zwischen die Seiten und atme ganz tief ein. Ein wundervoller Duft! Das mache ich auch bei neuen Büchern stets so. Kaum etwas riecht so gut wie ein frisch gekauftes Printprodukt! Einmal schnell durch die Seiten blättern und den Luftzug einatmen.

Lesen eben mit allen Sinnen erfahren: das Geräusch beim Blättern oder der dumpfe Knall beim schnellen Zuklappen. Das Gefühl der glatten, kühlen Seiten und der Dicke des Gesamtprodukts. Und eben der Geruch der Seiten – nur den Geschmackssinn lasse ich aus, das ginge dann doch etwas zu weit.

Nun gibt es schon seit längerem die Streitfrage: Buch oder E-Book. Und zweifelsfrei bietet ein E-Book-Reader viele Vorteile: Man kann Hunderte Romane ohne Mehrgewicht mit sich schleppen, man kann die Schrift vergrößern, den Text nach Wörtern durchsuchen, unbekannte Wörter nachschlagen, man braucht kein Papier, E-Books sind oft günstiger und so weiter und so fort.

Kein E-Book-Geruch

Aber das Lesen mit allen Sinnen können sie nur zum Teil imitieren. Das Gefühl, man hätte ein echtes Buch in der Hand, lässt sich bestimmt herstellen, oder aber das Halten des E-Readers wird zum neuen Gusto. Auch das Rascheln der Seiten können E-Books nachmachen. Was sie aber nicht erschaffen können, und wahrscheinlich in allzu naher Zukunft auch nicht erschaffen werden, ist der Geruch! E-Books riechen nicht wie Bücher, wie Zeitungen oder wie Zeitschriften. Und das ist ein Nachteil, der auch durch die vielen Vorteile nicht wettzumachen ist.

Wenn mich der E-Book-Markt als Konsumenten gewinnen will, dann muss er mir den Geruch von Büchern anbieten! Und bis es so weit ist, stecke ich meine Nase weiterhin nur in echte Printprodukte.